Review

Alan Drake, der Anführer einer Piratenbande, befindet sich nach einem Schiffsbruch mit seinen Kameraden auf einer karibischen Insel, die von einem korrputen Herzog in Macht genommen werden möchte. Der Herzog beschäftigt eine Gruppe boshafter Piraten, die die Gräfin Isabella vom Thron stürzen soll, ebenfalls stahlen sie die Schätze der Gräfin. Die gestrandete Piratengruppe bietet sich der Gräfin als Helfer an und aufgrund ihrer Unterhaltungsfähigkeiten sollen sie entsprechend belohnt werden, denn die Gräfin hat sich in den scheinbar ungepflegten Anführer verschossen. Auf allen Wegen versucht sie ihm näherzukommen, unter Verkleidung reisst sie unbemerkt höchstpersönlich mit, um die andere Piratengruppe und den Herzog zu stürzen.

Abenteuer, Piratenfilme und Sandalenfilme der 50-70er gibt es wie Sand am Meer, doch darunter ein Highlight zu finden, dass über den Standard eines solide unterhaltenden Samstagnachmittagsfilmes geht, ist schon schwer, denn die meisten dieser Art sind indes wirklich schrecklich routinierte, wenn auch detailverliebte und simple Filmchen, die gerade mal eine vernünftige Geschichte, dolle Kulissen und authentische Kostüme zur Unterhaltung brauchen. Umso unwichtiger ist dann dabei aber meistens die filmhistorische Wichtigkeit dieser Filme, denn aufgrund ihrer Quantität mit ähnlicher Qualität, vergisst man diese recht schnell, auch wenn sie in ihrer Inszenierung recht gut erscheinen. Ein kleines Highlight, dass über diesen Status hinausgeht, aber dennoch filmhistorisch unwichtig ist, ist Der wilde Korsar der Karibik, der einfach von Beginn an punkten kann.

Gründe dafür gibt es gewiss genug, aber das Detail liegt da vorallem auf der recht humorvollen, mit unterschiedlichen Charakteren vollgestopften Truppe, die schon recht schnell erkennen lässt, dass dieses Abenteuer auch seine amüsanten Seiten haben wird. Alan Drake ist zwar bisweilen eher kühnkalt, hat aber den gewissen Charme des typischen Frauenverstehers. Drago als Verkuppler und Zauberkünstler ist da sicher der Alleinunterhalter unter der Gruppe. Gonzo mit seiner lustigen Mimik gibt den Clown ab, während der andere Kräftige mit Nebelattacken aus den Händen seine Vorzüge hat und mit einem Horn bewaffnet zu hören versucht. Kleinbenny ist das Küken der Runde, und die toughe, aber recht hübsche Piratenbraut Margherita, die Vernünftige im Team. Gelbhaut, hat keine grosse Rolle, wohl aber der kleinwüchsige Pirat, der in der befeindeten Truppe seinen lange verschollenen Bruder findet, der ihnen dann auch letztendlich hilft.

Allein diese Faktoren machen den Film zu einem liebevollen und auch lebendigen Film, der neben seiner haarscharfausgewählten Truppe mit einem perfekten Drehbuch, recht viel Kitsch und Action begeistern kann. Denn allein schon die Anfangsszene im Schloss, als man sich trotz Verbotes in die heiligen Zonen, dem Festsaal der Gräfin begibt, kennen die Piraten kein Pardon. Prinzessin hin oder her, Piraten kennen keine Klassen, kein Gesetz und lassen sich vorallem nicht den Mund verbieten. Aber wenn Drago mit Häschen aus dem Arm, Blumen aus dem Hut und Drake mit Kühnheit daherkommen, dann erfreut das schon das Gemüt der gelangweilten und bis dato recht emotionslosen und kalten Gräfin / Prinzessin. Kein Wunder also, dass sie alsbald den vermeintlich schmutzigen Drake küssen möchte, aus ihrer Monotonie ihrer Etikette entfliehen möchte, aber aufgrund der fehlenden Reaktion Drakes, des gebrochenen Stolzes wegen, die Gruppe einkerkert. Doch sie weiss ihre Zuneigung gegenüber Drake zu kennen, der Gerüchtenzufolge ein Herzensbrecher zu sein scheint. Und schliesslich haben die noch einen Auftrag zu erfüllen, der ihnen Reichtum und ewiges Leben bescheren soll. Prinzessin Isabella reist da gleich mit, um den zweiten Annäherungsversuch zu starten, natürlich als andere Identität.

Bis dahin ist die Suche nach den anderen Piraten schlichtweg egal, denn die Gruppe begeistert so ungemein in ihrer Charakteristik, dass man zu träumen gewillt ist. Ohnehin ist die Story der Prinzessin, die ihrer Mohnotonie des gepflegten und tadellos feinen Prinzessinendasein entfliehen möchte, einen starken Mann an ihrer Seite haben möchte, der Knaller schlechthin, aber auch die zwischenmenschlichen Geschichten anderer wissen da zu gefallen. Der Film wirkt nahezu liebevoll durchdacht, durch gewollte Komik lockert man stellenweise das Geschehen auf und die Kämpfe sind indes auch recht nett anzusehen.

Die Kameraarbeit sitzt dabei immer, zwar nicht sonderlich experimentell, aber wenigstens so gekonnt, um die schönen Kulissen und Actionszenen richtig in Szene zu setzen. Da darf dann stellenweise richtig toll ausgeteilt werden, da wird gefechtet was das Zeug hält, mit Kanonen geschossen und gezündelt, komisch ist dort allerdings bloss die Hand des Einen, aus der Nebel oder Rauch kommt. Was solls, wird halt noch der SF - Faktor bedient. Und für alle diejenigen, die blind das Review gelesen haben, wirds wohl wundern, dass es hier ein tragisch kitschiges Happy - End geben wird, wo der kalte Drake auch endlich den Kuss der schönen Prinzessin erwidert. Und alle leben bis an ihr Lebensende.

Fazit:
Schöner, liebevoller und humorvoller Abenteuer - Piratenfilm mit Herz und Seele. Ein kleines, unentdecktes Highlight, dass man gewiss öfters sehen kann und auch sollte. Handwerklich ordentlich, das Gemisch aus Komödie, Action und Romantik sitzt ebenfalls perfekt.

87%

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