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Der geneigte, etwas ältere Horrorfilmfan dürfte aus dem letzten Jahrhundert mehrere bekannte Filmreihen kennen, die dem Genre zu großen Wohltaten verhalfen. Neben Fred Krueger, Halloween, Hellraiser und auch Freitag der 13. - um nur einige zu nennen, machte sich auch ein Mehrteiler mit einer Spielzeugpuppe einen Namen. Wir sprechen von Chucky, der Mörderpuppe. Natürlich gab es da für die ganz Kleinen die Augsburger Puppenkiste und die Fraggles, eine Sendung, die moderne Sklaverei verherrlicht hat. Aber Chucky, diese verdammte Plastikpuppe, hatte etwas besonderes: Neben diesem fiesen, unheimlischen Aussehen gab es zynische und diabolische Sprüche, die diese Filmreihe auf jeden Fall sehenswert gemacht hatte.
Leider ereilte Chucky dasselbe Schicksal wie die Hellraiser-Reihe. Das Motto war: Masse statt Klasse.

Seit 1991 war es sieben Jahre ruhig um diese zynische Puppe, ehe man sie mit einer weiblichen, genauso mordenden Puppe ins Dämliche gezogen hatte und dennnoch großen Anhang finden konnte. Auch "Chucky´s Baby" war eher ein Film für Leute, die hängengeblieben waren, und so versuchte man diese Jahr, mit "Curse of Chucky" wieder an die alten Teile anzuknüpfen - ja, sie sogar zu einem Universum zu machen, so dass alle vorherigen Teile einen Sinn ergeben und nicht vergessen wurden. Doch trotz dieser Rückbesinnung und dem Weglassen des schwachsinnigen Ballermann-Humors ist es Regisseur Don Mancini nur bedingt gelungen, der Reihe neues Leben einzuhauchen.

Dies liegt an mehreren Faktoren: Zu 90 Prozent spielt sich dieser Film in einem einzigen Haus ab, bei dem allzu knappen Cast kann man durchaus wie bei Pferdewetten Geld setzen, wer als erstes oder nächstes den Abgang macht. Und vorallem ist Chucky die ersten fünfzig Minuten so hüftsteif, dass He-Man Actionfiguren beweglicher sind, wie dieser Rotschopf.

Im letzten Drittel läuft diese picklige Fresse mit Narben zur Hochform auf, doch auch das rettet den sehr konservativ geratenen Film (im Sinne von Blood and Gore) nicht vor dem Absturz. Der Höhepunkt liegt beim Nudeln mit Hackfleischsoßen essen, was schon in der ersten Viertel Stunde stattfindet. Hier kommt so etwas wie Atmosphäre auf, da sich auf einem Teller Rattengift befindet, und so etwas aufkeimt, wie Russisch Roulette Essen für Arme. Aber auch dieser Part offenbart große Schwächen, da er genauso vorhersehbar ist, wie der ganze Streifen ansich selbst. Wer gut aufpasst und sich nicht von dem Kameraspiel verwirren lässt, weiß, wer den Schneckenschleim verspeisen wird - da hilft auch kein ordentliches Verschlucken, abhusten oder sonstige öde Kalauer, die den Zuschauer auf die falsche Fährte locken sollen.
Ansonsten bleibt Chucky very plastik, bewegt sich nicht viel und hält vorerst mal die Schnauze.
Schockeffekte gibt es etliche - aber alle sind so altbacken aufgebaut, als hätten wir das Jahr mit dem "Scream"-Boom. In beinahe jeder Szene huscht etwas bzw. einer/eine  ins Bild hinein mit der Lautstärke von dröhnenden Trompeten. Genau einmal hat es in mir gezuckt. Zu wenig für diese Reihe.

Zudem lese ich überall Unrated, Uncut. Ja, bei diesem Level an Grausamkeit ist die FSK16 durchaus angebracht. Diese paar winzigen Splattereffekte sind heutzutage ein Witz. Also an echter Härte fehlt es auch.

Dennoch kann man behaupten, dass im Schlusskapitel Spannung aufkommt, Chucky die gute alte Form erreicht, alle Teile berücksichtigt werden, etwas Background hinzukommt zu den bisher erschienenen Prequels und auch (finde ich persönlich ärgerlich diese Moderotze) nach dem Abspann noch ein Cliffhanger kommt.

All diese Kleinigkeiten retten "Curse of Chucky" vor dem Totalabsturz. Ein Film, den ich mir gerade so einmal im Leben anschauen konnte. Mittlerweile kann man sagen, dass fast jede Episode von Free-TV-Crime-Sendungen spannender sind als die DTV-Rotze, die uns alltäglich um die Ohren gehauen wird. Ein weiterer Untergang des Abendlands.

3,5/10

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