Review

Jede Schramme ist spürbar

Peter Bergs Vorzeigekriegsfilm war lange Zeit "Battleship"... joa, dafür musste er sich in die Ecke stellen & schämen. Doch zum Glück machte er eine ziemliche 180 Grad-Wendung mit "Lone Survivor", einem Kriegsfilm über ein Team Seals, das während einer Operation in Afghanistan in einen Hinterhalt bzw. Überzahl an Al-Quaida-Soldaten gerät, sodass sich schnell eine ausweglose Situation für die US-Soldaten ergibt. Auf einer wahren Begebenheit beruhend, wie könnte es auch anders sein. Und der Film ist natürlich kein bisschen vergleichbar mit dem peinlichen "Battleship", eher mit ernsteren Antikriegsmeilensteinen, von Kathryn Bigelows Werken bis "Soldat James Ryan". Nur mit mehr wehenden Stars & Stripes.

Neben den grandiosen Darstellern & einer edlen Optik der afghanischen Berglandschaft, hat der Film vor allem eines: Durchschlagkraft. Bis ins Herz, bis ins Fleisch, bis ins Mark. Hier tut jeder Kratzer fast physisch weh, es gibt unglaublich wuchtige Sequenzen & wenn die Jungs einen Berg runter rollen, gegen Bäume & Steine krachen, dann rutschen selbst hartgesottenen Zuschauern mal die Gesichtszüge aus. Der Film tut weh. Auf eine schockierende & gute Weise. Mit einer etwas besseren Zeichnung der Charaktere & weniger Pathos & US-Flaggen, hätte "Lone Survivor" sicher noch denkwürdiger werden können. Oft wirkt der Film wie eine seltsame Mischung aus Ridley Scott an einem guten Tag & Michael Bay, an jedem Tag. Nur leider scheint der Regisseur sich, z.B. mit "Deepwater Horizon" oder "Patriot's Day", immer weiter auf zweifelhaft patriotisch inszenierte Themen zu konzentrieren, was mir etwas übel aufstößt & nicht immer ganz nachvollziehbar scheint...

Doch das ist eher Kritik an der allgemeinen Einstellung von Peter Berg, damit kann ich, zumindest in "Lone Survivor", leben. Selbst wenn er kritische Zungen sicher etwas an Tarantinos Film-im-Film in "Inglorious Basterds" erinnern kann, in dem Daniel Brühl als deutscher Scharfschütze vom Glockenturm etliche Gegner niedermetzelt. Doch meist bleibt "Lone Survivor" unangenehm hart & antikrieg, wie gesagt, selten hatte man so ein Mittendrin-Gefühl & wurden Schmerzen spürbar gemacht. Die blutigen Make-Up-Effekte sind stark & schwer anzusehen, die Darsteller sind weitestgehend sympathisch, selbst wenn sie nur selten über die Stufe von etwas stumpfen Soldaten hinauskommen, & Actionfans kriegen knallharte, recht realistische Shoot-Outs. Das das Ende vorweggenommen wird & nicht sehr überrascht, lässt sich da fast verschmerzen. Für mich einer der besseren Filme über den Krieg in Afghanistan, trotz sehr eingeschränkter Sichtweise & kleinem Horizont. Gerade diese Intimität & der Zusammenhalt unter den mutigen, leidenden Soldaten, kann berühren. 

Fazit: kann man Antikriegsfilm & verherrlichender Patriotismus in einem sein? So oder so: spürbarer, schmerzhafter & purer war ein Kriegsfilm seit "Black Hawk Down" nicht mehr. 

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