Review

Im Jahr 2010 beglückte uns Goldhändchen James Wan (der 2004 mit "SAW" einen Meilenstein der Filmgeschichte erreicht hat) mit einem bombastischen Grusler, der den Namen auch verdient hat: "Insidious" hatte eine gute Story, der mit geschickt platzierten Schockeffekten, permanent unheimlichen Momenten und einer Gänsehaut-Atmosphäre glänzen konnte, wie selten zuvor ein Film. Ja, man braucht keine 30 Liter Kunstblut, um den Zuschauer zu verwöhnen - man braucht nur eine anständige Story und das gewisse Etwas um den Zuschauer zu beängstigen.


Wer jetzt denkt, dass es mit dem zweiten Teil so weiter geht, dürfte sich über das Erlebnis im ersten Moment ärgern und enttäuscht fühlen - denn denselben Pfad wie sein Vorgänger schlägt das Chapter 2 nicht ein. Es handelt sich um eine (in meinen Augen) für den Mainstream-Charakter zu komplexe Geschichte, die den Otto Normal-Verbraucher überfordert.
Zeit, Raum, das Darsein wie das Jenseits werden hier munter vor- und Rückwärts gespult, geremixed und mit Dubstep gepfeffert, so dass man am Ende sagen kann, dass man nicht alles verstanden hat. Obwohl man diese Tatsache nicht zugeben will/wird.

Um diesen verzwickten Zustand noch weiter aufzuprotzen, wird von meiner Seite aus empfohlen, dringend den ersten Teil wieder als Auferfrischung der Gedanken anzuschauen - zumindest die letzten zehn Minuten. Denn ansonsten besteht akute Verwechslungsgefahr mit Namen, Charakteren oder Zeitepochen.

Wie wir wissen, handelte sich das Geschehen bei "Insidious" um den jungen Dalton Lambert (Ty Simpkins), der im Reich der bösen Geister gefangen war. Dieser Film hörte damit auf, dass die Geistergestalt zum Schluss scheinbar im Vater Patrick (Josh Lambert) steckte. Ein Cliffhanger, wie er heute bei zig Filmen üblich ist, die jedoch keine Fortsetzung spendiert bekommen.

Genau hier setzt Wan an: Beim zweiten Teil steht der Familienvater im Mittelgrund, der diesen bösen Geist scheinbar mit sich trägt. Oder ist doch alles nur Einbildung oder eine Täuschung? Auf jeden Fall muss man das Glas Nutella und den Löffel beiseite legen, denn so simpel wie jeder andere Horror-Flick funktioniert Chapter Zwei nicht. Die Story ist im ersten Moment ziemlich oberflächlich, die Spannung und die Schocks sind, freundlich gesagt, "spärlich", doch ab der enorm langen Einspielzeit und "Durststrecke" von knapp 30 Minuten wird man mit jeder weiteren Minute weiter in den Abgrund gerissen, dass es sich gewaschen hat - so fern man alles einordnen kann, wo es eben hingehört.
Für die Abwechslung sorgen "mal wieder" die beiden Geisterjäger, die auch hier nicht deplaziert wirken und den entsprechenden Galgenhumor miteinbringen.


Wenn ich direkt nach der Ansicht des zweiten Teils eine Meinung verfasst hätte, wären vielleicht vier Punkte drin gewesen. Ja, auch ich war irgendwo extrem enttäuscht und das hat auch viel mit meinen Erwartungshaltungen zu tun gehabt (Teil 2 muss so sein wie Teil 1).
Aber nach längerer Überlegung muss ich James Wan zugestehen, dass er hier ein äußerst unorthodoxes Sequel kreiert hat, das eher für Arthouse-Fans (!) geeignet ist, als für Popcorn-Mampfer. Gewagt, gewagt Herr Wan.


Fazit:

Man sollte vor Chapter 2 unbedingt wieder den ersten Teil oder zumindest die letzten zehn Minuten sehen, um das Gedächtnis aufzufrischen. Denn hier wird eine Geschichte erzählt, die schwer zugänglich ist und den ganzen Erzählrahmen auf´s Maximum erweitert. Zeit, Raum und Kontinente verwischen zu einem Gesamten. Alles in allem wären mir 9 Punkte durchaus Recht. Aber da ich es auch gerade in diesem Genre gerne einfacher haben will, komme ich auf eight Points. Mit Teil 1 kann er nicht mithalten (Mainstream-Slang), aber irgendwie übertrumpft er auch den Erstling (LSD eingeschmissen). Ich hätte was anderes, "besseres" erwartet, aber ich verweile mal bei geschmeidigen

8/10

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