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Nach seinem mehr oder minder erfolgreichen Remake "I Spit on your Grave" lässt Regisseur Steven R. Monroe es mal wieder ziemlich derbe krachen, denn in Sachen Gewalt und Sadismus setzt er dem ohnehin schon brutalem Treiben seiner Neuverfilmung glatt noch eins drauf. Ohne dem eindringlichen Spiel von Hauptdarstellerin Jemma Dallender würde das schlichte Konzept jedoch nicht halb so effektiv funktionieren.

Model Katie (Dallender) hätte mal besser bei Modelmama Heidi angeklopft, anstatt sich in einem düsteren Gemäuer von noch düsteren Gesellen ablichten zu lassen, um ihre Modelkartei zu erweitern. Kaum wieder daheim angekommen, lauert ihr einer der Typen auf und vergewaltigt sie, dann wird Katie von zwei weiteren Kerlen betäubt. Als sie erwacht, befindet sie sich in einem düsteren Keller und zwar längst nicht mehr in New York...

Im Grunde ist es dasselbe Spiel eines typischen Genre-Franchises: Der Kern bleibt unverändert, die Rahmenbedingungen variieren leicht und nach Möglichkeit muss alles noch eine Spur härter, expliziter und menschenunwürdiger ausfallen.
Nachdem die knappe Figureneinführung absolviert ist und Katies netter Nachbar vorgestellt wird, darf dieser als helfende Instanz auch direkt den Löffel abgeben, wobei er brutalerweise die Vergewaltigung Katies mit seinen letzten Atemzügen erlebt.

Der anschließende Break nach dem Erwachen in einem fremden Keller ist zwar mit eklatanten Logiklöchern verbunden, doch in diesem Areal scheint Gewaltkriminalität überwiegend geduldet oder die zuständigen Instanzen sind schlicht zu naiv, um entsprechend zu handeln.
Katies Martyrium entwickelt sich indes zu einem sadistischen Treiben jenseits von Gut und Böse, bei dem einem schon mal recht flau in der Magengrube werden kann.
Da will man gar nicht wissen, wie sich Jemma Dallender auf einzelne Szenen vorbereitet haben mag, doch wer mit so viel Eindringlichkeit und Leidenswillen performt, dazu einige Zeit komplett nackt agiert und sich nahezu die Seele aus dem Leib schreit, muss schon eine leicht masochistische Ader haben.

Die eiskalt-morbide Stimmung wird von einem eher zurückhaltenden Score unterstrichen, die finstere und spärliche Location verlangt die Konzentration aufs Wesentliche und nachdem Katie diverse sexuelle Übergriffe und Demütigungen über sich hat ergehen lassen, kommt es über ebenfalls recht unglaubwürdige Umwege zum beliebten umgedrehten Spieß, bei dem der geneigte Betrachter voller Genugtuung einen knallharten Rachefeldzug erlebt.
Dieser fällt zwar etwas knapp aus und erinnert in seiner äußeren Form ein wenig an "Phantom der Oper", doch demgegenüber fällt die Heimsuchung der Peiniger in zwei Fällen recht massiv aus, wobei speziell eine Szene sämtlichen männlichen Betrachtern etwas anderes als die Kehle zuschnüren dürfte.

Die Effekte fallen entsprechend ordentlich aus, tiefe Schnittwunden sehen auch wie solche aus und auch die übrigen Gewaltausbrüche kommen teilweise beängstigend real rüber.
Natürlich ist mit der Geschichte keine Innovationsmedaille zu gewinnen und auch so manche Unwahrscheinlichkeit muss mit einiger Toleranz in Kauf genommen werden, doch wer auf knallharten Rape & Revenge steht, dürfte von vorliegendem Stoff kaum enttäuscht werden, denn das simple Konzept funktioniert auf ebenso einfacher Ebene.
Bleibt jedoch abzuwarten, wie viel die FSK von den 106 Minuten im Original übrig lassen wird, wenn überhaupt...
7 von 10

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