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„Diese verdammte Hitze! Man weiß ja gar nicht mehr, was man tut!“

Gegen Ende der 1950er kam der eine oder andere deutsche Produzent auf die Idee, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, den Amis nachzueifern und kostengünstige Horrorfilmchen nach Vorbild der Drive-in-B-Movies zu produzieren – stand damit jedoch i.d.R. ziemlich allein auf weiter Flur. Eines der wenigen Zeugnisse dieses Unterfangens ist Regisseur Fritz Böttgers dritter (und letzter) Film, „Ein Toter hing im Netz“ aus dem Jahre 1960 – ein echtes Kuriosum, denn diese deutsch-jugoslawische Koproduktion erweckt darüber hinaus den Eindruck einer Proto-Sexploitation, setzt er doch weniger auf Horror und Grusel als vielmehr auf dralle Bienen in Bikinis…

Manager Gary Webster (Alexander D'Arcy) hat in New York ein Casting für Tänzerinnen anberaumt, die für eine Revue in Singapur benötigt werden. Es kommt indes weniger auf tänzerisches Talent als auf das äußere Erscheinungsbild der Damen an; je sexier und zeigefreudiger, desto besser. Die fesche Babs (Barbara Valentin, „Die Insel der blutigen Plantage“), die gar nicht erst wirklich zu tanzen braucht, komplettiert den Reigen der acht Mädels, die schließlich den Flug nach Singapur antreten. Doch das Flugzeug stürzt über der Südsee ab. Glücklicherweise kann man sich komplett inkl. Gary und seinem Assistenten erst in ein Schlauchboot und anschließend auf eine einsame Insel retten. Doch der paradiesische Schein trügt, denn in einer Hütte entdeckt man den titelgebenden Toten: Professor Green hängt leblos in einem riesigen Spinnennetz. Er hatte große Uranvorkommen entdeckt (was man schnell aus dem Fund eines Hammers schließt…) und fiel einer offenbar unter dem Einfluss von Radioaktivität mutierten Riesenspinne zum Opfer. Diese bleibt zunächst von den Gestrandeten unentdeckt, doch als sich Gary allein auf Erkundungstour begibt, wird er von ihr gebissen und verwandelt sich in eine Art Werwolf, der es auf die Hupfdohlen abgesehen hat…

„Heute Nacht wird getanzt, dass die Fetzen fliegen!“

Nein, ein unheimlicher Horrorfilm ist „Ein toter hing im Netz“ ganz sicher nicht. Dafür sieht die Riesenspinne zu drollig aus und treibt’s Alexander D'Arcy unter seiner Monstermaske und mit seinen Klauenhandschuhen nicht toll genug, beschränkt er sich doch aufs wenig spektakuläre Erwürgen einer der Damen. Dementsprechend hat er auch relativ wenig Leinwandpräsenz, denn viel lieber setzt Böttger seine Mädels in Szene, angefangenen beim schlüpfrigen Casting über ihr vergnügtes Baden in einer Lagune bis zum Tanzen in Dessous bzw. im Bikini. Dazwischen oder auch währenddessen flirten sie mit den beiden Assistenten des verblichenen Professors, die in einer Nussschale angeschippert kamen – einer von ihnen niemand Geringerer als Synchron-Legende Rainer Brandt! –, liefern sich untereinander einen Zickenkrieg oder gar einen handfesten Catfight und hinterlassen allgemein den Eindruck, als sei ihnen der Ernst der Lage alles andere als bewusst.

Lange Zeit besteht der Film dann auch nur noch aus dialogfreien Tanzszenen und Geknutsche mit den Männern. Zwar läuft der gute Gary bzw. das, was aus ihm geworden ist, gern oberkörperfrei herum, die Damen geben sich in dieser Hinsicht jedoch trotz allem züchtiger – wenngleich Überlieferungen zufolge Böttger tatsächlich entblößte weibliche Oberweiten gedreht haben soll, die der Zensur und der damaligen Prüderie zum Opfer fielen. Und selbst, wenn dem nicht so sein sollte, spürt man deutlich, dass Böttger gewollt hätte, hätte man ihn nur gelassen. Mit Sicherheit hätte das den Film ein wenig interessanter gemacht, denn in der vorliegenden Fassung ist er insbesondere aus heutiger Sicht nicht mehr (aber auch nicht weniger) als ein wahnsinnig trashiger und alberner Möchtegern-Nackedei-Film mit viel Leerlauf, kaum Horror (Achtung, Spoiler: Mutanten-Gary entledigt man sich kurzerhand, indem man ihn ins Moor treibt), dafür vielen Einblicken in die Unterwäsche- und Bikinimode der Saison und einem wildgewordenen Bläser-Score – vor allem aber Ausdruck damaligen prüden Zeitgeists, in dem bereits genau diese Mischung skandalträchtig anmutete sowie der niedliche, unbeholfene Versuch eines frühen deutschen Nachkriegshorrorfilmchens, der an US-Low-Budget-Reißer anzuknüpfen versuchte und diese in Sachen Naivität locker überbot.

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