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Im Jahre 1989 kreierte Regisseur Vidhu Vinod Chopra seinen Bollywood-Gangsterfilm "Parinda", welcher in Kritikerkreisen vielfach hoch gelobt wird, in Deutschland jedoch nahezu unbekannt ist. Das Drama über zwei ungleiche Brüder sollte nun ein wenig internationaler verpackt werden und so führte Chopra bei seinem eigenen Remake erneut Regie, um dem Ganzen eine Art Western-Anstrich zu verpassen. Von den vermeintlichen Stärken des Originals ist hier allerdings wenig zu spüren.

Acht Jahre haben sich die ungleichen Brüder Buddy (Chris Marquette) und Jacob (Anton Yelchin) nicht gesehen. Während Jacob in New York eine Karriere als Violinist einschlägt, blieb Buddy in seinem Heimatdorf nahe der mexikanischen Grenze, wo dieser mittlerweile zum Handlanger des örtlichen Kriminellen Hench (Vincent D'Onofrio) verkommen ist.
Um seinen Bruder aus der Misere zu befreien, muss sich Jacob in die kriminellen Kreise einschleusen lassen...

Der Stoff steigt fünfzehn Jahre vor dem gegenwärtigen Geschehen ein, als Buddy den Tod seines Vaters rächt, während Jacob als älterer Bruder eher passiv bleibt und sich Jahre später Vorwürfe macht, seinem mental zurückgebliebenen Bruder nicht bereits viel früher zur Seite gestanden zu haben. Derweil konnte Hench seinen manipulativen Einfluss auf Buddy für seine Vorteile nutzen und sich als Vater-Ersatz aufspielen, wogegen Buddy zum Spielball zwischen den Fronten mutiert.

Ob Blut mal wieder dicker als Wasser ist, steht natürlich als zentrale Frage im Raum, - die kriminellen Aspekte werden indes so oberflächlich angerissen, dass diesbezüglich rein gar keine Spannung entsteht. Mal wird jemand unspektakulär ermordet, dann kommen kleine Verschwörungen hinzu, es werden kurzfristig die Lager gewechselt, doch der minimal gehaltene Figurenkosmos bleibt trotz kleiner Wendungen sehr überschaubar.

Etwas mehr Tiefe und auf den Punkt ausgetragene Konflikte hätten der Erzählung deutlich besser gestanden als weichgespülte Familienprobleme, welche im letzten Drittel mit Küchenpsychologie der jeweiligen Lager angegangen werden. Zumal stark eingeführte Nebenfiguren plötzlich aus dem Geschehen verschwinden, emotionale Defizite mit wenigen Worten ausgebügelt scheinen und allenfalls während des Showdowns eine gewisse Konsequenz durchschimmert, welche man sich weitaus früher gewünscht hätte.

Insofern schade, als dass sämtliche Mimen treffend besetzt sind und durch die Bank solide performen, die Kamera ein paar sehr gelungene Einstellungen liefert und der zurückhaltende Score sensible Töne einfließen lässt, welche untermauern, wohin das Drama bestenfalls hätte tendieren können.
Doch unterm Strich bleibt "Broken Horses" ein kaum packender Stoff, der den Kern des Ganzen nur selten trifft und stattdessen mit spannungsarmen Geplänkel zwischen den Fronten langweilt. Die Action ist äußerst rar gesät, der Mangel an Suspense offenbart sich besonders im Mittelteil deutlich und letztlich spielt Chopra die potenziell gegebenen Stärken viel zu selten aus, um über die Laufzeit von 96 Minuten brauchbar zu unterhalten.
4,5 von 10

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