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Hobbygärtner, die bereits den Verlust einiger Dahlien, Studentenblumen und Salatpflanzen zu beklagen hatten, dürften sich über den Animationsstreifen von Dreamworks rein gar nicht freuen, denn es geht um Schnecken. Glücklicherweise werden sie nicht so fies dargestellt, wie sie in Wirklichkeit sind, wobei man jungen Zuschauern auch nicht unbedingt eine Form von Kannibalismus vorsetzen sollte. Vielmehr geht es um ein Autorennen, in dem unser junger Held zur schnellsten Schnecke der Welt aufsteigen möchte.

Im Mittelpunkt steht die Weinbergschnecke Theo, auch Turbo genannt, welche mit zahlreichen anderen Weggefährten im Garten des Hauses 3722 verweilt. Sein Traum ist es, am legendären Indy 500 in Indianapolis teilzunehmen, welches sein großes Vorbild Guy Gagne bereits fünf Mal gewann. Über Umwege gelangt Turbo in eine ominöse Substanz, woraufhin sein wahrer Turbo zum Vorschein kommt. Mithilfe des Imbissverkäufers Tito will er den Weg ins Rennstadion antreten…

Mit Schnecken als Sympathieträger hat es sich Regisseur David Soren wahrlich nicht leicht gemacht, zumal die Viecher nicht allzu variabel zu gestalten sind. Somit ist es umso erstaunlicher, dass für die Mimik Augen und Mund im Zusammenspiel ausreichen, um Emotionen zu transportieren. Turbo, der mit der Mutation zur Rennschnecke eine hellblaue fluoreszierende Spur hinterlässt, funktioniert als Sympathieträger recht gut, da er als Träumer und Außenseiter eingeführt wird, jedoch tapfer an seinen Zielen festhält und sich anbei für seine Freunde einsetzt.

Leider sind nahezu sämtliche Nebenfiguren etwas oberflächlich gezeichnet. Taco-Verkäufer Tito ist halt eine breite Klischeefigur, der siegreiche Rennfahrer ein eitler posender Gockel, während weitere Rennschnecken zumindest aufgrund einiger Gimmicks auf und unter dem Gehäuse auffallen. Recht goldig ist das Zusammenspiel der menschlichen Begleiter am Rande wie eine rotzige Mechanikerin (passenderweise von Michelle Rodriguez gesprochen) oder Kim Ly, eine kleine Maniküre-Spezialistin, die während einiger Momente schlicht in der Luft hängt.

Die Erzählung wird recht flott vorgetragen, kleine und meist recht kurz gehaltene Musikeinlagen kurbeln die lockere Stimmung an, doch der Humor zündet eher selten, da er meistens auf ein eher kindliches Niveau abgestimmt ist und versucht, durch schlichte Situationskomik zu punkten. Animationstechnisch gibt es wenig auszusetzen, besonders die rasanten Fahrten während des Rennens sind gelungen, allerdings mangelt es ein wenig am kreativen Pep.

So übt sich unser Held im Wettlauf gegen einen Rasenmäher, drei Krähen tauchen mindestens zweimal auf, moderne Medien sorgen für eine rasante Verbreitung des ungewöhnlichen Helden und unsere überhaupt nicht schleimigen Freunde stehen auffallend auf herabfallende Tomaten. Nett ist noch, wie ein Rotzbengel auf einem Dreirad abgefertigt wird und ein älterer Bruder ausnahmsweise dazulernt, wobei das Ende stets nah am Kitsch balanciert, aber noch erträglich erscheint.

Es dürfte im Vergleich zu Perlen wie „Shrek“ schwer werden, mit „Turbo“ einen Kassenhit zu landen, denn dafür ist die Geschichte zu austauschbar, es fehlen markant charmante Momente und Szenen, die das Herz erwärmen, auch wenn die Mischung weitgehend sympathisch erscheint und zumindest die jüngeren Zuschauer ihren Spaß haben dürften.
Im Gesamtbild nicht mehr als nett und durch die fähigen Originalsprecher um Samuel L. Jackson, Richard Jenkins und Ryan Reynolds als Turbo zumindest aufgewertet, liefert der Streifen seichte Unterhaltung ohne sonderlichen Anspruch, passend für lockere Familienunterhaltung.
6 von 10

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