Beim Titelzusatz "Zuhause ist da wo dein Herz ist" hätte man bereits skeptisch werden können, doch zunächst klingt alles nach einem Familiendrama mit spannender Ausgangsstellung über zwei sehr unterschiedlich veranlagte Schwestern. Allerdings katapultiert sich Darsteller und Autor Conrad Goode mit seinem Drehbuch dermaßen in den Vordergrund, dass der Stoff zusehends zu einer Schmonzette verkommt.
Die zehnjährige Cotton (Bailee Madison) kümmert sich in einem texanischen Provinznest um ihre kranke Mutter bis diese stirbt. Kurz darauf erscheint ihre ältere Schwester Sunny (Laura Bell Bundy), welche über Jahre versuchte, in Hollywood Fuß zu fassen. Sunny soll sich fortan um Cotton kümmern, doch nur widerwillig und mithilfe des Lebenskünstlers Butch (Conrad Goode) stellt sie sich der schwierigen Lebensumstellung...
Die ersten Minuten schüren eine gewisse Hoffnung, mit der Erzählung ein tiefgründiges Drama über Existenzangst, familiären Zusammenhalt und kämpferische Individuen vorzufinden. Cotton radelt durch die relativ menschenleere Gegend, gibt vergleichsweise reife Off- Kommentare zum Thema Hoffnung ab und landet schließlich bei Butch, der einen kleinen Stand an der kaum befahrenen Straße hat und titelgebende Postkarten zu verkaufen sucht. Die natürlichen Farben, die unauffällige Kamera und der zurückhaltende Score verstärken die positive Erwartungshaltung.
Doch die sensiblen Momente sind rar gesät und obgleich zwischen Cotton und Sunny einige goldige Momenten zu verzeichnen sind, ist die Grenze zum Kitsch stets fließend. Denn sobald Butch ins Spiel kommt und die Romanze unausweichlich erscheint, offenbart sich mehr und mehr die erzählerische Qualität auf dem Niveau eines Groschenromans mit allen dazugehörigen Klischees: Sunnys Ex fungiert diesbezüglich als kleiner Bösewicht und muss mehrfach zurückgewiesen werden, anbei versucht ein geldgieriger Patron die Bürger auszunehmen und die schlecht laufende Kneipe zu okkupieren, während Cottons Figur zusehends in den Hintergrund gerät und erst zum Finale wieder aus der Versenkung geholt wird.
Somit wird die eigentliche Stärke der Erzählung sträflich vernachlässigt und das vorhandene Potential weitgehend verschenkt, wobei die Romanze trotz einer eklatanten Wendung gegen Ende nur noch kitschig und trivial anmutet.
Da gleichen die durchweg souveränen darstellerischen Leistungen und die angenehm schnörkellose Inszenierung wenig aus und auch der gut abgestimmte Score vermag nur partiell eine Stimmung zu vermitteln, welche den gestrandeten Charakteren gleichkommt.
Mit latentem Fokus auf Cotton und Sunny wäre durchaus eine abwechslungsreiche Geschichte zwischen Melancholie und Zukunftsglaube drin gewesen, doch spätestens ab Mitte häufen sich naive Momente und weich gespülte Konfliktsituationen ohne Nährwert.
Was bleibt, ist ein angerissenes Familiendrama, eine von Schlichtheit umgebene Romanze und viel Schmuckloses innerhalb eines viel zu einseitig gestrickten Streifens.
4 von 10