Poetisch verstörend
„Trouble Every Day“ ist ein sehr subtiler, noirischer und polarisierender Erotik-Arthouse-Horrorfilm über ein frisch verheiratetes, amerikanisches Paar auf Hochzeitsreise in Paris. Doch der Mann hängt einer alten Liebe und Kollegin nach, die sich ebenfalls in der Stadt befindet und die ihn mit ihren kannibalischen und mörderischen Vorlieben noch immer fasziniert…
Eine Ehe die suckt!
„Elevated Horror“ oder „Arthouse Horror“ sind eventuell neumodische, prätentiöse und teils abstoßende Bezeichnungen - aber anspruchsvolles, künstlerisch forderndes Genrekino gab es schon immer. Und Claire Denis hat 2001 mit „Trouble Every Day“ einen Vorzeigetitel dieser Richtung abgeliefert, den man fast nur lieben oder hassen kann. Mit dem weirden Vincent Gallo, der bezaubernd-gruseligen Beatrice Dalle (von der ich eh seit „Inside“ regelmäßig Alpträume hatte) und Vibes wie von einem anderen Beziehungsstern. Über Sehnsüchte und Tabus, über Hunger und Leidenschaft, über die USA und Europa, über Instinkt und Benehmen, über Verlangen und Verlust. „Trouble Every Day“ ist ein sexuell frustrierter Fiebertraum, Fleischeslust und Geistestrauma. Lyrisch, gefräßig, gierig. In Blut gebadet. Mit Schweiß erfrischt. Von Sperma angestachelt. Von Milch verzückt. Sehr körperlich, sehr sprachlos, sehr intensiv. Lückenhaft. Elliptisch. Genial. Wenn man sich total auf ihn einlässt und fallenlässt. Das Gegenteil von feel good oder einem Werk, das man mal eben nebenbei guckt. Trotz seiner überschaubaren Laufzeit und eigentlich recht klaren Ausrichtung. Die winzigen Härchen auf der Haut. Die Details in der Gänsehaut. Das Böse in der Erregung. Der Skandal im Geschlechtsakt. Ein proteinreicher Höhepunkt. „Im Reich der Sinne“ trifft „Raw“. Lecken und Beißen. Spucken und Treten. Ficken und Foltern. Ein trickreicher Tabufilm. Ein schleichender Alptraum. Ein unter die Haut kriechendes Schattenspiel. Ein sinnliches Blutbad. Großartig.
Ich hab dich zum Fressen gern!
Fazit: entweder man findet ihn schlimm öde oder hinreißend einlullend… mich hatte „Trouble Every Day“ als mal ganz anderer Kannibalismus-Ehe-Schocker (fast in größter „Possession“-Tradition!) fest in seinem Bann!