Paco Queruak (Daniel Greene) ist ein Cyborg. Ein Mensch, dessen perfekt trainierter Körper nur noch zum Teil aus Fleisch und Blut, aus Knochen und Sehnen, aus Muskeln und Gehirn besteht. Nach einer schweren Verletzung, die ihm beinahe das Leben gekostet hätte, flickten ihn Ärzte und Wissenschaftler wieder zusammen und ersetzen dabei das beschädigte Gewebe (immerhin rund siebzig Prozent) durch bionische Technologie. Und bei der Gelegenheit hat man dem Mann auch gleich eine Gehirnwäsche verpaßt. Hinter dem dubiosen Projekt steckt Francis Turner (John Saxon), ein skrupelloser Industrie-Magnat, der einen lästigen Prediger (Franco Fantasia), der gegen ihn Stimmung macht, aus dem Weg räumen will. Und so steht Paco plötzlich vor dem blinden Mann, darauf programmiert, ihn mit seinen bloßen Händen - deshalb heißt der Film alternativ auch Hands of Steel, Fists of Steel, Hands of Stone und Arms of Steel - zu töten. Paco schlägt zu, und wo Paco hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Dennoch überlebt der Prediger schwerverletzt, und Turner ist verständlicherweise not amused. Seine geniale Waffe hatte offensichtlich eine Fehlfunktion, die eigentlich nicht sein kann. Aus diesem Grund schickt er einige Männer los, um Paco zu finden und auszuschalten. Der hat sich inzwischen in Lindas (Janet Agren) billiger Absteige neben einer Wüstenstraße einquartiert, wo sich die Trucker (unter anderem Raul Morales, gespielt von George Eastman) gerne im Armdrücken messen. Bald ist die Kacke am Dampfen.
Ein italienischer Terminator-Verschnitt mit Daniel Greene (Kingpin), Janet Agren (Paura nella città dei morti viventi), George Eastman (Antropophagus), John Saxon (Enter the Dragon) und Donald O'Brien (Zombi Holocaust), inszeniert von Sergio Martino (I corpi presentano tracce di violenza carnale aka Torso) unter seinem Pseudonym Martin Dolman und mit einem so coolen wie eingängigen Synthesizer-Score von Claudio Simonetti (Tenebre)? Immer her damit! Vendetta dal futuro ist ein kleiner Kracher, vorausgesetzt natürlich, man hat ein Faible für grobe, trashige Italo-Action der Güteklasse B mit der Duftnote "Cheese". Martino und seine sechs Co-Drehbuchautoren beschränkten sich nicht nur darauf, das große Vorbild zu kopieren, sie griffen bloß die Grundidee auf und zimmerten daraus mit dem Holzhammer ihr eigenes Ding. Und so ist die Hauptfigur, Paco Queruak, auch keine tumbe Killermaschine, die alle, ohne dabei eine Miene zu verziehen, auslöscht, sondern so etwas wie eine Kreuzung aus zerstörerischem Terminator und beschützendem Kyle Reese, der von Michael Biehn gespielten Figur aus James Camerons Kultklassiker. In Paco stecken immer noch Gefühle, welche sein Handeln beeinflussen. Er kann noch wählen, und er wählt richtig. Als Linda, gespielt von der am 6. April 1949 im schwedischen Landskrona geborenen Janet Agren, in sein Leben tritt und durch ihn in Gefahr gerät, entwickelt er Beschützerinstinkte, vielleicht sogar so etwas wie Liebe für die bildhübsche Damsel in Distress.
Daniel Greene mag nicht der größte Schauspieler auf diesem Planeten sein, aber der Paco ist ihm auf den Leib geschneidert, für diese Rolle wurde er geboren. Auf der einen Seite agiert er hammerhart und kompromißlos (er kann richtig toll böse gucken), auf der anderen zeigt er aber auch Schwäche und man merkt ihm an, daß er leidet, was besonders gut gegen Ende des Streifens umgesetzt wurde. Da kommen doch weit mehr Emotionen beim Zuschauer an, als man es bei Filmen wie diesem erwarten durfte. Die Handvoll, vor Testosteron fast überquellenden Armdrück-Matches fügen sich gut ins Geschehen ein, wohingegen die dystopischen Hintergrund-Elemente, wie z. B. der saure Regen, dem Film ein leicht apokalyptisches Flair verleihen. Grinsen muß man allerdings bei den primitiven Computersimulationen, die beim etwas unnötigen Subplot mit dem Polizisten und einer Ärztin zur Anwendung kommen; die sind mittlerweile hoffnungslos veraltet. Die vor atemberaubender Kulisse (bizarre Felsformationen in staubiger Wüstenlandschaft) in Arizona gedrehten Actionsequenzen sind kompetent in Szene gesetzt, hinterlassen jedoch einen bitteren Beigeschmack, da bei den Dreharbeiten Co-Star Claudio Cassinelli (Murderock - uccide a passo di danza) ums Leben kam, als der waghalsige (und ebenfalls verstorbene) Pilot mit dem Hubschrauber eine Brücke streifte und in den Canyon darunter abstürzte. Abgesehen davon ist Vendetta dal futuro der Glücksfall eines Italo-Rip-Offs, das prächtig unterhält und prima rockt.