Man darf Regisseur Ruggero Deadato auch heute noch dafür verurteilen, dass er Tiere nur für seine Filme töten ließ und viele seiner Darsteller wie Dreck behandelte, doch zweifelsohne gelang ihm mit "Nackt und zerfleischt" der wahrscheinlich beste Kannibalenfilm aller Zeiten.
Drei Jahre zuvor deutete sich dieses Gespür für beklemmende Urwaldsituationen lediglich an, denn gegenüber oben erwähnten Streifen kommt "Mondo Cannibale 2" wie ein vergleichsweise harmloser Survivaltrip im Dschungel daher.
Die Crew um Robert (Massimo Foschi) und Rolf (Ivan Rassimov) hofft auf der philippinischen Urwaldinsel Mindanao auf ihr Team zu stoßen, doch nach einer Bruchlandung finden sie das Camp verlassen vor. Nach kurzer Suche tappt jemand in eine tödliche Falle, daraufhin müssen die Gestrandeten vor den Ureinwohnern fliehen, welche sich als Kannibalen entpuppen...
Deodatos Dschungeltrilogie beginnt eher verhalten. Er vermengt jede Menge Exotik, tolle Kulissen, gelungene Luftaufnahmen und geschickt montierte Tieraufnahmen aus Dokus mit einem Überlebenskampf, welcher primär auf Robert zugeschnitten ist, der sich einige Zeit in Gefangenschaft befindet und allerlei Mumpitz über sich ergehen lassen muss, bis er mithilfe einer hübschen Einheimischen die Flucht antritt.
Die Besetzung ist durchaus gelungen, vor allem die zumeist freizügig agierenden Ureinwohner sorgen für eine nicht unerhebliche Authentizität. Zwar halten sich die Grausamkeiten in Grenzen, obgleich das Töten eines Krokodils mal wieder völlig unnötig ist, doch dafür überzeugt die Form der Kommunikation, einige Rituale wirken nachvollziehbar und die Reaktionen auf ungewohnte Umstände durchaus glaubhaft.
Dabei arbeitet die Kamera grundsolide, einige Egoperspektiven fallen gar recht beklemmend aus, lediglich einige Nahaufnahmen erzielen kaum einen Effekt, außer leichtem Ekel.
Ameisen in offenen Wunden und ein verfaultes Knie sind tricktechnisch einwandfrei in Szene gesetzt, nur ein aufgeschlitzter Körper sieht eine Szene später etwas zu wabbelig aus, um eben nicht als Latexkonstrukt erkannt zu werden. Wobei man als Mime mit Sicherheit nicht auf rohem Gedärm herumkauen möchte, um für einen Filmmoment so etwas wie Überlegenheit zu demonstrieren, während irgendwo in der Speiseröhre zwangsläufig ein Brechreiz unterdrückt werden muss.
Das Abenteuer legt insgesamt ein solides Tempo vor, die Musik fällt allerdings nicht allzu markant aus und die Kulissen bieten trotz dichter Atmosphäre keine erinnerungswürdigen Einzelstationen. Demgegenüber vermag eine Floßfahrt durch Stromschnellen schon eher zu überzeugen und auch einige sexuelle Andeutungen, obgleich zu keiner Zeit explizit gezeigt, bringen eine raue Härte mit, welche die Schonungslosigkeit des Aufeinandertreffens zwischen Zivilisation und Eingeborenen untermauert.
Letztlich kommt der Streifen wie eine Fingerübung daher, um für "Cannibal Holocaust" all das ausgereift zu präsentieren, was hier zumeist nur angedeutet wird.
Die Abenteueratmosphäre ist stimmig, manchmal kommt auch etwas Spannung auf, die Darsteller performen durch die Bank passabel und auch die wenigen Splattereffekte gehen in Ordnung. Vom Gewaltfaktor her noch gut verträglich, - die bedrückende Grundstimmung macht vieles wieder wett.
6,5 von 10