Während an diesem Ostermontag im Mittags- und Nachmittagsprogramm natürlich wieder nur Heile-Welt-Scheissdreck und unerträglicher Murks in Deutschlands Fernsehen gezeigt wurde, habe ich mir meinerseits die volle Downer-Dröhnung gegeben und mir „The Plague Dogs" reingezogen, um mal wieder zu merken, dass ich noch am Leben und klaren Verstandes bin.
Das geniale Kleinod von Martin Rosen (dem meiner Meinung nach ein kleiner Altar gebaut werden sollte), der seiner Zeit mit „Watershiup Down" einen größeren Erfolg verzeichnen konnte (gehört übrigens definitiv auch zum Pflichtprogramm eines jeden überdurchschnittlichen Cineasten, genauso wie dieser Film hier!), ist wahrlich nix fürs Standard-Publikum, denn Rosen macht hier klare Ansagen: in düsteren Bildern zeigt er, wie Menschen wirklich sein können: skrupel- und gnadenlos, amoralisch und verlogen.
Zwei Hunde, Snitter und Ruff, brechen aus einem Versuchslabor in der (britischen?) Wallachei aus und versuchen, in der freien Natur klarzukommen. Dies gelingt ihnen leider nicht besonders, da sie vormals domestizierte Stubentiere waren und nix vom Überleben in der Wildnis verstehen. Sie lernen jedoch einen Fuchs kennen, der ihnen zeigt, wie man richtig jagt und sich von den Menschen fernhält. Doch leider hinterlässt ihre Nahrungssuche zu viele Kadaver von Nutztieren hiesiger Bauern, und flugs hat der Mob das Gewehr bei Fuß. Als es zu einem tödlichen Zwischenfall kommt und die Medien die Geschichte aufbauschen, wächst die Flucht der vollkommen harmlosen Versuchstiere zu einer die nationale Sicherheit bedrohenden Angelegenheit heran...
Zwar weiß von vornherein auch der naivste Depp beim Ansehen der ersten Minuten (in denen Wuff in einem Wasserbecken ums Überleben kämpfen muss), dass diese Geschichte kein gutes Ende nimmt, nichts desto trotz trifft einen der Schluss hart in die Magengrube. Dramaturgisch also schon mal voll durchschlagend und spannend, bezieht „Die Hunde sind los" natürlich eindeutige moralische Stellung und prangert Tierversuche und die Kaltblütigkeit der Menschen auf eindeutige und gerechtfertigt harsche Weise an. Gerechtfertigt deswegen, weil der Zeichentrickfilm sicher keinen Deut weit weg von der Realität ist. Atmosphärisch düster gehalten, verdeutlichen die Bilder die Aussichtslosigkeit der Situation, auch wenn sich die beiden armen Geschöpfe tapfer gegen ihr Schicksal wehren. Surreale Traum- und Erinnerungssequenzen und düstere, morbide Bilder aus dem Versuchslabor tragen zum harten, manchmal vielleicht sogar etwas verstörend wirkenden Gesamtbild des Films bei.
Meiner Meinung nach ist der Mangel an Aufmerksamkeit für diesen Film ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich die Menschen wegdrehen und sich doch lieber angenehmeren Dingen widmen als solchen Filmen, die erschüttern und zum Nachdenken anregen sollen. Und zum Thema Altersfreigabe bleibt mir nur zu sagen, dass der Film sicher nicht unbedingt für Kinder gemacht wurde, doch aber durchaus auch Kindern (vielleicht nicht den Kleinsten) gezeigt werden sollte. Er könnte vielleicht für ein Quäntchen mehr Respekt gegenüber Tieren oder sogar dem Leben an sich sorgen. Wenn ich mal Kinder haben sollte, bekommen sie diesen Film auf jeden Fall mit auf den Weg, Hand drauf. Gleich im Doppelpack mit „Watership Down".