Review

Auf "Cheap Thrills" hab ich mich schon lange gefreut. Einige in Deutschland durften diesen Film ja schon auf dem Fantasy-Filmfest begutachten. Dieser Thriller, gemischt mit schwarzem Humor, obendrein noch mit einer 18er Freigabe und mit (Stand von heute morgen) IMBd-Note von 7,1 Points. Das kann ja nur gut werden... Denkste!

"Was Menschen so alles für Geld tun würden" ist das Motto des Films und ich kann mich (wie wohl jeder andere auch) an Abende mit Freunden erinnern, in dem der Satz fiel : "Komm, leck die Rotze auf und gib Dir 10 Euro dafür". Der Grundsatz von "Cheap Thrills" ist nicht verkehrt, aber nach dem Ansehen kann ich sagen: Nichts für mich. Potential ohne Ende verschenkt.


Familienvater Craig (Pat Healy) droht die Zwangsräumung. Er verdient zu wenig, um der monatlichen Tilgung nachzukommen. Mittlerweile muss er innerhalb kürzester Zeit 4500 Dollar auftreiben, wenn er nicht sein Haus verlieren will. Wie das Schicksal es will, verliert er obendrein noch seinen Job als Automechaniker.
Diese Probleme muss Craig erst einmal am gleichen Abend in einer Bar ertränken, wobei ihm sein ehemaliger Schulfreund und heutiger Nichtsnutz Vince (Ethan Embry) über den Weg läuft. Gemeinsam sprechen sie bei ein paar Drinks über alte Zeiten - bis das reiche Ehepaar Colin (David Koechner) und Violet (Sara Paxton) das ungleiche Duo an ihren Tisch winkt. Schnell wird klar, das Colin die Geldscheine verdammt locker sitzen hat und ein gewiefter Zocker ist, wenn es um Wetten geht. Er zahlt und Craig oder eben Vince müssen dafür liefern. Das beginnt mit harmlosen Witzen wie für 200 Dollar der Stripperin auf den Po schlagen oder eine fremde Frau an der Theke zur Weißglut zu bringen, so dass sie mit der flachen Hand zuschlägt. Wie auch immer. Colin ist nichts zu teuer. Für Craig und Vince dagegen nichts zu peinlich, um an die schnelle Kohle zu kommen. Doch damit nicht genug.
Da Colin Violets Geburtstag feiert, lädt er die beiden mit zu sich nach Hause ein. Dort angekommen erhöht sich der Wetteinsatz, aber auch das Risiko. Wie weit werden Craig und Vince gehen, um das ganz große Geld abzukassieren....?


Wie ich schon in der Einleitung erwähnte, hat mich "Cheap Thrills" keineswegs vom Hocker gehauen. Eher im Gegenteil.
Das beginnt schon mit der Einführung der Charaktere. Während mir der existenzbedrohte Craig langweilig am Arsch vorbeigeht und Vince auch nicht gerade weiß, was das Wort "Sympathie" heißt, fehlt mir der Draht zu den Protagonisten. Der reiche Colin, der irgendwie wie eine Mutation aus Tom Hanks und Bill Murray mit Zuhälterhut aussieht und nur unglaubwürdig wirkt ist eigentlich noch der interessanteste Charakter. Violet, die außer sexy in der Gegend liegen, sitzen oder stehen nichts im Film anstellen darf, bleibt meistens im Stumm-Modus.

Mit dem Quartett schleppt sich die Story dann so vor sich hin. Und - es kommt einfach nichts dabei raus. Wer eine Steigerung erwartet, der bekommt sie auch natürlich. Jedoch, wenn ich von meiner Erwartungshaltung ausgehe, ist jede Wette eine Steigerung um 0,01 % Unterhaltung, Thrill oder Komik. Die auf dem Cover abgebildete Szene mit der Hand stellt sich schon als brutalste Szene dar, wobei ich mich dann auch frage, warum man diesen absolut harmlosen Film nicht ab 12 Jahren freigegeben hat. Denn jede "Law & Order"-Folge ist goremäßig auf dem gleichen Level. Es ist nicht so, dass ich mich von Splattereinlagen ernähre oder sie brauche, um feucht zu werden, aber das Cover und der rote Flatschen versprechen etwas, was gar nicht stattfindet.

So wird der Film zwar zum Ende taumelnd hin etwas rauer, macht ein, zwei Schlenker im Finale, aber unter Unterhaltung oder Anspruch oder was auch immer verstehe ich etwas anderes. Ab einer gewissen Summe der Wetteinsätze wirkt der Film auch immer unglaubwürdiger. Wobei noch der (für mich) nicht vorhandene Humor zu erwähnen wäre: "Cheap Thrills" fühlt sich keineswegs wie ein "Tucker & Dale vs. Evil" oder "Shaun of the Dead" an, sondern wirkt irgendwie "very british". Und über Humor von den Inselaffen kann ich eh nicht lachen. Okay, ein, zwei Schmunzler waren schon dabei, aber auch in diesem Sektor hab ich mir mehr versprochen.

Fazit:

"Cheap Thrills" hat eine interessante Grundidee, aber dafür auch austauschbare Charaktere, eine Story, die sich wie Schneckenschleim zieht, da keine wirklichen Steigerungen vorkommen und es dem Film an allen Ecken und Kanten an Spannung, Thrill und Humor fehlt. Für mich war es eine totale Zeitverschwendung und ich würde diesen Streifen vielleicht höchstens Leuten empfehlen, die auf den genauso verkackten "Killer Joe" total abfahren. Eine Fanbase wird dieser Film schon finden, nur eben ohne mich.

3,5/10

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