Review

Warum manche Leute einen Kult um Paco – Kampfmaschine des Todes feiern, das habe ich zu VHS-Zeiten nicht verstanden. Aber man gibt sich ja lernbegierig und manchen Filmen, die so ihre Ansätze haben, auch gerne eine weitere Chance. Immerhin ist dieses etwas spartanische Endzeitspektakel ja auch ein Werk des Genrefilmers Sergio Martino, an dem man als ernsthafter Kinofan wegen des durchaus gelungenen Der Killer von Wien nicht vorbei kommt.
Außerdem wird dieser Paco, dargestellt von Daniel Greene, als der italienische Terminator gehandelt. Hier möchte ich jedoch ein Veto einlegen, denn es kommt zu genau einer Szene, die dann auch direkt aus Camerons Endzeitvision entlehnt wurde, welche man vergleichen könnte. Dabei handelt es sich eben um die mechanischen Arbeiten am offenen Handgelenk. Diese Selbstbehandlungen gibt es aber in Giannetto de Rossis Cy-Warrior genauso und dieser Film nähert sich dem Terminator trotz infantilerer Gestaltung weitaus mehr.

Interessanterweise ist in Paco – Kampfmaschine des Todes offenbar aber wirklich eine kleine Zeitreise gelungen, die in der deutschen Synchronisation durch Thomas Danneberg, der hier den Paco gibt und sonst eben sowohl Arnold Schwarzenegger als auch Sylvester Stallone zu sprechen pflegt, noch unterstützt wird. Nachdem Paco nämlich, und hier kommen wir ganz kurz mal zur minimalen Storyline, schlafwandlerisch einen Reverend angegriffen und sich daraufhin verpieselt hat, findet er mitten in der Einöde bei der Bar-Betreiberin Linda (Janet Agren) eine Zuflucht.
Weil die bulligen Truckerburschen den Neuankömmling nicht riechen können, kommt es nicht nur zum für den Verlauf entscheidenden Zwist mit Raoul (George Eastman, gesprochen vom legendären Manfred Lehmann). Dieser für halb angetrunkene zwischen Schwarzenegger und Stallone flimmernde Recke bestreitet doch einige Monate vor Over the Top das ein oder andere Armdrückerduell. Und die Variante, in der eine Giftschlange auf das Handgelenk des Verlieres wartet, ist ja nicht mal ganz ohne.

Daß Paco – Kampfmaschine des Todes, dieses in den USA angelegte Science-Fiction-Vehikel, tatsächlich 7(!) Autoren benötigt hat, ist angesichts der gemächlichen Stationen dann schon ein merkwürdiges Wunder. Paco, der auch Robocop damit vorauseilte, aus seinen menschlichen Überresten zusammengecyborgt worden zu sein, trägt seinen inneren Mensch vs. Maschine Konflikt mit relativer Fassung und einem seichten Hauch von Blade Runner aus.
Pacos Entstehung wird noch so am Rande behandelt, aber auch wenn Martino vielleicht gern ernstere Töne hierzu angeschlagen hätte, so versackt die Identitätskrise doch deutlich in den einschläfernd monotonen Synthieklängen des ansonsten agileren Claudio Simonetti (auch bekannt durch die Gruppe Goblin).

Aus der düsteren Stadt einfallsreich durch die Fahrzeugkarosse zersetzenden sauren Regen flüchtend gerät Paco durch die Streitigkeiten in seiner Zuflucht zwar auch gewissermaßen in die Traufe, doch so richtig aufgedreht wird in Paco – Kampfmaschine des Todes eigentlich erst im letzten Akt, wo Pacos Häscher, befehligt durch Kultschauspieler John Saxon, im Deutschen ausnahmsweise mal vertreten durch den nicht minder ruhmeswürdigen Norbert Langer, ihm endlich auf den Fersen sind.
Man schießt und explodiert sich so auch unter Einsatz eines Hubschraubers von der Bar durch die Wüste, bis schließlich die lustig gewandeten Spezialeinsatztruppen in einem Industriegebäude mit zunehmend stärkerem Geschütz anrücken, um mit geschultertem Laser-Ballermann eine zugegeben groteske Gewaltorgie auf den Höhepunkt zu bringen.

Hier sieht man Paco – Kampfmaschine des Todes doch plötzlich noch einmal mit anderen Augen und wird zuvor als Zuschauer eher ruhig gestellt durch die plötzliche Konfrontation aus dem Schlafe gerissen. Etwas fadenscheinig ist es dann aber schon, wenn so ein Moment als nennenswerte Attraktion eines Science-Fiction-Films gerät. Zugeben muß ich, daß diese recht seltsam-meditative Vorbereitung auch etwas hat. Muß es ja auch irgendwie, denn sonst würde man sich den Kokolores nicht mehrfach ansehen.
Fraglos hat es auch hier wieder mit dieser ominösen heimeligen Atmosphäre zu tun, die man möglicherweise gar nicht begreifen kann. Auch diesmal hat mich Paco – Kampfmaschine des Todes im Grunde gar nicht aus der Sitzgruppe gerissen. Aber dennoch scheint eine weitere Sichtung ganz und gar nicht ausgeschlossen. Man muß diese Wirkung wohl als ungeklärtes Phänomen abheften.

Auch wenn die verwendeten Breitwandaufnahmen aus Arizona einen Hauch von Western beisteuern, waren die Dreharbeiten hier auch Schauplatz für ein Unglück. Leider kam der Schauspieler Claudio Cassinelli am 12.07.1985 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Der 1938 in Bologna geborene Cassinelli gehörte zum Stammensemble von Sergio Martino und spielte in zahlreichen Genrefilmen, darunter Der Tod trägt schwarzes Leder, Suspected Death of a Minor und Luigi Cozzis Herkules.

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