"Setzt euch durch! Mit aller Kraft, die euch zur Verfügung steht."
Das Ehepaar Joseph (Doug Jones) und Elizabeth (Sherilyn Fenn) entführt schon seit Jahren Frauen, um sie gegeneinander nur mit ihren Fäusten in einem Zweikampf antreten zu lassen. Als Druckmittel dient eine geliebte Person der Kämpferinnen, die das Ehepaar umzubringen droht, wenn sich eine von ihnen weigert zu kämpfen. Bei Sabrina (Zoe Bell) ist dies ihre Tochter. Damit sie weiterlebt, tötet sie eine Kontrahentin nach der anderen. In ihrem Zellentrakt verbündet sie sich mit Jamie (Rachel Nichols) und stellt Überlegungen an, um den Kidnappern zu entkommen. Als ernsthafte Bedrohung steht ihr nur Phoebe (Rebecca Marshall) gegenüber, die durch ihre kriminelle Vorgeschichte keinen Sinn für Zusammenhalt entwickelt.
"Raze" ist in erster Linie ein reinrassiger Exploitationfilm. Die brachialen Kämpfe mit ansehnlichen Frauen lassen auch kaum etwas anderes erwarten. Die Gewaltanwendung ist plakativ, die Stimmung düster und die Kulisse heruntergekommen. Alles in dem Film ist auf seine menschenverachtende Prämisse ausgerichtet. Und obwohl dies nun nach einem sehr zweifelhaften Werk klingt, funktioniert der Film doch recht gut.
Die schmierig-sexuelle Komponente der früheren Exploitationfilme fehlt in "Raze" glücklicherweise vollkommen. Die Charaktere werden zwar selbstzweckhaft in die sehr maue Geschichte eingebunden, einer auf ihre Reize reduzierende Präsentation erleiden sie aber nicht. Stattdessen bestehen die Figuren aus den üblichen Stereotypen, was auch die Handlung vorhersehbar macht. Zumindest bis auf das Ende, was wiederum konsequent aber auch unbefriedigend ausfällt.
Im Fokus stehen die Zweikämpfe. Die hochfrequentierten Konfrontationen sind in ihrer Choreographie sehr bodenständig und vor allem auf Effektivität getrimmt, auf Dauer aber auch ein wenig einseitig. Vor allem in der Mitte des Films sehen sich die Kämpfe doch ein wenig ähnlich. Im letzten Drittel setzt "Raze" aber die zuvor geschürten Emotionen frei und entlädt sie in einem wahren Blutrausch.
Von seiner Konkurrenz hebt sich der Film vor allem durch seine Kompromisslosigkeit ab. Während aus ähnlichen Filmen ein Sieger hervor geht, bleibt der Verlierer gewöhnlicherweise am Leben. Die hierigen Kämpfe werden nicht mit einer Handlungsunfähigkeit beendet, sondern gehen durch erwürgen, zerschmettern oder zertreten des Gesichts bis zum Tod. Die Bilder dazu sind ungeheuer dynamisch mit einer agilen Kamera in Szene gesetzt.
Abseits der Action sorgen die düstere Optik sowie die Kulisse für Schlenker in Richtung Horror. Die Grundsituation erinnert an "Hostel", besonders durch die dunklen Zellen der Kämpferinnen und schleichende Kamerafahrten durch die beklemmend beleuchteten Gänge. Blicke auf aufgebahrte Leichen stehen im Kontrast zur klinischen Sauberkeit. Die Musik, die in den Kämpfen freilich deutlich treibender daherkommt, trägt in diesen Abschnitten ihren Anteil zur kreierten Stimmung im Gefängnisblock bei.
Darstellerisch gibt sich "Raze" eher durchwachsen. Sämtliche Schauspieler laufen mit der immer gleichen Mimik durch den Film. Stuntfrau Zoe Bell ("Death Proof") meistert die physisch anspruchsvolle Rolle ganz ordentlich, wirkt aber in den emotionalen Momenten ihrer Figur etwas überfordert. Rachel Nichols ("G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra", "Tokarev", "Conan") hinterlässt in ihrer kurzen Präsenz keinen bleibenden Eindruck und mit Doug Jones' ("Hellboy"-Reihe) Performance wird man Dank der undankbaren Rolle auch nicht wirklich warm. Dafür sorgt Rebecca Marshall für einige Eindrücke, die unter die Haut gehen.
Anspruch gibt es bei "Raze" keinen. Darauf ist der Exploitationfilm aber genausowenig aus, wie auf Inhalt oder Sinn für Charaktere. Er will plakativ unterhalten. Und dies gelingt ihm überwiegend durch die knüppelharten Zweikämpfe, die stets blutig und überaus dynamisch inszeniert sind. Etwas mehr Abwechslung und ein nicht ganz so konsequentes Ende hätten es aber ebenso sein dürfen, wie ein paar spielfreudigere Darsteller mehr. Knappe ...
7 / 10