Das Erste, was man sich nach dem Besuch von "My Big Fat Greek Wedding" fragen wird, ist, wie konnte dieser Film in den USA 240 Millionen Dollar einspielen?
Nicht, daß er schlecht wäre, aber es fehlt tatsächlich jegliche Grundlage, die diesen Film zu einem Ereignis macht, was rechtfertigt, daß er über 40 Wochen wie eine Eins in den Charts steht, was bedeutet, daß die Massen der Zuschauer immer wieder zum Besuch antreten.
Also, was ist er dann?
Schwierige Frage: im Wesentlichen ist er unangreifbar! Vielleicht ist das das Geheimnis seines Erfolgs.
Er beschreibt in linearer Folge zunächst der Lebensgeschichte der Griechin Tula, die mit 30 Jahren immer noch keinen Mann gefunden hat, der Traditionen der US-Einwanderer zufolge unbedingt griechisch sein muß. Einem Schicksal als mehrfache Mutti und dolle Köchin entgeht Tula, die für sich mehr im Leben absieht (aber auch wieder nicht viel mehr, sondern einfach ein bißchen mehr), indem sie sich per Abendschule am Computer ausbilden läßt und (immer noch im Familienkreis) ein Reisebüro managt. Bis ihr eben der Mann ihrer Träume begegnet. Nur ist der Amerikaner und so jemanden heiratet man als Griechin nicht.
Aber der Lauf der Zeit ist nicht aufzuhalten.
Ergo besteht der Film dann aus einer feinen, aber natürlichen Romanze, gegenseitigem Kennenlernen, leichten Problemen in der Familie (nur in der griechischen...) und schließlich den Vorbereitungen zur und der Durchführung der Hochzeit. Fertig!
Das Irre ist, daß dieser Plot dabei so porentiefrein verbraucherfreundlich abläuft, als sei die Einführung einer Altersfreigabe nie nötig gewesen. Alle Hinternisse, wenn sie denn überhaupt welche sein könnten, werden kurzfristig beseitigt, es gibt keine langatmigen Quertreiber, keine Krisen, keine Hindernisse, noch nicht mal einen Streit. Zwei finden sich und heiraten, leichter Kulturclash (ohne Crash) inbegriffen.
Das wirkt teilweise so glattgebügelt und nett, daß es viele sogar als langweilig abtun werden, denn dramaturgieförderlich ist das nicht.
Aber vielleicht sind wir in den letzten Jahren mit absurden, hyperkomplizierten oder düsteren Plots so zugebombt worden, daß wir es gar nicht mehr zu schätzen wissen, so eine herzengute und einfache Geschichte vorgesetzt zu bekommen.
Dabei könnte man ganz leise Kritik anmelden (laut meckern kann man irgendwie nicht bei diesem Film).
Die Griechen präsentieren sich hier als in sich geschlossene Volksgruppe, die nicht gerade als Musterbeispiel für Multikulti-Integration durchgehen würden. Darüber hinaus verspritzt der Film reichlich Futter für Feministen, denn die allgegenwärtige Meinung, daß Frauen für Kinder, Küche, Kirche (genau in der Reihenfolge!) da sind, macht ihn nicht eben rezeptabel, da das Thema mit kaum einem Gramm Kritik angegangen wird. Eher wird ihm ausgewichen, weil Tula eben eine leise Ausnahme bleibt.
Auch der Eroberer von Tulas Herzens, ein knuddeliger, vegetarischer Englischlehrer namens Ian ist so kleinkinderfreundlich befreit von allen Ecken und Kanten, daß man ihm das Fehlen einer eigenen Persönlichkeit glatt zur Last legen würde, wenn er nicht das passende Gegenteil zur griechischen Einstellung wäre. Der "Sex in the City"-Star John Corbett hat unsere Sympathie, aber ein eigenes Leben scheint er kaum zu haben, was sich der Film dann auch kaum verkneifen kann, weil er an einer Stelle sogar die Griechen dazu hinreissen läßt, sich über seine Unterlegenheit in Bezug auf seine Frau zu mokieren.
Was aber wirklich verblüfft, ist das Fehlen einer wohl zu erwartenden Lustigkeit, schließlich ist das eine Komödie. Wer jetzt aber da sitzt und auf Brüller oder nur Lacher wartet, muß sparen, denn obwohl man den Film komplett mit einem Lächeln (meinetwegen auch breit) verbringen kann, kommt aus voller Kehle nur wenig zusammen, vornehmlich in Szenen, die man schon in den Trailer geschnitten hat.
Müßte ich ihn in einem Wort zusammenfassen, würde ich sagen, "Greek Wedding" ist ulkig! Ja, das trifft es ganz gut, denn er ist weder grob, noch albern, noch kitschig, noch cheesy, noch sülzig oder sirupsüß. Käme er nicht aus Hollywood, hätte man ihn bei uns als TV-Film vermarktet, als besonders guten immerhin.
Stattdessen führt er uns ein reichliches Panoptikum verschiedenster griechischer Lebensartcharaktere vor, alle freundlich, ein wenig seltsam und eben sehr herkunftstypisch. Skuril ist das selten (am ehesten in Person der Großmutter von Tula, die, nur griechisch sprechend, stets messerversteckend durch die Nachbarschaft schleicht und überall blutrünstige Türken vermutet), denn wesentliche Funktion für die Handlung haben die meisten nicht. Man hat seinen Auftritt, man fügt sich ins Ensemble und ins Geschehen und das war es dann.
Da ist es dann aber erfreulich, daß Nia Vardalos, die Hauptdarstellerin ebenfalls relativ rampenlichtscheu agiert, sich selbst zurücknimmt und der simplen Geschichte unterordnet. Den Erfolg, vor allem weil er so schwer erklärbar ist, wird sie kaum wiederholen können.
Woher kommt nun aber der Erfolg? Sind die (sonst vom Kino ja stiefmütterlich behandelten) Griechen so eine treue Fangemeinde und große Volksgruppe, daß sie immer und immer wieder ins Kino pilgern? Oder rutschen nur alle aus Neugier auf dem großen Erfolg aus, indem sie sich ebenfalls zu einem Besuch verführen lassen?
Oder ist es eben gerade diese realistische Natürlichkeit, die allgemeingültige Banalität des Geschehens, die Verschmitztheit und das Ehrliche an diesem kleinen Film, daß eben niemand weiß, was ihm daran so gefallen hat, daß man jegliche Meckerei vernachlässigt? Ich weiß es nicht!
Möglich ist, daß man das gar nicht so wichtig nehmen sollte. Man könnte sagen: es war ein schöner Film und gut! Mache ich auch und doch hätte ich ein paar Ecken und Kanten ganz gern gehabt. Aber dann wäre sie uns vermutlich wieder mit Meg Ryan gekommen. (7,5/10)