Review

„Zwei stahlharte Profis in Südafrika"

Der im seriösen Feuilleton erstaunlich positiv besprochene Actionthriller „Zulu" dürfte diese „Ehre" vor allem seiner politisch brisanten und brandaktuellen Rahmenhandlung verdanken. Denn bei genauerem Hinsehen hat man nichts weiter als einen sehr formelhaften und stromlinienförmigen Genre-Film vor sich. Das soll keine Kritik sein, Spaß macht das Ganze allemal, recht viel mehr Anspruch als beispielsweise in der manche Parallele aufweisenden „Lethal Weapon"-Reihe ist allerdings auch nicht vorhanden. Wenn überhaupt.

Hier wie da haben wir zwei sehr gegensätzliche Großstadt-Cops, der eine farbig (Forest Whitaker als Ali Sokhela), der andere weiß (Orlando Bloom als Brian Epkeen). Auch hier tanzt der jüngere tagtäglich auf einer Rasierklinge und bekämpft seine inneren Dämonen mit Alkohol und Sex. Über Wasser halten ihn lediglich seine überragenden polizeilichen Fähigkeiten. Ein Umstand der aufgrund des Lebenswandels ähnlich unglaubwürdig ist wie bei US-Kollege Martin Riggs - beide trotz ihres Lotterlebens zudem übrigens eindeutig Kraftsport-gestählt - und damit einen ersten deutlichen Hinweis auf die keineswegs sonderlich realistische Anlage des Films liefert.
Auch der eigentliche Plot erinnert stark an „Lethal Weapon". So wird das ungleiche Duo zunächst lediglich mit dem Mord an einer jungen Frau aus betuchtem Hause konfrontiert. Natürlich steckt dahinter weit mehr und im weiteren Verlauf geraten die Ermittler immer tiefer in einen Sumpf aus Korruption und perfider Machtphantasien die bis in höchste politische Kreise reichen.

Das alles ist sehr spannend und stringent erzählt, wenn auch die großen Überraschungen ausbleiben und man recht bald ahnt, was und wer hinter dem kaltblütigen Spiel steckt. Die katastrophalen Zustände in den Townships Johannesburgs sowie der daraus resultierende Teufelskreis aus Elend, Verbrechen und Gewalt werden zwar thematisiert, kommen aber letztlich nicht über den Wert einer bloßen Hintergundschablone hinaus und bedienen in erster Linie die Thriller- und Actionelemente des Films.

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt dagegen die Optik. So wird nicht nur der Kontrast zwischen Armut und Reichtum vor allem visuell deutlich herausgearbeitet, sondern auch die landschaftliche Schönheit Südafrikas durch Strand- und Wüstenpanoramen akzentuiert. Insgesamt entsteht damit ein erfrischend unverbrauchter weil in der Form nicht schon dutzendfach gesehener Look, der „Zulu" zumindest in diesem Bereich aus dem Genre-Allerlei heraushebt.

Überzeugend sind aber auch die beiden Protagonisten. Forest Whitaker ist wie immer eine mimische Bank und legt den von einem Kindheitsrauma geplagten Ali als manischen Kontrollfreak an, dessen äußere Stoizismus zugleich als Fassade und Selbstschutz dient. Das in dieser Hinicht eher grobe Skript trägt dazu weit weniger bei, als Whitakers nuanciertes Spiel, dem wenige Pinselstriche genügen, um einen ambivalenten Charakter zu zeichnen.
Der bislang vornehmlich als Adonis-Held in Erscheinung getretene Bloom (u.a. „Pirates of the Caribbean", „Lord of the Rings") macht ebenfalls eine gute Figur und behauptet sich souverän neben dem Ausnahmekönner Whitaker. Zwar sieht er für den Raubbau-Alltag seiner Figur immer noch viel zu gut aus, macht dieses „Manko" aber durch eine Aura aus Gewalttätigkeit und Fatalismus wett, die permanent Gefahr und Unberechenbarkeit verströmt.

„Zulu" ist definitiv mehr (politisch angehauchter) Thriller als krachendes Actionspektakel. Wenn es aber knallt, dann richtig. Schusswechsel, Verfolgungen und Mann-gegen-Mann-Kämpfe sind durchweg druckvoll inszeniert und gekonnt choreographiert. Die Gewaltschraube wird dabei ein ums andere Mal so überraschend wie gehörig angezogen und harmoniert dabei überzeugend mit der finsteren Handlung. Hier wird klar eine kompromisslose Linie verfolgt und keineswegs auf mögliche Familientauglichkeit geschielt. Auf humoristische Einlagen wird dann konsequenterweise gänzlich verzichtet, was im übrigen einer der wenigen Unterschiede zur „Lethal Weapon"-Formel darstellt.

Die französisch-südafrikanische Coproduktion ist letztlich ein lupenreiner Unterhaltungsfilm der Marke Cop-Thriller, der es allerdings durchaus mit großen US-amerikanischen Vorbildern aufnehmen kann. Regisseur Jérome Salle hat bereits mit den beiden launigen Hochglanz-Abenteuern um den französischen Comic-Bond-Verschnitt „Largo Winch" bewiesen, dass er das Genre hinsichtlich Rhythmik, Dramaturgie und Schauwerten bestens beherrscht. Diesmal hat er lediglich eine Brise Anspruch und politische Brisanz beigemengt. Für die Arthouse-Hall of Fame reicht das natürlich nicht, für einen (leicht) überdurchschnittlichen Action-Krimi aber allemal.

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