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Der Begriff "Exploitation", also "Ausbeutung", bezieht sich auf eine Art von Filmen, die ein immergleiches, sehr rigide vorgegebenes Themenfeld ausreizen. In dieser Definition ist William Fruet durchaus ein Klassiker gelungen, denn hier wird ausgereizt bis zum Geht-nicht-mehr.
Brenda Vaccaro spielt ein Fotomodell, das von einem reichen Zahnarzt unter falschen Vorgaben ("wann kommen denn deine anderen Gäste?") in dessen teuer eingerichtetes, aber potthässliches Landhaus eingeladen, woselbst dieser sie dann auf Pennälerart anbrät. Bei der Fahrt dorthin haben die beiden ein eher unangenehmes Erlebnis mit ein paar lokalen Hooligans, die die inzwischen (schweren männlichen Herzens) ans Steuer des zahnärztlichen Sportwagens Gelassene, zu einem Wettrennen drängen. Diese beherrscht die Kunst des Wagenlenkens allerdings viel besser und die Hinterwäldler landen im Wasser. Natürlich ist SIE an der Kränkung des männlichen Stolzes der Menschenaffen Schuld und in diesen zwei Sätzen ist auch schon der Plot entwickelt.
Paradoxerweise ist also gerade im Exploitation-Film die schauspielerische Leistung ausschlaggebend, denn die Stories allein halten den Zuschauer kaum wach - genau da liegt der Hund begraben und das ist auch der Grund, warum die meisten Filme dieser Richtung auch nur als Partyunterhaltung dienen können, denn normalerweise ist diese unter aller Sau. Nicht so hier: Vaccaro ist nämlich kein Koks-Bimbo, sondern eine handfeste, mit beiden Beinen im Leben stehende Frau, die auf die ultrapeinlichen Baggerversuche des Playboys völlig angemessen reagiert, eben wie auf den Schuljungen, der gerade "Scheiße" gesagt hat. Umgekehrt ist auch Don Stroud als früher Yuppie extrem überzeugend, einen dümmeren und oberflächlicheren Charakter hat man im Kino bislang nicht gesehen. Am erschreckendsten aber ist die lowlife-gang, denn die spielen ihre Parts mit einem dermaßen schmierigen Sexismus, dass man fast die Rolle mit dem Schauspieler verwechselt.
Als nun eben diese die zwei verhinderten Turteltäubchen endlich finden (nicht ohne auf der Suche noch einen Polizisten ins Krankenhaus gebracht zu haben) beginnt der kontroversielle Teil des Films.
Streng genommen handelt es sich hier um den Prototyp des "rape and revenge" Films, doch wie es bei Prototypen oft so ist, unterscheiden sie sich gewaltig von der nachfolgenden Serie. Im gegebenen Fall ist die Vergewaltigung des Models offenbar nicht voll physisch vollzogen und die "Rache" auch eher eine Art Selbstverteidigung denn ein umgekehrtes Jagen. Generell ist die visuelle Darstellung der Gewalt selbst für die 70er Jahre äußerst zurückhaltend, dafür aber wird eine unangenehme Atmosphäre von Hass und Gewalt erzeugt, die sich durchaus einer selektiven Zensurschere zu entziehen weiß.
Die Hillbillies zerstören zunächst die Villa vollständig und bauen dadurch eine Stimmung der Bedrohung auf, die einen sich im Sessel winden läßt. Soviel Niedertracht läßt sich kaum mehr schauspielern! Auch wenn man den Zahnarzt inzwischen verachten gelernt hat, DAS hat er auch nicht verdient. Die Dinge nehmen also ihren fatalen Lauf und der Hausherr verliert nach einem vergeblichen Versuch, mit einer Schrotflinte den Irren Einhalt zu gebieten, das Leben und nun geht es der Dame ernsthaft an den Kragen. Wie eine wilde Hundemeute hetzen sie der im Getümmel Entkommenen nach, während sie, praktisches Mädchen das sie ist, ihr Leben teuer verkauft u. a. mit Benzin und zum Schluss im Endkampf mit dem Auto (was eine Art Coda darstellt: das Auto, das die Geschichte ins Rollen brachte, beendet diese auch).
Hier von einem "guten Film" zu sprechen, widerstrebt mir, denn dazu sind Story und Darstellung zu simpel. Was man jedoch anerkennen muss, ist Fruets Gespür für Grundtöne. Das unterscheidet und hebt den Film aus der Legion seiner Epigonen heraus, wie z. B. der vielzitierte I Spit On Your Grave, der wesentlich gewalttätiger ist, jedoch durch dilletantischste Regie und Knallchargentum zur Mitternachtseinlage verkommt. Problematisch ist natürlich generell die Art der "Unterhaltung", die ein so gearteter Film anbietet, denn obwohl man zum weiblichen Opfer hält, weil es das einzige Menschenwesen mit Vernunft darstellt, ist die endliche Freude über die Vernichtung der "Bösen" natürlich auch keine Regung, die einem zivilisierten Menschen gut zu Gesicht steht. Aber das ist eben "exploitation".
In Schweden dürfte diese Problematik in dieser Zeit zu einer großen Zensurdebatte geführt haben, weil Death Weekend keine ungekürzte Freigabe bekam, während rein darstellungsmäßig wesentlich brutalere Filme damit keine Probleme hatten. Diese Entscheidung - die vermutlich auf der angesprochenen Ansprache niederster Triebe basiert - wurde dann auch feministisch so interpretiert, dass man Frauen keine Verteidigung gegen brutale Männer zugesteht, während sie in mainstream-Produktionen munter vergewaltigt werden dürfen. Damit wird Death Weekend natürlich eine Ehre zuteil, die ihm wahrlich nicht gebührt, doch es bleibt trotzdem ein ungewöhnlicher im ohnehin bizarren B-Film Oeuvre von William "Der Todesbiss der Satansviper" Fruet.

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