Review

"Achtung! Gleich knistert's, denn Patrick steht unter Spannung..."

"Patrick kommt - mit 220 Volt Wechselstrom aus der Ewigkeit."

Besser kann man für einen Film doch nicht werben! Oder für eine Ausbildung zum Elektroinstallateur! Oder für Gleichstrom!

Apropos Elektriker und Vermackte: Handwerker und Psychologen sind sich einig: An manch lockerer Schraube ist eine abwesende Mutter Schuld! "Patrick", die uneheliche Sohn von Norman Bates und Carrie White, ist der eindrucksvolle Beweis dafür. Der Film hat es in einer Zeit VOR "Crocodile Dundee" geschafft, Australien mühevoll auf die Kinoweltkarte zu zerren. Einem immerhin kleinen Kultstatus hat das geistige Kind des Regisseurs Richard Franklin sich erarbeitet. Warum auch immer: mehr als Standardhorror bietet der Film trotz telekinetischer Prämisse nicht und die Sehne alle zwanzig Minuten vom Spannungsbogen zu nehmen und neu aufzufädeln hilft auf Dauer nicht.

Das bereits ahnend brach ich meine erste Sichtung bei der asozialen Froschszene ab und ließ dem Film erst keine faire Chance. Die bekam er dann in den letzten Jahren, als er mir bei einem Doppelfeature im Düsseldorfer Filmmuseum im Zweierpack mit einer knalligen Rolf Olsen - Okkultdoku hinterher geworfen wurde. Und da die Zweitfilme im Rahmen der dortigen "Mondo Bizarr2 - Reihe traditionell umsonst sind, nimmt man das doch gerne mit. Einige Male habe ich dort schöne Überraschungen erlebt, also auf ins Vergnügen.

Und direkt ist festzustellen: Patrick sollte eigentlich Kevin heißen. Nachdem die optische Personalunion aus Atze Schröder und Marty Feldmann in seinem abgedunkelten Jugendzimmer während einer gelungenen Splitscreeneinstellung dem Gebumse seiner Mutter mit Stiefvateranwärter Nr.8376 belauschen muss unterbricht dieser das Nacktgeschnacksel bei After Sex - Bad mit einem fliegenden Heizstrahler, der neben Mutter und Macker leider auch unseren Patrick aus dem Leben grillt. Oder fast.

In der Privatklinik des undurchsichtigen Dr. Roget vor sich hin vegetierend sein Schicksal fristend entwickelt Patrick ein außerordentliches und vor allem außerkörperliches Eigenleben, dass er fleißig zum Schachspielen mit dem alten Berufssoldaten aus dem Nebenzimmer und gelegentliche Flüge über das Krankenhausgelände nutzt. Als die frisch geschiedene Kathy Jacquard als neue Schwester in die Klinik kommt und promt zu Patrick abkommandiert wird kommen Folter, Mord und allgemeiner Spuk zum Repertoire des komatösen Psychopathen hinzu, der an Kathy einen ganz großen Narren gefressen hat und seine Mitbewerber ausstechen will. Gleichzeitig trachten diverse Klinikmitarbeiter dem jungen Telekineten nach dem Leben. Über das und viele andere Dinge weiß Patrick der älteren Kathy telekinetisch per Schreibmaschine zu berichten

Warum nochmal soll ich mit Patrick sympathisieren?! Der Kerl ist einerseits mehrfacher Mörder ohne Grund und alles andere als wehrlos, wovon gerade Kathys Lover und ihr Ex - Mann ein Lied singen können. Über diese Drehbuchlücke stolpert man nicht nur, man fällt hinein. Erst schreit alles und jeder im Cast nach Patricks Rettung vor der Euthanasie, dann wiederrum gibt man sich erleichtert, wenn SPOILER! unser geliebter PSI - Amokläufer am Ende doch den Löffel abgibt SPOILERENDE!, ein Umstand, den der deutsche Trailer uns in der ersten Minute zeigt.

Zum Glück erspart man uns dafür andere Peinlichkeiten wie beispielsweise Patrick tatsächlich zum Fenster hinaus levitieren zu lassen. Der Grusel beschränkt sich hier im wesentlichen auf selbstöffnende Türen und einige irrreale Morde mit in den Pool gesaugten Schwimmern und brutzelnden Opfern am blank liegenden Stromkabel. Ziemlicher Standard also, der dadurch seine Würze erhält, dass Patrick als bettlägeriger Todesgott jeder Zeit zuschlagen kann! Da steppt der Bär, da brennt die Hütte. Leider in beidseitiger Schrittgeschwindigkeit, denn der Schreckensmomente mag es mehrere geben, der Bodycount wiederrum gibt sich mit vier Leichen, darunter der Chefarzt der Klinik und die miststückige Oberschwester aus der Hölle.

Neben einigen kleinen Kamerahighlights ist Franklins Film nicht besonders kreativ auffällig, sieht man davon ab, dass surrende Neonschilder, funkensprühende Oberleitungen maroder Straßenbahnen und generell ungesunde Geräusche von sich gebende Kabel sich durch den Anfang ziehen und elektrisches Unheil verkünden. Abgesehen von der logischen Erklärung, warum der Bursche es so mit Strom hat kommt das elektrische Motiv also nicht ganz aus dem Nichts.

Dieser unfreiwillige Propagandafilm für die aktive Sterbehilfe macht aus seinem Protagonisten leider nichts: ebenso wenig, wie seine Gabe und deren Herkunft erklärt wird hat Patrick kein Motiv für den Initialmord des Filmes und ist inhaltlich genau so leer wie die aufgebahrte Hülle. Schade. Da gab sich zumindest das italienische Ripoff einen Hauch mehr Mühe als das Original und gab dem titelgebenden Psi - Psycho wenigstens die nötigste Prise Backround, büßte dafür aber auch an technischer Kompetenz und ernster Stimmung ein. Wer darauf wert legt bleibe besser beim Original.









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