Der animierte Kurzfilm "Der blaue Regenschirm" überrascht zunächst mit ungewöhnlichen Bildern. Extreme Detailaufnahmen eines verregneten Straßenzuges, geringe Tiefenschärfe und ein generell sehr filmischer Look lassen Realfilmaufnahmen vermuten. Hinter den beeindruckenden Bildern stecken allerdings Fotografien lebloser Gegenstände, die in der Nachbearbeitung animiert wurden. So werden Bordsteine, Ampeln und Häuser zum Leben erweckt. Eine Ausnahme stellen die Regenschirme dar, die eher klassisch animiert wurden. Dazu gesellt sich eine sehr realistische Licht- und Reflexionsanimation.
Rein konzeptionell erinnert Pixars Kurzfilm stark an "Im Flug erobert". Handlung und auch Erzählstruktur orientieren sich an dem Äquivalent. In beiden setzt sich das Thema Romantik durch und bezieht sich auf zwei Personen bzw. personifizierte Objekte. Wie üblich ist es Pixar überaus gut gelungen auch ohne Dialog Gegenständen eine Persönlichkeit zuzuweisen, auch wenn diese hier arg oberflächlich ist.
Während "Im Flug erobert" mit einem straffen Tempo und einigen witzigen Einfällen gut unterhalten kann, hält "Der blaue Regenschirm" keine erzählerischen Überraschungen bereit. Schön, aber nicht herzergreifend lernen sich hier zwei Regenschirme oberflächlich kennen, verlieren sich kurzfristig und finden final richtig zueinander. Auf Spannung und Humor legt der Kurzfilm keinen Wert.
In den wenigen Minuten schafft es "Der blaue Regenschirm" nicht eigene Akzente zu setzen. Dafür fehlt es ihm an einer spannungsorientierten Handlung, einer Moral oder einer außergewöhnlichen Charakterisierung. Nur in optischer Hinsicht bietet der Kurzfilm etwas, was kurzzeitig in Erinnerung bleibt.
3 / 10