Dass die Welle der Folterfilmchen noch immer nicht verebbt ist, offenbart bereits der einschlägige Titel. Vielmehr stellt sich jedoch die Frage, ob eine junge Frau auf dem Regiestuhl genauso gnadenlos draufhält wie ihre männlichen Kollegen, was eine von der FSK unangetastete Fassung beinahe schon beantwortet.
Michelle (Kaylee DeFer) hat in einer Therapie versucht, das Trauma eines Autounfalls zu verarbeiten, bei dem sie aufgrund einer Unachtsamkeit drei Freunde verlor. In einem verlassenen Anwesen wartet ein vermeintlich lukrativer Job auf die junge Frau, doch als sie in den Kellerräumen nach den Mitarbeitern sucht, sieht sie sich drei Geschwistern gegenüber, welche ihre recht speziellen Methoden entwickelt haben, die Sünden böser Mädchen auszutreiben...
Regisseurin Britt Napier, die bislang lediglich vor der Kamera agierte, baut den Stoff dramaturgisch ungünstig auf, indem sie bis zur Mitte der Geschichte sehr sprunghaft zwischen drei Ebenen wechselt: Die Therapiesitzungen, Flashbacks von der Unfallnacht und das jetzige Geschehen im Anwesen. Teilweise sind die Abfolgen noch nicht einmal dreißig Sekunden lang, was kaum ein schlüssiges Konzept erkennen lässt. Dabei kommt Michelle als anvisierte Identifikationsfigur nicht sonderlich sympathisch daher, da während der Therapie zu wenig Reue zu spüren ist, während der von ihr verschuldete Unfall vor allem auf Dummheit und Starrsinn beruht.
In den karg ausgestatteten Kellerräumen des von außen betrachtet anmutigen Anwesens ändert sich jedoch die Einstellung zur Protagonistin zwangsläufig. Aus dem eigentlichen Opfer Michelle wird erneut ein potenzielles Opfer, jedoch eines, das sich nicht so leicht seinem Schicksal ergibt, sondern tough dagegen angeht, während sich nach und nach erschließt, warum die drei sadistisch veranlagten Geschwister so handeln.
Weitere Rückblicke zur Kindheit der Peiniger implizieren jedoch einige Logiklücken, schon allein, weil es sich um Privataufnahmen handelt und man sich zwangsläufig fragen muss, wer solch dubiose Familienfilme dreht.
Ansonsten wird zwar grundsolide performt, die Ausstattung geht in Ordnung und der Score mit einigen Streichern weiß primär in der ersten Hälfte zu gefallen, doch was explizite Gewaltdarstellungen betrifft, dürften Gorehounds weitgehend enttäuscht werden.
Ein Bohrer im Oberschenkel wird lediglich angedeutet, ein offener Brustkorb ist nur aus der Distanz im Halbdunkel zu sehen, das Zertrümmern eines Schädels findet komplett im Off statt, so dass am Ende gerade mal eine Schnittwunde durch ein Teppichmesser übrig bleibt, wobei auch da vergleichsweise schon mal härter zu Werke gegangen wurde.
Was die überraschungsfreie Erzählung final untermauert, ist der unspektakuläre Showdown, auch wenn ein Catfight kurz vor Schluss noch ein wenig Drive aufkommen lässt. Nach 70 Minuten setzt bereits der Abspann ein, welcher per Slowmo prompt auf zehn Minuten aufgeblasen wird. Wer also wenig Zeit investieren möchte und sich die Credits erspart, bekommt auf die Schnelle ein wenig Folterfilm als Zwischenmalzeit serviert. Mehr als eine Weichspülervariante gängiger Genrefilme von der Stange sollte man jedoch nicht erwarten, denn dafür ist der Härtegrad relativ gering und das Mitfiebern hält sich deutlich in Grenzen.
4 von 10