Review

Viele Exploitationer entstanden in den Siebzigern, darunter auch zahlreiche Frauengefängnisfilme, in denen es überwiegend um Sex und Gewalt, Lesbenszenen unter der Dusche, debile Mediziner und verklemmte Nazischergen ging. Den einen oder anderen Catfight gab es zwar auch mal, jedoch nur, um noch mehr nackte Haut zum Vorschein zu bringen. Auf entblößte Tatsachen verzichtet Regieneuling Josh C. Waller zwar komplett, dafür setzt er die Zweikämpfe umso schonungsloser in Szene.

Eben noch genoss Jamie ein entspannendes Bad nach einem erfolgreichen Rendezvous, kurz darauf erwacht sie noch völlig benommen in einem kellerartigen Gewölbe und sieht sich Sabrina (Zoe Bell) gegenüber, welche unvermittelt auf sie eindrischt. Sabrina ist eine von 50 entführten Frauen, für die es nur einen Weg gibt, sich aus der Misere zu befreien: Entweder beim Duell sterben oder solange kämpfen, bis man als letzte Überlebende wieder freigelassen wird...

Die Mischung aus "Die Tribute von Panem" und "Hostel" benötigt eigentlich nur einen Blick aufs Cover, um die Marschrichtung auszumachen, während die ersten fünf Minuten einen Eindruck darüber vermitteln, was den Härtegrad angeht.
Die Zweikämpfe stehen klar im Mittelpunkt und auch wenn ein merkwürdiges Paar im Hintergrund die Strippen zieht, die dekadente Gesellschaft gebannt vor den Monitoren hockt und Champagner schlürft, so bleibt der Background der Organisation eher unzureichend durchleuchtet.

Auch die Figuren bleiben eher schemenhaft, lediglich Sabrina sticht aufgrund ihrer Entschlossenheit ein wenig heraus, mal abgesehen von der obligatorischen Provokateurin mit sadistischer Veranlagung. Als Druckmittel wird zwar mit dem Tod des jeweiligen Nahestehenden gedroht, doch Zeit für zwischenmenschliche Töne nimmt sich der Stoff allenfalls, um kurz Luft zu holen oder zu untermauern, dass kurzfristige Allianzen spätestens in der kleinen Arena ein jähes Ende nehmen können.

Leider fällt der Hauptschauplatz der siloförmigen Arena mit eingebauten Kameras und erdigem Boden auf Dauer etwas eintönig aus, zumal gänzlich ohne Waffen gegeneinander angetreten wird und somit kein Inventar zweckentfremdet werden kann. Demgegenüber sind die Zweikämpfe recht roh in Szene gesetzt und größtenteils ordentlich choreographiert. Akrobatische Einlagen sind zwar nicht zu verzeichnen, doch dafür wird recht brachial zu Werke gegangen: Arme werden ausgekugelt oder gebrochen, Nasen blutig geschlagen, Augen eingedrückt und Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verdroschen.

Zoe Bell performt bei alledem recht intensiv und kraftvoll, obgleich ihre Figur nicht unmittelbar als Sympathieträger angelegt ist. Allerdings untermauert sie eine gewisse Wucht und Kompromisslosigkeit, was das Geschehen, trotz der minimalen Ausgangslage ordentlich vorantreibt. Mimen wie Rosario Dawson, Rachel Nichols und Tracie Thoms liefern ebenfalls passable Leistungen ab, nur Sherilyn Fenn und Doug Jones neigen als Drahtzieherpaar deutlich zum Overacting.

Doch auf Feinheiten werden Genrefans ohnehin kaum achten, wenn es um Kloppe im Minutentakt und Gewaltausbrüche im Angesicht des Todes geht. Trotz kleinerer Wendungen im finalen Akt ist die Story weitgehend zu vernachlässigen, die Sounduntermalung und der Score arbeiten zumindest zweckdienlich und auch sonst ist handwerklich wenig anzukreiden, während sich der Spannungsfaktor aufgrund der überschaubaren Konstellation in Grenzen hält. Freunde von Prügelfilmen härterer Gangart könnten demnach einen vorsichtigen Blick riskieren, wobei zu hoffen ist, dass die FSK die 92 Minuten nicht völlig zerschnippelt...
Knapp
6 von 10

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