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Vor 25 Jahren schuf Tom Holland "Chucky - Die Mörderpuppe" und machte diese Figur zu einem bekannten Kult-Charakter innerhalb des Horror-Genres. Ganze vier Fortsetzungen, diverse Fan-Artikel, wie z. B. Actionfiguren, Puppen und Spiele, zog der Film in den letzten Jahrzehnten mit sich, und lange Zeit war es ruhig um die mordende "Good-Guy"-Puppe. Während MGM seit Jahren an einem Remake arbeitet, kündigte Universal Pictures im letzten Jahr eine fünfte Fortsetzung der Reihe an und beauftragte Don Mancini erneut, sich um sein "Baby" zu kümmern. Schließlich schrieb er bisher für alle Teile das Drehbuch und bewies 2004 auch in "Seed of Chucky" sein Talent als Regisseur.

Nun wollte man nach den beiden sehr komödiantischen, teilweise sogar schrägen "Bride of Chucky" und "Seed of Chucky" wieder düstere Töne anstimmen, weshalb man den sechsten Teil des Franchise kaum nach dem 2004er Film anknüpfen konnte. Mancini wollte aber auch kein Reboot der Reihe inszenieren, sondern den Fans wieder einen bösen und humorlosen Chucky präsentieren und zugleich einen Einblick in die Vergangenheit des Serienkillers Charles Lee Ray gewähren, der bei der Flucht vor der Polizei tödlich angeschossen wird und in einen Spielzeugladen flüchtet. Dort verschmilzt seine Seele durch ein magisches Ritual mit dem Körper einer "Good Guy"-Puppe. Fortan mordet er als "Chucky" weiter...

"Curse of Chucky" spielt zeitlich zwischen "Chucky 3" und "Bride of Chucky" und stellt die querschnittsgelähmte Nica in den Mittelpunkt, die alleine mit ihrer neurotischen Mutter in einem alten Haus wohnt. Als Nica ein seltsames Paket mit einer Puppe erhält, schenkt sie diesem zuerst keine Beachtung. Sorglos überlässt sie die niedliche Puppe ihrer Nichte Alice, die nach einem angeblichen Freitod von Nicas Mutter mit ihren Eltern und dem Babysitter das alte Anwesen besucht. Es stellt sich aber schnell heraus, dass das Spielzeug keine gewöhnliche "Good-Guy"-Puppe aus den 1980er Jahren ist, und Nica scheint mehr mit Chuckys menschlicher Vergangenheit gemeinsam zu haben als ihr lieb ist...

Allzu viel möchte man von "Curse of Chucky" gar nicht erzählen, denn es ist überraschend, wie gut es Don Mancini gelungen ist, eine Brücke zwischen dem dritten und vierten Teil der Reihe zu schlagen und dabei sogar ohne Logiklöcher aus zukommen. Dass Mancini ein inszenatorisches Händchen hat, beweist er in jeder Minuten. Die gute Location, die gelungenen Kamerafahrten und der langsame, aber stetige Spannungsaufbau heben "Curse of Chucky" von der Schwemme der wöchentlich erscheinenden Direct-to-DVD-Produktion positiv ab. Der Gore-Gehalt hätte noch vor einigen Jahren für ein knallhartes rotes 18er Siegel gesorgt. Dabei muss aber erwähnt werden, dass es in "Curse of Chucky" selbst in der vorliegenden Unrated-Fassung weitaus weniger plakativ zur Sache geht als in seinen beiden Vorgängern. Dafür sind die Effekte gezielt und effektiv eingesetzt und kommen mit einem Minimum an CGI-Shots aus, die dann aber nicht immer perfekt mit den restlichen Effekten harmonisieren können.

Auch bei der Puppenanimation ging Don Mancini sehr akribisch vor und nutze CGI nur zum Verfeinern der aufwendigen Animatronic-Effekte. Die Darsteller machten sich teilweise schon darüber lustig, dass die Puppe über 25 Takes bekommt und sie selbst schnellstmöglich mit ihren Szenen fertig werden mussten. Man konnte bereits in einigen Kritiken nachlesen, dass Universal Pictures bei den Puppentricks auf einen Sparkurs gesetzt hätte. Dem ist aber nicht so. Hinter der angeblich als "computeranimiert" entlarvten Treppensequenz steckt in Wirklichkeit Deborah Lee Carrington ("Total Recall - Die totale Erinnerung", "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") in einem Kostüm als Chucky Double. Die kleinwüchsige Schauspielerin und Stuntfrau kommt immer dann zum Einsatz, wenn Mancini ein wenig mehr von der Mörderpuppe zeigen und sich nicht nur auf Nahaufnahmen beschränken will. Dass hier und da digital nachgearbeitet wurde, dürfte jedem klar sein. Das sieht zwar nicht immer ganz optimal gelöst aus, aber so schlecht, wie diese Sequenz gemacht wird, ist es auf keinen Fall.

