Manchmal sollten Comics einfach Comics bleiben, wenn die entsprechende Verfilmung keine Geschichte liefert, die selbst eingefleischte Zombiefans packen kann. Dass die Form der Animation seine Grundlage stets in den Vordergrund rückt, unterstreicht umso mehr, wie uneigenständig der Streifen daherkommt.
John Romero ist ein Zombie mit Gefühlen, der im Blutrausch erst innehält, als die Stimme seines Sohnes Taylor zu ihm vordringt. Allerdings tötete er bereits Frau und Tochter und verschwindet daraufhin in die Unterwelt, während Taylor in einem Internat für Waisenkinder unterkommt. Fünfzehn Jahre später ist Taylor zu einem Wissenschaftler herangereift, während John noch immer versucht, Kontakt zu seinem Sohn aufzunehmen...
Es schaut zunächst angenehm düster aus, als sich Zombies in einer Gewitternacht aus den Gräbern erheben und der Wissenschaftler Brainchild das Geschehen von seinem Labor aus beobachtet. Als John schließlich mit einigen anderen Zombies auf seine eigene Familie losgeht, macht sich allerdings bereits Ernüchterung breit, denn ein Animationsfilm im Horrorgenre bietet eine solide Plattform, Splatterfans mit übertrieben blutigen Einlagen zu beglücken, doch hier spritzt kaum ein Tropfen Blut.
Stattdessen versucht die Geschichte die moralischen Aspekte des fühlenden Untoten hervorzuheben, was jedoch reichlich daneben geht, zumal die tiefer gepitchte Stimme schon nach wenigen Minuten nervt. Sein moralischer Zwiespalt und die Frage nach dem Warum werden zwar thematisiert, doch nachdem er Frau und Tochter umbrachte, kann seine Figur nicht mehr rehabilitiert werden, auch wenn er eine Frau vor einigen Monstern rettet und innerhalb der Unterwelt gegen das Böse kämpft.
So dienen zunächst zwei parallel vorgetragene Handlungsstränge dazu, die Entwicklung von John und seinem Sohn zu veranschaulichen. Doch während John als kämpfender Zombie für ein wenig Action zuständig ist, wird das Geschehen im Internat mit einigen Klischees angereichert, welche prompt aus einem billigen Coming-of-Age-Film stammen könnten, einschließlich der verbündeten Nerds und dem fiesen Schülertrio.
Im dritten Akt, nach einem Zeitsprung von 15 Jahren, offenbaren sich schließlich vollends die Schwächen der Geschichte, denn es gelingt nicht, eine dramaturgisch nachvollziehbare Brücke zu schlagen, - es wirkt geradezu so, als hätte man diverse Kapitel der Comicvorlage aufgeschnappt und müsste gegen Ende zwangsläufig alle Fäden zusammenführen, was wie oberflächlich zusammengekleistertes Stückwerk anmutet.
Die Animation reißt diesbezüglich nichts mehr heraus, auch wenn der düstere Grundton für einige Zeit ansprechend ist. Stattdessen bedient man sich einiger Stilmittel eines typischen Comics, etwa durch strahlenförmige Geschwindigkeitsstriche bei Schlägen oder Hieben oder Standbildern, bei denen die Figur in den Mittelpunkt gerückt wird und der Hintergrund zu einem Brei verschwimmt. Oftmals wirkt die Animation so, als hätte man einem Manga ein Minimum an Bewegung und Räumlichkeit eingeräumt, dabei aber selten auf graphische Details geachtet.
The Living Corpse" bietet zwar einige interessante Ansätze, wie ein Internat für Kids von Extremeltern (Zombie, Mumie, Serienkiller) und das im Kern spannende Thema eines emotional handelnden Zombies, doch all dies verkommt zu einer unausgegorenen Erzählung, welche weder Humor, noch sonderlich spannende Einlagen beinhaltet. Darüber hinaus ist die Animation allenfalls zweckdienlich, jedoch optisch nicht sonderlich reizvoll ausgefallen, während die wenigen Splattereffekte kaum Schauwerte liefern. Ein typisches Beispiel für eine verpatzte Chance.
3,5 von 10