Review

Wie Seifenblasen über Wasser

In diesem fast noch frühen Fellini folgen wir ein paar hochstapelnden und betrügenden Schlawinern, die sich ihren Weg durch ein ohnehin ärmliches Italien bahnen, die Leute über die Ohren hauen und um ihr eh schon wenig Geld bringen - und so zeitweise ihren Weg in die Oberschicht mogeln, feiern, feixen. Aber natürlich ist ein solch erworbener „Status“ fragil… 

Asozial - aber stolz drauf?

„Il Bidone“ ist sicherlich eines der überseheneren Werke Fellinis - aber kaum weniger sehenswert als seine besten Schöpfungen! Über Männer, die mit allen Wassern gewaschen sind, die mit Feuer spielen und auf Diebe starren. Trickbetrüger, Taschendiebe, Cheater. Aber im Grunde viel mehr als das. Weder Mafia noch rechtschaffend, weder Proletariat noch Pöbel, schon Verbrecher, aber irgendwie kreativ und mutig. Aber hier keineswegs beschönigt oder glorifiziert. Das Ende ist zerschmetternd. Die Nebenfiguren sind interessant. Die Ansichten und Standards der Protagonisten sind diskussionswürdig. Das, was außerhalb des Bildes und der Szenen passiert, ist meist das eigentlich Großartige, was einen zum Denken und Fühlen anregt. „Il Bidone“ sagt eine Menge über die menschliche Kondition und unsere Einstellungen zu Geld, Gefahr, Arbeit. Aber noch spezieller über italienische Ansichten und Traditionen dazu. Nino Rota liefert beim Score. Fellini ist kurz vor seinem Peak. All das verläuft nahtlos und emotional ineinander. Die letzten 10 Minuten sind pures Kino und traurigste Kulmination. Unbedingt sehenswert! 

Eiskalte Typen oder lauwarme Menschen?!

Fazit: frech, clever, sinnlich, wild, tragisch, italienisch… Betrüger waren selten charmanter. Und Fellini fand voll in seinen Flow. Großartig. 

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