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1986, als der italienische Unterhaltungsfilm seine besten Zeiten bereits hinter sich hatte, wollte es Regisseur Sergio Martino („Der Killer von Wien“, „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“) mit „Paco – Kampfmaschine des Todes“ noch einmal wissen – ein bisschen Endzeit, ein bisschen Science Fiction, ganz viel Actiongülle, 1980er-Ästhetik und eine bemerkenswerte Darstellerriege, das ist „Vendetta dal futuro“, so der Originaltitel.

Als Hauptdarsteller für diesen damals geschäftstüchtig-zeitgemäßen Cyborg-Action-Exploiter konnte man Daniel Greene, den Mann, der mit Rocky den Ring durchwischte (oder so ähnlich, Quelle: hochseriöses VHS-Cover), gewinnen, der den zu 70% aus Ionen bestehenden Paco Queruak mimt – eine künstlich erschaffene Kampfmaschine (des Todes), die in einer nahen Zukunft im Auftrag viel zu mächtiger Industrieller einen ihnen gefährlich werdenden, oppositionellen Politiker eliminieren soll. Jener wirbt übrigens mit der wunderbaren Parole „You have no future!“ – besser hätte es kein Punkrocker formulieren können!

Doch unser Paco ist eben zu 30% auch noch menschlich und da er grundsätzlich kein schlechter Kerl ist, verwundet er den rhetorisch geschickten Politiker lediglich und sucht das Weite – logisch, dass von nun an seine „Auftraggeber“ hinter ihm her sind. Paco findet derweil Unterschlupf bei der attraktiven Linda (Janet Agren, „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Lebendig gefressen“), die einen abgelegenen Imbiss betreibt. Und während die Bösewichte unter Anleitung des fiesen Francis Turners (niemand Geringerer als John Saxon, „Asphalt-Kannibalen“, „A Nightmare on Elm Street“, „Tenebrae“ etc.) Paco auf den Fersen sind und zwischendurch Pacos Erschaffer (Donald O‘Brien, „Lauf um dein Leben“, „Keoma“, „Nackt unter Kannibalen“, „Zombies unter Kannibalen“ – ich liebe diese Aufzählungen) legt sich dummerweise ein vorlauter Trucker (George Eastman, „Man-Eater“, „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“) mit ihm an, bis dieser beim Armdrücken klein bei geben muss – Ähnlichkeiten mit Stallones „Over The Top“ sind natürlich rein zufällig… wobei, hey, der erschien erst ein Jahr später!

Ja, „Paco – Kampfmaschine des Todes“ ist ein quietschvergnügtes Potpourri aus wenn nicht allem, so doch vielem, was seinerzeit im Actiongenre so angesagt war. Manchem US-Vorbild ist er aber allein schon dadurch überlegen, dass er keinen Einzelkämpfer in den Krieg gegen die bösen Kommunisten o.ä. schickt, sondern den Machtanspruch Großindustrieller aufgreift und – zwar exploitativ, aber immerhin – Kritik an ihm übt. Ein weiterer Hinweis auf einen bei aller Phantastik dennoch gewünschten Realitätsbezug ist zudem der Beginn des Films, der Kamerafahrten durch vermutlich echte US-amerikanische Ghettos zeigt und das Treiben auf der Straße einfängt, bevor zum oppositionellen Politiker übergegangen wird.

Allzu viel sollte man da aber sicherlich nicht hineininterpretieren, denn der überwiegende Teil des Films kratzt doch stark an der Trashgrenze und überschreitet sie recht häufig auch behände und ohne viele Skrupel. Dabei ist das Tempo zunächst noch relativ gemächlich, gewinnt aber stetig an Fahrt, um schließlich in einem furiosen Finale den Rest des Budgets zu verheizen. Dabei bekommt der geneigte Zuschauer so einiges geboten: Ein weibliches Cyborg-Killerkommando mit dem schlimmsten Schlampenminirock, den ich je gesehen habe, eine überdimensionale Laserkanone, mit der John Saxon herumhantieren darf, dementsprechende Laserblitze, Explosionen, Stunts, Gewalt, Spezialeffekte, einen psychopathischen George Eastman, der einmal mehr so richtig rockt… und einen finalen Showdown zwischen Paco und Turner, wobei Paco zu einer radikalen Maßnahme greift, um Turners Herzlosigkeit auch physikalisch Ausdruck zu verleihen. All das wurde nach bester Italo-Exploitation-Manier so dermaßen übertrieben inszeniert, dass es die reinste Freude ist und jedes Trash-Herz höherschlägt. Dadurch wirkt der Film fast wie eine comicartige Karikatur auf US-Big-Budget-Action, die für Übertreibungen in jeder außer intellektueller Hinsicht ja berüchtigt ist.

Doch „Paco – Kampfmaschine des Todes“ verfügt darüber hinaus über einen verhältnismäßig dominanten Subplot, der Romanze zwischen Paco und Linda, einer ungleichen, zum Scheitern verurteilten Liebe und zugleich ein Plädoyer für die Menschlichkeit, für Verletzlichkeit, für Gefühl, Moral und Gewissen, was selbst die Wissenschaftler nicht aus Paco Queruak herausbekamen, allen in schönen SFX-Szenen gezeigten Kabeln und Platinen seines Körpers zum Trotze. Mag kitschig klingen, wird aber natürlich in bewährter Exploitation-Manier kredenzt.

Daniel Greene war dabei trotz seines „No Name“-Status eine gute Wahl für die Rolle Pacos, steht er doch anderen Actiondarstellern der damaligen Zeit in nichts nach. Durchtrainiert und mit meist stoischem Gesichtsausdruck, dabei aber nicht so doof wie Schwarzenegger, nicht so müde wie Stallone und nicht so bubihaft wie Van Damme aussehend, macht er seine Sache stets effektiv und bietet kaum ernsthaften Anlass zur Kritik. Es ist fast ein wenig verwunderlich, dass Greene nicht wie so viele andere auch ebenfalls im Actionbereich durchgestartet ist, denn das Zeug dazu hätte er sicherlich gehabt.

„Paco – Kampfmaschine des Todes“ ist eine unfreiwillige Parodie auf „Terminator“ und Konsorten inkl. herzausreißender Liebesgeschichte. Wer Spaß an so etwas haben könnte (und mir fällt spontan niemand ein, der das nicht können sollte), der fasse sich ein Herz (ähem…) und lade Herrn Queruak zu einem feisten Filmabend ein. Die deutsche VHS ist leider geschnitten, die Kinoauswertung auf 35 Millimeter dürfte aber noch ungeschnitten gewesen sein – und es war ein Riesenspaß, diese kürzlich einmal im Kino gesehen haben zu können.

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