Review

Im Gegensatz zum sonstigen Werk eher klein gehaltenes Schaffen von Pepe Marcos, der in diesem Jahr 1992 zwar noch mit vier weiteren Arbeiten – u.a. die 'Biographien' Pacifico Guevarra: Dillinger ng Dose Pares und Ako ang katarungan (Lt. Napoleon M. Guevarra) – gut beschäftigt, hier dann eher mit dem intimen Techtelmechtel und dem geringen Schauplatzwechsel innerorts interessiert war. Herauskommt im Unterschied zum üblichen Kampf zwischen Gangster und der Polizei oder auch den Gruppierungen innerhalb der Hüter von Recht und Gerechtigkeit nur der Abriss davon, wird zwar die Rahmenhandlung innerhalb dieser Grenzen, ein vielgewonnenes Thema im Pinoy Actionkino, aber der Rest außerhalb dessen, mit zunehmend euphorischen Actionszenen allerdings verlegt:

Sergeant Alex Aragon [ Ramon 'Bong' Revilla Jr. ] von der Philippine National Police bekommt nach dem Tod seines Partners von seinem Vorgesetzten Major Rivas [ Charlie Davao ] mit der Kollegin Kristie [ Dawn Zulueta ] eine seiner Meinung nach unbrauchbare und unerwünschte Dekoration an seine Seite gesetzt, die ihn aber bald Besseres belehrt. Nicht nur, dass sich die fesche Dame auch im Kampf und Schusswechsel mehr als beweisen kann, auch hilft sie ihm tatkräftig bei den Ermittlungen nach der berüchtigten Black Octopus Gang [ angeführt von Roi Vinzon ]. Alex, der daheim mit der blutjungen Nachbarin Joy [ Carmina Villaroel ] theoretisch bereit die empfangsbereite Verehrerin hat, erwärmt sich dabei langsam für die neue Kollegin, muss sich allerdings erst noch auf den Ernstfall besinnen. Sein bisher einziger Zeuge Kabo [ Rene Hawkins ] gerät in die Fänge vom Hintermann Col. Dimayuga [ Johnny Delgado ], der zugleich eine gefälschte Korruptionsanklage gegen den eigentlich unbestechlichen Gesetzeshüter vorlegt und ihn so vorübergehend in das Gefängnis bringt.

Dabei ist die Regelkunde für die Solidität schon mit den Bindungen und ihrer Berechenbarkeit be- und gelegt, werden mehr als sonst noch die Klischee und Standardsituationen herangezogen, und dann erst im letzten Moment eventuell in das Extrem, einen furiosen Showdown mit auch Granat- und Flammenwerfer gewagt. Schon die Paarung von erst Erfahrener Cop - Junger Cop, in dem das Gespräch im Streifenwagen über den Beruf an sich und die bevorstehende Pension natürlich prompt zum Tode des angehenden Frührentners, dem killed in action führt, bis hin zur neuen Teamergänzung und fortfolgend sind alle Merkmale gerade auch des amerikanischen Polizeifilmes da. So wird hier erstmals ersichtlich das buddy picture Motto gepflegt, ist der anschließende Partner im Grunde schon von vornherein unerwünscht. Und dann noch eine Frau.

Dass das dem Mann, einem Macho, wie er im Buche steht, so nicht passt, zeichnet sich auch groß ohne weitere Informationen im Dialog ab. Dabei stört die Frau an sich so selbst, ist die Beziehung der Beiden allerdings von Sekunde Eins an ein überaus unstetes Wechselspiel der Gefühle, die jede neue Situation in eine andere Richtung und so trotz der schablonenhaften Konstellation durchaus in das Interesse des Zuschauers gehen. So richtig an die Gemeinplätze der Abfolge hält man sich hier nämlich nicht, wird erst gestritten, dann geflirtet, dann mit der Eifersucht gedient, um anschließend die Partnerin im Einsatz der Schusswaffen erst zu brüskieren und schließlich in der zweiten Gefahrensituation auch noch zu retten. Eine eher verquere Sachlage, in der die Frau erst sprichwörtlich das Steuer übernimmt und der Mann sich zum Hanswurst zu machen, um dann doch die Geschlechterrolle und den Vorsitz in der Rang- und Hackordnung zu gewinnen.

Letztlich funktioniert dann auch der Dienst nach Vorschrift; was man von der Inszenierung Marcos' theoretisch auch behaupten kann, der sich auf dem abseitigen Territorium aber immer noch besser mit den Explosionen und Shootouts auskennt als mit dem Spiel von Liebe und (hier aus ausnahmsweise) Humor an sich. Dabei knallt es erst relativ wenig, final allerdings umso mehr; meist auch mitten aus dem heiteren Himmel heraus und ohne wirklichen Aufbau von Tension und Anspannung wie als plötzliches Schmankerl für die wartende und darbende Zuschauerschar in den Raum gelegt. Im Prinzip entwickeln sich die Actionszenen gar nicht, sondern sind dann einfach da, liegen quasi im Streifendienst wie der Bonus zum Aufpicken bereit. Gangster, die ein Shoppingcenter stürmen. Andere, die ein Mutter-Tochter-Verbund entführen und als Geisel in einem abrissreifen Fabrikgelände nehmen. Wiederum welche, die ohne aus der Not heraus unschuldige Fußgänger auf ihre Motorhaube legen.

In der Quantität eher rar – der meiste Aufruhr findet tatsächlich erst im letzten Akt, und vorher zwischen Mann und Frau und dann meist in deren Wohnzimmern statt – , kann wenigstens die Umsetzung, vor allem die unverhofften Abschlüsse, immer das Stück über dem Erwartbaren heraus überzeugen. Ob nun Körper als lebende Feuerbälle aus dem Fenster geschleudert werden, sich noch einmal eine Handgranate explosionsbereit aus den steifen Fingern eines bereits erschossenen Kriminellen löst, oder doch ein Stapel Benzinfässer mitten auf der Strasse und im Weg einer Patronenkugel stehen, immer sorgen ein Biegen und Brechen der Norm über diese hinaus für die entsprechend nachhaltige Diktion.

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