Review

Hatte der empörte Kritiker des immer wieder gern zitierten Filmdienst den Film nach seiner Uraufführung im April 1960 noch als „...abzulehnendes, nicht mehr zu unterbietendes Schundprodukt" bezeichnet, so entlockt EIN TOTER HING IM NETZ dem Zuschauer von Heute kaum noch ein müdes Lächeln. Der auf einer jugoslawischen Insel gedrehte Film hat zwar, dank der Mitwirkung zahlreicher, zumeist leicht geschürzter Mädels, einen für die damalige Zeit relativ hohen Anteil an spekulativen Elementen, doch der Horror der „...in schlechter Absicht erfundenen Handlung" hält sich in sehr engen Grenzen. So stellt sich ein ums andere Mal Langeweile ein, besonders im mittleren Teil des Films, in dem es im Grunde nur um die wenig spannenden Aktivitäten der auf sich allein gestellten Gruppe von Menschen geht. Als ein Höhepunkt soll hier wohl der Cat-Fight zwischen Barbara Valentin und einem der anderen Mädchen angesehen werden, bei dem viel nackte Haut zum Vorschein kommt. Möglicherweise sah hier der schon zitierte Kritiker des Filmdienst auch den „...pornographischen Effekt" des Films, was immer das auch sein mag. Die einige Male kurz in den Film eingefügten Großaufnahmen von d'Arcy's Monsterfratze sollen bei den Zuschauern wohl das Gefühl einer ständigen Bedrohung, welche im Dunkeln der Insel lauert, wachrufen, doch aufgrund der insgesamt sehr unzulänglichen Dramaturgie, der es nicht gelingt einen nennenswerten Spannungsbogen aufzubauen, stellt sich dieses Gefühl in keiner Weise ein. Wie schrieb doch ein anderer zeitgenössischer Kritiker so treffend: „Wichtig sind allein die Schauwerte, welche die vollbusigen ‚Damen‘ und der entartete [!] Mann zu liefern haben." Wie wahr! So lassen die „vollbusigen Damen" dann auch keine Gelegenheit aus, sich für die Schaulust der Männer ordentlich ins Zeug zu legen (bzw. sich ihres Zeugs zu entledigen!) und mit ihren weiblichen Reizen zu spielen. Hier ist vor allem die Badeszene zu nennen, in der sich die Mädels im klaren Wasser einer Lagune tummeln. Bemerkenswerterweise ist ein Teil dieser Szenen in zwei Versionen gedreht worden, denn während die Mädels in der deutschen Fassung noch ihre Bikinis tragen, sind sie in der US-Version (It's Hot in Paradise) pudelnackt!
Der müde Showdown hat dann noch einige weitere Großaufnahmen des Monsters zu bieten, doch das war's dann auch. Allein die Szene, in der d'Arcy ins Moor taumelt, der untergehenden Sonne entgegen, vermittelt eine unheimliche Stimmung, wie man sie sich für den ganzen Film gewünscht hätte. Die von einigen französischen Kritikern gesehene „surreale Qualität" erreicht das Werk allerdings nur mit dem Bild eines in einem riesigen Spinnennetz gefangenen Mannes. Ansonsten sind die Bilder des Films doch eher an bekannten Horrorfilm-Stereotypen geschult und können kaum den Anspruch auf Eigenständigkeit für sich in Anspruch nehmen. So wenig innovativ wie es die Bilder sind, ist aber auch die Handlung des Films. So wird natürlich die hemmungslose Linda, eine Stripperin, die sich bereits nach wenigen Filmminuten in ihrer Unterwäsche präsentiert, einer, milde ausgedrückt, konservativen Moralvorstellung folgend, das erste Opfer des Monsters. Später, als die beiden Männer zu den Frauen stoßen, sagt die schüchterne Ann zu Joe: „Ein richtiger Mann interessiert sich nur für eine Frau." Robby dagegen amüsiert sich ungeniert mit den anderen Frauen, und nimmt auch Gladys, die sich in ihn verliebt hat, nicht ernst. Die Frauen sind für ihn wertlos: "Sie taugen alle nichts, eine wie die andere." Und so muss auch Robby am Ende für seine moralische Unbeherrschtheit mit dem Leben bezahlen.
Die Höhepunkte von EIN TOTER HING IM NETZ, über den Produzent Wolf C.Hartwig Jahre später sagte: „Wir wußten damals gar nicht, was wir da machten.", sind gewiss das werwolfartige Monster mit seinen drei langen Zähnen, von denen einer mitten im Oberkiefer steckt, sowie die putzige Riesenspinne, die mit ihren großen, glänzenden Augen und den tapsigen Bewegungen nicht gerade furchterregend wirkt. Die Darsteller agieren mehr schlecht als recht, und Barbara Valentin, die hier in ihrem dritten Film zu sehen ist, kann man in einer Duschszene hüllenlos bewundern, allerdings nur von hinten. Die Musik zum Film würde zudem auch in jeder drittklassigen Striptease-Bar ihren Zweck erfüllen.
Mit diesem Film bewies Wolf C.Hartwig, wie schon mit dem ebenfalls von ihm produzierten und ungleich besseren Die Nackte und der Satan, einen bemerkenswerten Geschäftssinn und ein besonderes Gespür für das, was das Publikum in Deutschland zu Beginn der 60er Jahre sehen wollte, hatte dieses doch nach den prüden 50er Jahren einen gewissen Nachholbedarf, was dergleichen Unterhaltung betraf. Die Verquickung von Horror und Erotik war in der vom Heimatfilm gebeutelten deutschen Filmlandschaft ein absolutes Novum und wurde von der Kritik entsprechend „gewürdigt" (s.o.). Zwar kommt in dem doch recht albernen EIN TOTER HING IM NETZ der Horror eindeutig zu kurz und die Erotik ist, zumindest aus heutige Sicht, mehr als banal, aber dennoch gebührt Wolf C.Hartwig die Ehre, mit diesem Film und besonders mit Die Nackte und der Satan für zwei genuine Horrorfilme aus deutscher Nachkriegsproduktion verantwortlich zu sein.
Was die Laufzeit des Films betrifft, so gibt es hier gravierende Unterschiede bei den jeweiligen Fassungen. Die deutsche Kinofassung, die von der FSK damals ab 18 Jahren freigegeben worden war, hatte eine Länge von 2223 Metern, was einer Spielzeit von rund 82 Minuten entspricht. Die von Kabel 1 ausgestrahlte Version läuft 79"21 Minuten und dürfte mit der Kinofassung identisch sein. Die deutsche DVD von Ostalgica hat eine Länge von 78"45 Minuten. Allerdings ist der Vorspann unvollständig. Es fehlt der Teil, in dem die Hauptdarsteller und der Name des Kameramannes genannt werden. Nach dem Filmtitel gibt es einen hörbaren Sprung, und es geht mit den technischen Stabangaben weiter. Vermutlich handelt es sich hier um einen Kopierfehler oder ein defektes Master. Die DVD-Fassung von Mill Creek (in der Chilling Classics Collection) ist mit 74"39 Minuten die kürzeste. Bei der DVD-Version von Something Weird Video, die 76"59 Minuten läuft, handelt es sich um die 1962 in den USA zunächst unter dem Titel It's Hot in Paradise veröffentlichte Fassung, die 1965 noch einmal, leicht gekürzt und unter dem Titel Horrors of Spider Island in die Drive-In Kinos kam. Das Bild der DVD ist exzellent, vor allem im Vergleich mit den anderen Fassungen und im Format 1:1.66, während alle anderen Fassungen im Format 1:1.37 abgetastet sind.

