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Launiger Exploitation-Action der räudigen Schule, mit einem Kolportageansatz, der sich ebenfalls quer durch die Schlagzeilen der Boulevardblättern, möglichst die mit großen Lettern und Ausrufezeichen versehen durchzulesen und die entsprechenden Ausschmückungen dazu noch einmal zusätzlich schmierig zu verkaufen scheint. Ein Tatsachenbericht der etwas anderen Art, in der die Mitwirkenden auf der Kriminellenseite durchweg degeneriert scheinen, grundsätzlich misogynstisch angelegt und auf Sex und Gewalt geeicht und auch die Motive dahinter egal bis manchmal aber selten mit Geld auszumachen sind. Auftritt die Haupt- und Titelfigur, die wie in der Umkehrung des amerikanischen Schmuddelkrimis Tightrope - Der Wolf hetzt die Meute (1984) agiert:

Jerry Marasigan, Polizist beim Manila Police District, strebt mit seiner Ehefrau Dahlia [ Gretchen Barretto ] und dem kleinen gemeinsamen Sohn ein eigentlich ruhiges und gemütliches Leben an, sieht sich im Beruf aber immer wieder den absonderlichsten Verbrechen gegenüber. So verteilt sich eine Spur der Gewalt über und durch die Stadt, macht die berüchtigte 'Red Hand Gang' [ u.a. John Regala, Patrick Dela Rosa, Toby Alejar ] die Strassen mit diversen Überfällen, Entführungen und anderen kriminellen Taten, meist endend mit Mord an den Opfern, bald auch Anschlägen auf die ermittelnden Polizisten selber von sich reden. Und pirscht ebenso ein einzelner Killer in Nonnenverkleidung erst an wehrlose Frauen, bald wahllos tötend durch die Gegend...

Vom Aufbau bzw. dem Hin- und Herspringen der Narration zwischen den verschiedenen Einsätzen, die oftmals auch belanglos, halt alltäglich und eher im klein-klein als wirklich ergiebig für die Person des Marasigan als auch für den Zuschauer sind, erinnert man dabei ein wenig an den ähnlich strukturierten, auch identisch besetzten Alyas Totoy - Kamay Na Bakal Ng WPD [ 1994 ]. Die Unterschiede zwischen den Filmen, auch im Budget, der Jahreszeit, der Inszenierung und selber der Darsteller, wobei Alarcon hier ausnahmsweise eine ordentliche Form zeigt und gar passt, sind dennoch offensichtlich und nicht nur im Detail. Der hiesige Regisseur Augusto Salvador, ebenfalls als Editor in das Geschäft gekommen und seit Mitte der Achtziger auch verantwortlich für die Bilder selber statt nur die Montage, setzt hier auf einen vergleichsweise geerdeten, d.h. auf die extremen Akzente gerade in den Actionszenen verzichtenden Stil. Auch der gesamte Umgang mit Personen und Geschichten in den privaten Bereichen ist wesentlich glaubwürdiger, fast sogar gewöhnlich und so lebendig scheinend und nicht im Seifenopernmodus gefangen.

Wo die Kleinfamilie des Polizisten für die Haftung sorgt, und man dessen Banalität, die es nun mal filmisch darstellen mag, deswegen auch nur gutheißen kann – man badet mit Frau und oder Kind, geht bummeln, geht in die Shoppingcenter, sitzt beim Frühstück zusammen etc. – kommen die Affekte im Berufsleben zustanden und die Überreizung liegt ebenfalls da begraben. Die meisten hauptsächlichen Geschehnisse, abseits der Handtaschendiebe, der betrunkenen Randalierer usw. usf., liegen im violent nach Erregung suchenden Bereich, in der die Leidenschaft über möglichst amoralische Taten ausgelebt und auch ständig gesteigert werden muss. Der Vergewaltiger in spe kommt nach dem Mord an seinem ersten potentiellen Opfer auf eine andere Art von Passion, und steigert sich alsbald in einen Rausch, der sinn- und planlos ahnungslose Mitmenschen von hinten mit dem Messer ermorden und schließlich, getreu seiner Verkleidung, in einen Nonnenschule und gleichzeitig Aufenthaltsort für Waisenkinder eindringen sieht. Die sogenannte 'Red Hound Gang' verfällt gleich und permanent in diese Schiene, was der Erzählung allerlei Möglichkeiten und erstaunlich offenherzige Handhabe für diverse Sexeinschübe, darunter ein Gangbang und vorher ein voyeuristischer Akt, die allerdings ihren obendrein abseitigen Höhepunkt in jeweils den Morden an den Geschlechtspartnern finden.

Im Gegensatz zum gleichzeitig aktiven, auch gleichzeitig ungefähr die Marke von 35 Werken erreichenden Pepe Marcos als Kollegen, der sich ebenso mit dem Polizeifilm ausgiebig beschäftigt hat, liegt hier das Augenmerk nicht auf den Einsätzen, die möglichst ausschweifend geraten sind, sondern auf dem Drumherum. Größeres und Aufwändiges kann und muss man missen, Wenn mal geschossen wird, ist es zwar recht blutig, aber auch tatsächlich recht abschreckend, mit Ein- und Austrittswunden, teils Halsdurchschüssen und anderes Grausiges in die Aufnahme gesetzt. Ein Suhlen in den Niederungen, passend zum Inhalt, ein wenig unpassend zu mancherlei Eigenarten, die eher unfreiwillig lustig wirken; wie der scheinbare Drang der einheimischen Eingreiftruppe, sich bei Spezialeinsätzen immer mit dem weißen Stirnband zu versehen, oder das zweimalige Anpirschen des Cop in Frauenkleidern an die Verdächtigen, einmal sogar mit weithin sichtbaren Schnurrbart unter dem Kopftuch.

Angenehm dafür zu schauen, wie sich das Geschehen hier mehr im Hintergrund, im Nebensächlichen, manchmal am Rande des Bildkader, aus dem Nichts entwickelt und entwickeln kann. Bekannt geworden mit Joe Pring: Homicide Manila Police [ 1989 ] sowie der Fortsetzung Kidlat ng Maynila: Joe Pring 2 [ 1991 ] und seitdem bis 2004 eine Konstante im Genre, setzt Salvador hier auf eine dramaturgische Schlangenlinie, nicht geradlinig, sondern nach seinem Gusto zu folgen; muss man tatsächlich dem kompletten Ereignis, auch wenn im vermeintlichen Stillstand und komplett durch den ganzen Weg der Instanzen durchwandern, wenn man die Steigerung des Tages – ein flotter Shootout als Rape'n' Revenge Antwort in der oberste Etage eines EKZ, die als Abstellkammer und Modelager genutzt wird – nicht verpassen mag.

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