"Ich kenne keine wichtigere Aufgabe als den Präsidenten zu schützen."
John Cale (Channing Tatum) möchte unbedingt beim Secret Service anheuern und zu einem ausgewählten Kreis zum Personenschutz des Präsidenten Sawyer (Jamie Foxx) gehören. Bei einem Bewerbungsgespräch begegnet er seiner ehemaligen College-Kommilitonin Carol Finnerty (Maggie Gyllenhaal), die ihn aufgrund vergangener Erfahrungswerte negativ bewertet. Somit wird nichts aus dem Job. Stattdessen nimmt John mit seiner Tochter Emily (Joey King), deren Verhältnis erkaltet ist, kurzerhand an einer Führung durchs Weiße Haus teil. Während der Führung dringt eine Gruppe heimischer Terroristen in das Weiße Haus ein und nimmt Geiseln. John kann den Präsidenten befreien. Gemeinsam versuchen sie das Weiße Haus unentdeckt zu verlassen.
2013 ist das Jahr in dem das Weiße Haus besonders attraktiv für terroristische Übergriffe ist. Zumindest wenn man Hollywood Glauben schenken möchte. Nach "Olympus Has Fallen" ist "White House Down" nämlich schon der zweite Actionfilm, der sich des Themas annimmt.
Während "Olympus Has Fallen" mit einer rasant-rauen Präsentation und übersichtlichen Laufzeit noch einen einigermaßen soliden Eindruck hinterließ, will "White House Down" durch Überlänge und familienfreundlicher Präsentation so rein garnicht überzeugen.
Regisseur Roland Emmerich ("2012", "Godzilla", "Independence Day") war noch nie besonders gut darin Geschichten zu erzählen und Charaktere aufzubauen. Auch dieses Mal ist der Versuch, Abhängigkeiten unter den Figuren emotional an das Publikum weiterzuleiten, ein verzweifelter. Daher werden die ersten 30 Minuten zu einer echten Geduldsprobe. Denn neben dem Aufbau der Protagonisten und der direkten Präsentation der Gegenspieler (ja, die grimmig Ausschauenden sind alle Böse), passiert nichts weiter.
Das die Handlung total an den Haaren herbei gezogen ist, kann man nach vorheriger Recherche schon erahnen. Dennoch ist es immer wieder verwunderlich, wie eine gut ausgebildete Söldnertruppe das Elitepersonal des Weißen Hauses geradezu ohne Probleme ausschaltet, dann aber von einem Einzelgänger durchweg aufgemischt wird. Frühere Actionfilme tun zwar nichts anderes, die Helden wirken darin aber viel natürlicher.
Schlimmer noch ist die furchtbare Unglaubwürdigkeit und das löchrige Drehbuch. Oftmals fragt man sich, wie unverwüstlich ein Mensch sein kann oder wie einfach komplexe Situationen gelöst werden. Ohne Überraschungen verläuft "White House Down" somit geradlinig und konstruiert ab, sodass sich das drüber nachdenken schnell von alleine abschaltet.
Die Actionszenen sind überwiegend solide, eine handvoll durchaus ansehlich. Wenn die Kuppel des Weißen Hauses effektvoll explodiert und Black Hawk's durch Washington's Straßen düsen, fühlt man sich sofort an Emmerich's machtvollen Einfluss an digitaler Zerstörungs- und Militärwut erinnert. Trotzdem ist es verwunderlich, dass manche Effekte doch ein wenig künstlich aussehen.
Überwiegend bleibt der Film blutleer und comichaft genug, um ein freudig empfangenes Massenpublikum nicht abzuschrecken. Ob dieses aber mit dem obligatorischen amerikanischen Patriotismus, den hohlen Plattitüden und Klischees warm wird, ist eher fraglich.
Channing Tatum ("G.I. Joe"-Reihe, "Step Up"-Reihe) ist sichtbar bemüht aus seiner eindimensionalen Rolle so viel wie möglich heraus zu holen, kann jedoch nicht als Schlüsselperson überzeugen. Die Möglichkeiten von Jamie Foxx ("Django Unchained", "Kill the Boss") bleiben ungenutzt. Und auch Maggie Gyllenhaal ("The Dark Knight", "Schräger als Fiktion") hat zu wenig Spielraum um sich mehr als nur solide zu präsentieren.
Im Endeffekt finden sich alle Elemente in "White House Down" wieder, für die Roland Emmerich bekannt ist. Für gewöhnlich funktionieren seine Filme auch gut. Das Kreuz von diesem Actionthriller sind allerdings asteroidengroße Logiklöcher, einige fragwürdige Spezialeffekte sowie die unnötige Überlänge. Nur in wenigen Action-Szenen macht der Film Spaß. Ansonsten langweilt er oder fordert bei seiner unfreiwilligen Komik zum fremdschämen auf.
3 / 10