Hier noch eine kurze Zusammenfassung der Handlung:
Gary Webster, Manager einer Revue - Truppe, sucht zusammen mit seiner Freundin und Partnerin Georgia bei einer New Yorker Agentur neue Mädchen für eine Tournee durch Singapur aus. Er entscheidet sich für sieben Girls, die gut tanzen können und auch sonst seinen Vorstellungen entsprechen. Kurz darauf sitzen sie schon alle in einem Flugzeug nach Übersee. Aber über dem Ozean gerät das Flugzeug in einen Sturm und stürzt ins Meer. Wie durch ein Wunder überleben Gary und die Mädchen den Absturz. Tagelang treiben sie in einem Schlauchboot auf dem Wasser. Als das Trinkwasser knapp wird und sie schon fast alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben haben, entdecken sie plötzlich am Horizont eine Insel. Mit letzter Kraft erreichen sie das rettende Land. Halb verdurstet und völlig erschöpft fallen sie am Ufer in einen tiefen Schlaf. Später werden die Frauen von Gary aufgeweckt, der Wasser gefunden hat. Nachdem sich alle erfrischt haben, erkunden sie die Insel. Nach kurzer Zeit entdecken sie auf einer Lichtung eine Holzhütte. Als sie die Tür öffnen, bietet sich ihnen ein erschreckender Anblick: in einem riesigen Spinnennetz hängt ein toter Mann. Nachdem sie sich von ihrem Schreck erholt haben, bringt Gary die Leiche hinaus und begräbt sie. In der Hütte finden sie ein Tagebuch, aus dem hervorgeht, dass der Tote ein Professor war, der auf der Insel nach Uran gesucht hat. In der Abstellkammer der Hütte befindet sich noch ein Lebensmittelvorrat für etwa einen Monat. Während der kommenden Nacht findet Gary aufgrund der unangenehmen Hitze keinen Schlaf, und er durchstreift die nähere Umgebung der Hütte. Mit einem mal wird er von einer riesigen Spinne attackiert und in den Hals gebissen. Es gelingt ihm zwar noch, das Untier zu erschießen, doch dann sinkt er bewusstlos zu Boden. Als er wieder zu sich kommt, sind ihm monströse Krallen gewachsen und sein Gesicht ist zu einer behaarten Fratze mutiert. Entsetzt stürzt Gary in die Nacht. Am nächsten Morgen machen sich die Frauen auf die Suche nach Gary. Nur Linda bleibt bei der Hütte zurück. Hier wird sie von Gary angefallen und brutal ermordet. Noch am selben Tag treffen zwei Männer auf der Insel ein, die von den misstrauischen Frauen zunächst mit vorgehaltenem Revolver empfangen werden. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Joe und Robby Mitarbeiter des Professors waren. Als sie von dessen Tod und von Garys Verschwinden erfahren, können sie die Frauen mit der Nachricht beruhigen, dass in einigen Tagen ein Schiff die Insel ansteuern wird. Aus Erleichterung über diese Nachricht feiert die Gruppe eine ausgelassene Party. Dabei verliebt sich die schüchterne Ann in Joe, während Robby sich ausgelassen mit den anderen Mädchen amüsiert, die ihn eifersüchtig umgarnen. Später setzt sich Robby von der Party ab, um sich an einem ruhigeren Plätzchen mit Gladys zu vergnügen, die sich in ihn verliebt hat. Auf dem Weg dorthin wird er jedoch von Gary überfallen und getötet. Als Gladys die Leiche findet, taucht Gary erneut auf und hetzt die Frau über die Insel. Durch ihre Angstschreie werden Joe und die anderen Frauen auf Gladys aufmerksam, doch sie kommen zu spät: das Monster hat Gladys ebenfalls getötet. Dann wird auch Joe von Gary angegriffen, doch er kann sich in die Hütte flüchten. Dort findet er eine Fackel, die er entzündet und mit der er das Monster vertreiben kann. Joe verteilt nun an alle Frauen je eine Fackel und zusammen jagen sie das Monster in einen Sumpf. Dort versinkt Gary im Treibsand. Tags darauf legt das erwartete Boot an und bringt die Frauen und Joe wieder zurück nach New York.