Brad Dourif ("Alien - Die Widergeburt", "Der Herr der Ringe - Zwei Türme") darf seine Stimme zum sechsten Mal für die kleine Killer-Puppe zur Verfügung stellen. Doch diesmal bringt er auch familiäre Unterstützung mit an Bord. Töchterchen Fiona Dourif ("True Blood") spielt ebenfalls mit und ergattert auch gleich die Hauptrollen der von Geburt an querschnittsgelähmten Nica. Talentiert ist die junge Frau allemal und sie spielt ihre Rolle mit einer angenehmen Natürlichkeit. Dabei kann sie, im Gegensatz zu ihrem Vater, noch nicht auf eine umfangreiche Filmografie zurückblicken. Beim restlichen Cast bewies Don Mancini ebenfalls ein gutes Händchen, auch wenn man sich nur auf eine Handvoll Protagonisten beschränkt, die nach und nach dezimiert werden. Während Brad Dourif in Rückblenden zu sehen ist, wobei auch auf kurze Szenen des ersten Teils zurück gegriffen wird, darf die bezaubernde Danielle Bisutti ("Insidious: Chapter 2") Nicis ältere Schwester Barb spielen, die sie nicht nur ins Pflegeheim abschieben will, sondern auch eine Affäre mit dem Kindermädchen (Maitland McConnell, "Killer Movies") hat.

Klar, "Curse of Chucky" wartet nicht einmal mit einem bekannten B-Movie-Cast auf und selbst Brennan Elliott als Barbs Ehemann hat filmisch nicht viel vorzuweisen, während zumindest A Martinez als Priester ein bekanntes TV-Gesicht ("California Clan") ist und in "Curse of Chucky" sogar ein kleines Highlight und die größte Prominenz darstellt. Doch genauso wie die kleine Summer H. Howell in ihrer ersten Rolle, agieren alle hervorragend mit der Puppe, die natürlich wie immer im Mittelpunkt der Geschichte steht. Die Sprüche von Chucky sind diesmal gar nicht so zynisch und unter der Gürtellinie, passen aber zu der ernsten und düsteren Grundstimmung des Films, die erst zum Ende hin ein wenig kippt. Nämlich dann, wenn er alle Wege für "Bride of Chucky" geebnet hat.


"Curse of Chucky" fällt deutlich ruhiger als seine Vorgänger aus, setzt auf Suspense, und Mancini gelingt die Gratwanderung zwischen dem typischen "Chucky"-Franchise und routinierten Slasher-Film nahezu perfekt. Im dritten Akt gibt es eine überraschende wie witzige Wendung in der Geschichte, was wohl niemand in dieser Form vermutet hätte.

SPOILER:


Ohne zu viel verraten zu wollen, aber das Auftauchen von Jennifer Tilly ist ebenso unerwartet wie Alex Vincent, der in den ersten beiden "Chucky"-Teilen den kleinen Andy Barclay spielte.


SPOILER ENDE
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Wer also schon immer wissen wollte, was zwischen dem Dritten und dem Vierten passierte und wieso Jennifer Tilly in "Bride of Chucky" eine gänzlich zerfetzte Puppe zurück ins Leben holen muss, wird in "Curse of Chucky" die Antwort finden. Don Mancini hat wirklich an alles gedacht und inszeniert einen der besten Teile der Reihe. Hier heißt es: Bis nach dem Abspann sitzen bleiben und mit einem breiten Grinsen und einem guten Gefühl im Bauch den Film hinter sich lassen. Das schaffen leider nicht mehr viele Filme...

Fazit:
Wer einen albernen und schrägen Film à la "Seed of Chucky" fürchtet, darf aufatmen. Der nunmehr sechste "Chucky"-Film ist wieder deutlich düsterer und schließt die enorm große Lücke zwischen "Chucky 3" und "Bride of Chucky" , wobei zwischen Teil 3 und "Curse of Chucky" immer noch genug Potenzial und Klärungsbedarf steckt, um einen weiteren Teil auf die Reise zu schicken. Kein Horrorfilm-Highlight, doch ein sehr guter Gerne-Beitrag und mit Abstand einer der besten Teile der Kult-Reihe.

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