Weiterer Versuch von Actionregisseur Pepe Marcos, nach Uubusin Ko Ang Lahi Mo (1991), der die Geschichte um den erschossenen Andres Manambit aufgriff, erneut die politische und gesellschaftliche Komponente in seinen Filmen in das Spiel zu bringen. Auch hier wird wieder eine Provinz weitab der städtischen Ordnung, wie ein Land mit ganz eigenen Gesetzen und Regeln gezeichnet, in der die Familien miteinander im Streit verhasst und stetig um jeweilig Macht kämpfen und dies durch oder auch gerade mit ihrer Position in der Politik zu legimitieren sind. Ein Film, der mit den Händen in Blut watend beginnt und auch so endet. 'Engraving on Bullets':
Bei einem Besuch seiner Familie, allen voran den des verletzten Vaters Roman Guerrero [ Luis Gonzales ], Bürgermeisters des Städtchen San Roque, muss der praktizierende Chirurg Dr. Roberto 'Bobby' Guerrero [ Dr. Roberto 'Bobby' Guerrero ] sehr zu seinem Unwillen die allgemeinen Mißstände feststellen. Congressman Velez [ Lito Legaspi ] treibt mit seinem Clan, den Söhnen Rico [ Gabby Concepcion ] und Rayland [ Edgar Mande ] und ihrem Waffen- und Schergenarsenal die wehrlose Bevölkerung zum Raubbau an der Natur an, und lässt auch sonst keine Gelegenheit zum Durchdrücken seiner Ansprüche aus. Bald wird Guerreros gesamte Familie als Widerstand dagegen in den Strudel der Gewalt hineingezogen, auch seine Jugendliebe, die nunmehr mit Rico verheiratete Noemi [ Nanette Medved ] befindet sich rasch im Zentrum gegenseitiger Anfeindung und auf den Schlachtfeldern in freier Wildbahn.
Im Gegensatz und als Erweiterung zum üblichen Œuvre Marcos', indem meist ein Polizist oder Soldat, also jemand mit Befugnis und Ausbildung die Austragung der Waffengewalt und so die Identifikation des Zuschauer im Recht vom Stärkeren übernimmt, steht hier ein vermeintlicher Normalbürger im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Arzt, der im Grunde die Menschen behandelt und heilt und alles Andere als waghalsig oder tatkräftig im Sinne des Publikums verschrien ist. Wie gewohnt in derlei Zuständen, die der Film schon mit der ersten Konfrontation an und der Prämisse her zeichnet – der Sohn wurde heimgerufen, da sein Vater im Einsatz verwundet war – , ist der Beruf aber nicht ausschlaggebend, sondern stellt allein die Herkunft und die Sozialisation, die Umgebung den entscheidenden Sinn. Die Heimatfront.
Denn das Tragen von Waffen, das Vorzeigen und Drohen und rasch auch das Benutzen ist hier ebenso auffällig wie in anderen Werken des Regisseurs, wird zwischendurch auch mal mit dem Rocket Launcher hantiert oder die Lastkraftwagen in die Luft bombardiert, so dass man den Eindruck eines stetig bedrohlichen Milieus, in der man keine Minute ungeschützt aus dem Haus gehen darf, abermals gewinnt. (Dass sich ein Mitglied der Velez-Sippe kurz vor Showdown über illegalen Waffenbesitz der Konkurrenz beschwert, ist im Kontext schon schlechthin absurd.) Auch die Polizei bietet keinen Schutz, gehört eher noch zur Truppe der Bösen, eine Art paramilitärische Splittereinheit in Uniform und Sold, die sich allein in Richtung des größten Geldbetrages umdreht. Auch sonstige Institutionen, die normalerweise Sicherheit und Geborgenheit versprechen, werden vom Munitionshagel nicht verschont, sondern eher noch vermehrt heimgesucht; so erfolgt nicht nur eine blutige Gefangenenbefreiung direkt aus dem Polizeirevier heraus, sondern zuvor auch noch ein ebensolcher Anschlag im Hospital, bei dem auch vor Nichts und Niemand, sei es eine abgestellte Schutzeinheit von Cops, sei es der heranstürmende Sicherheitsdienst oder Unschuldige und Wehrlose unter den Besuchern und Patienten halt gemacht wird.
Was anfängt bei eine mäßige Episode vom A-Team, mit der ersten illegalen Abholzung von Wäldern und dem versuchten Eingreifen der besorgten Bevölkerung, die angesichts der Übermacht an Schergen und deren Skrupellosigkeit aber nutzlos ist, entwickelt sich so schnell zum gewohnten Austausch von Schusswechseln und dem Hochtreiben von Verletzten und Toten in der Bilanz. Von der Dramaturgie her ist die allerdings schon vonnöten, wird die Erzählung, die auch von Marcos schon einmal effektiver vorangetrieben und bebildert wurde, so wirklich den Applaus allein nicht wert. Manche Figuren bzw. deren Darsteller sind als Totalaufall zu bewerten, auch Revilla Jr. scheint hier leicht desinteressiert oder ein wenig fehlbesetzt. Die Dialoge und ihre Auswirkungen haben auch nicht mehr die Kraft, die ein Uubusin Ko Ang Lahi Mo aufweist, der den Siedepunkt der Emotionen tatsächlich auch forciert und auf die Sekunde hin in die nächste Phase hin auflöst.
Hier wirkt leider Alles ein wenig zu staubig, leicht verbilligt und zu provinziell, ist die Liebesgeschichte nicht nur nicht spürbar, sondern tatsächlich so richtig fehl- bis hin zum Überkitsch oder zur Parodie inszeniert. Selbst die Action ist durchwachsen, mit zwei bis drei absoluten Höhepunkten, den Erstürmungen von Krankenhaus und Gefängnisabteilung, dort auch Stunts wie den Stürzen rückwärts in die Fensterscheiben und so manchen flächendeckenden Explosionen, darüber hinaus aber auch im beliebigen Mittelmaß formuliert.