FRITZ BÖTTGER (*1902),
der am 1.November 1981 verstarb und über den ansonsten nur wenig bekannt ist, war in den 50er Jahren (Co-)Autor von Drehbücher zu diversen Heimat- und Schlagerfilmen wie z.B. Epilog (50), Die Försterchristl (52), Liebe und Trompetenblasen (54), Bonjour Kathrin (56), Liebe, Jazz und Übermut (57), Das blaue Meer und Du (59), Verrückt und zugenäht (62) u.a. Neben EIN TOTER HING IM NETZ führte er nur noch Regie bei den Filmen Die Junggesellenfalle (52) und Auf der grünen Wiese (53). Begonnen hatte er seine Filmkarriere als Schauspieler in Filmen wie Männer müssen so sein (39), Achtung! Feind hört mit (40), Titanic (43), 0 Uhr 15, Zimmer 9 (50) u.a. Ein Toter hing im Netz blieb sein einziger Ausflug ins Exploitation-Gefilde.

ALEX D'ARCY
wurde 1908 als Alexander Sarruf in Ägypten geboren. In dem britischen Film „Champagne" gab er 1928 sein Debüt. Danach war er in französischen, amerikanischen und deutschen Filmen von sehr unterschiedlicher Qualität zu sehen, zumeist als Nebendarsteller. Er wirkte u.a. mit in A nous la Liberte (31), Topper Takes a Trip (38), How to Marry a Millionaire (53), The Festival Girls (62), Fanny Hill, Memoirs of a Woman of Pleasure (64), The St.Valentine's Day Massacre (67), Blood of Dracula's Castle (69) und Sam Fullers Tatort Beitrag Tote Taube in der Beethoven Straße (72).

DOROTHEE GLÖCKLEN
war zeitweise mit Produzent Wolf C.Hartwig verheiratet und trat in Filmen der 60er Jahre auch unter dem Pseudonym DOROTHEE PARKER auf. Sie war als DOROTHEE GLÖCKLEN zu sehen in Endstation Rote Laterne (60), ...und keiner schämte sich (60), Der Satan lockt mit Liebe (60), Die Insel der Amazonen (60), Flitterwochen in der Hölle (60), Das Mädchen mit den schmalen Hüften (61) und als DOROTHEE PARKER in Haß ohne Gnade (61), Zwischen Schanghai und St.Pauli (62), Der schwarze Panther von Ratana (62), Die Flußpiraten vom Mississippi (62), Weiße Fracht für Hong Kong (64), Die Diamantenhölle am Mekong (64) und Die Goldsucher von Arkansas (64).

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