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Wenn sich der spanische Regisseur Álex de la Iglesia mal wieder so richtig austobt, schlägt er bekanntermaßen weit über die Stränge, geht regelrecht politisch unkorrekt vor und trifft mit seinem speziellen Humor auch mal mitten in die Magengegend. Und obgleich der Verlauf der Groteske ein wenig an "From Dusk till Dawn" erinnert, wird es trotz kleinerer Hänger nie langweilig.

Ein Goldraub führt die Kleinkriminellen José, dessen zehnjährigen Sohn Sergio, Antonio und Taxifahrer Manuel in ein kleines Dorf nahe der französischen Grenze, in dem Hexen hausen. Noch ahnen sie nicht, dass Sergio für ein bestimmtes Ritual vorgesehen ist, während die Herren als Snack für Zwischendurch dienen sollen...

Den Einstieg hätte de la Iglesia nicht fulminanter gestalten können, da der Raub allein aufgrund der Kostümierung als Jesus Christus, Spongebob, Micky Maus und Unsichtbarer kaum bizarrer hätte ablaufen können, zumal der Zehnjährige munter mitmischt und während der Flucht gleich zwei Knarren bedient.
So werden die Ganoven trotz oder gerade wegen ihrer Macken sympathisch eingeführt und auch der lockere Taxifahrer wird alsbald ins Boot geholt, da man sich im Kollektiv über die Undankbarkeit der Frau einig ist, was anschließend im Hexendorf natürlich eine entsprechende Bestätigung findet.

Allerdings wird das Tempo mit dem Erscheinen der Hexen deutlich herausgenommen, der Humor driftet zusehends ins Alberne ab und die Spannung ist bis kurz vorm Showdown relativ raus, da sich die eindimensionalen Abläufe stets wiederholen und erst zum Finale wieder an der Spannungsschraube gedreht wird, wo das Auftauchen der mutierten Riesenhexe den Höhepunkt skurrilen Treibens darstellt.

Der absurde Geschlechterkampf wird bei alledem mit allerlei Situationskomik und Wortwitz ausgetragen, die Darsteller machen ihre Sache ordentlich und auch der Score ist treffsicher, während die Optik besonders während der Action zur schlichten Trash-Note passt.
Doch obgleich gegen Ende einiges aufgeboten wird und ziemlich viele Komparsen mitmischen, geht mit dem Hexenzeug eine leicht nervige Note einher, da vor allem einige Rituale zuviel Zeit beanspruchen und diverse Ansprachen schlicht zu ausladend ausfallen, wodurch kleine Längen entstehen, welche man innerhalb der üppigen Laufzeit von 103 Minuten gut hätte straffen können.

Dennoch ist dem Spanier unterm Strich ein über weite Teile recht kurzweiliger Genremix gelungen, da die ersten Minuten sogleich packen und man demnach auch wissen möchte, wie es mit den Hauptfiguren weitergeht. Mit vergleichsweise wenig Blutvergießen, noch weniger nackter Haut, aber einer Menge schräger Vögel und bizarrer Erscheinungen dürfte der eigenwillige Stoff nicht jedem zusagen, doch wer die Werke von de la Iglesia seit "Perdita Durango" kennen und schätzen gelernt hat, nimmt diesen selbstverständlich auch mit.
6,5 von 10

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