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"Die reichsten Bewohner verließen die Erde, um ihren Lebensstil zu bewahren."

Im Jahre 2154 haben sich die Reichen radikal von den Armen abgespalten und leben auf der Raumstation Elysium. Während die Reichen dort Dank fortgeschrittener Technologie keinerlei Krankheit mehr fürchten, ist das Leben auf der Erde ein stetiger Überlebenskampf. Die Überbevölkerung führte zu einer Slumbildung und stetiger Arbeitsnot.
Fabrikarbeiter Max DeCosta (Matt Damon) erleidet einen Arbeitsunfall und wird radioaktiv verstrahlt. Nur fünf Tage bleiben ihm bis er stirbt. Krankenschwester Frey (Alice Braga), die selbst eine leukämiekranke Tochter hat und die Max schon seit seiner Kindheit kennt, kann ihm nicht helfen. Also sucht er einen illegalen Weg um sich ein Ticket nach Elysium zu verschaffen. Elysium wird von Verteidigungsministerin Delacourt (Jodie Foster) vor illegalen Einwanderern geschützt. Dabei greift sie auch zu mitteln, die dem amtierenden Rat missfallen. Beispielsweise zum Söldner Kruger (Sharlto Copley), der mit purer Waffengewalt zahlreiche Menschen tötet. Als Max sensible Daten stiehlt, die Elysium gefährden, setzt Delacourt Kruger gegen ihn an.

Neill Blomkamp hat 2009 mit seinem Film "District 9" eine sensationelle Science-Fiction-Allegorie erschaffen, die von Fans und Kritikern lobend aufgenommen wurde. Sein zweiter Film als Regisseur erzählt eine erstaunlich ähnliche Geschichte. In beiden Filmen gibt es einen Charakter, der schwer erkrankt ist und zu einem Ort der Heilung kommen muss, der nicht so ohne weiteres erreichbar ist. Der Weg dahin wird auch in "Elysium" genutzt, um einige Missstände unserer heutigen Welt anzuprangern. Diesmal geht es jedoch nicht um Rassen-, sondern um Schichtentrennung, die sogar bildlich vollzogen wird und einen Mittelstand völlig missen lässt.

Um es gleich klarzustellen: "Elysium" ist nicht so gut wie sein geistiger Vorgänger. In vielen Dingen erkennt man das Konzept und Design von "District 9" wieder, Blomkamp gelingt es aber nicht erneut eine ähnliche Tiefe zu entwickeln.
Ähnlich sieht es bei der Eigenständigkeit aus. Für seine Sicht auf eine durch soziale Gegensätze verpestete Zukunft greift Blomkamp auf einige klassische Science-Fiction-Motive und Erzählmuster zurück. Er bedient sich bei "Metropolis" sowie "Die Zeitmaschine". Ebenso sind die Einflüsse von Paul Verhoeven's Genreklassikern "Total Recall" und "RoboCop" unübersehbar. Das erheblich höhere Budget grenzt die Kreativität maßgebend ein.

Mit einem Mordstempo schreitet "Elysium" voran und bietet dadurch kurzweilige Unterhaltung. Wenn die Welt, die Schichtentrennung und ein Ausriss des Erden- und Elysium-Alltags erstmal eingeführt sind, pflügt der Film ungebremst durch seine Ereignisse. Natürlich sorgt der Film auch dafür, dass die emotionale Ebene verständlich überbracht wird, allerdings zu Gunsten eines Massenpublikums.
Das hohe Tempo erweist sich als angenehm, die formelhafte Geschichte und die generischen Charaktere weniger. Sehr vorhersehbar hakt der Film seine Geschehnisse ab, erzählt oberflächliche Nebenhandlungen und offenbart immense Logiklücken. Besonders wenn es um die Eigenabwehr- und Verteidigungsmöglichkeiten der Weltraumstation geht, verweigert "Elysium" eine tiefer ausformulierte Welt zugunsten des plakativen Zerwürfnisbildnisses zwischen reicher Ober- und geknechteter Unterschicht. Und die gesellschaftliche Kritik erweist sich dann doch als weniger bissig als erhofft.

Das Geballer mit dezent futuristischen Gewehren fetzt, nicht nur vom Gewaltgrad her. Bei dem kennt Blomkamp keine Kompromisse. Granatenexplosionen reißen Gesichter ab, Gewehrfeuer und Detonationen zerfetzten Leiber und wie in "District 9" tapeziert der Film mit Blut, Gliedmaßen und Gedärmgekröse seine Sets um.
Die Effekte sind stimmig, genauso wie die atemberaubend detailreichen Bilder und der donnernde Soundtrack. Dennoch mangelt es bis zum Finale hin an Höhepunkten und die Kameraführung ist ein Graus. Gerade die Actionszenen sind so hektisch inszeniert, dass man vollkommen den Überblick verliert.

Die Schauspieler holen ihrerseits das Möglichste aus Blomkamp's oberflächlichem Drehbuch heraus. So zeigt Matt Damon ("Bourne"-Reihe, "True Grit", "Good Will Hunting") in der Hauptrolle eine gewohnt souveräne Leistung und bekommt durch Sharlto Copley ("District 9") einen ebenbürtigen, teils übermäßig agierenden, Gegenspieler.
Alice Braga ("I Am Legend", "Predators") sowie William Fichtner ("Equilibrium", "Drive Angry") bleiben eher unauffällig. Jodie Foster ("Das Schweigen der Lämmer", "Die Fremde in dir") hat es in ihrer eindimensionalen Rolle sichtbar schwer. Mit ihrer strengen Präsenz zeigt Foster aber trotz akuter Unterforderung Klasse.

"Elysium" besitzt die Anlagen zu einer überragenden Science-Fiction-Dystopie, ist aber nur zweckmäßige Unterhaltung geworden. Blomkamp durchschwimmt seine Welt mit raschen Zügen und lässt sich keine Zeit für inhaltliche Tiefe. Somit offenbaren sich dann auch Schwächen und Unausgereiftheiten in der Konzeptionierung, sowohl des Entwurfes, als auch der Ausführung. Die Bilder, Effekte und Atmosphäre stimmen aber und die Darsteller wirken sichtbar bemüht. Wäre da nicht die furchtbar wacklige Kameraführung, könnten auch die brachialen Actionszenen überzeugen.

6 / 10

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