Als "Horrors of spider island", so lernte ich den deutschen "Horrorfilm" von 1960 "Ein Toter hing im Netz" auf einer der für Entdeckungen berüchtigten Millcreek-Boxen aus den USA kennen. Und unbedarft nahm ich zuerst auch an, dass es sich hier um eine sehr billige Produktion aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch der unbegrenzten Geschmacksverirrungen handelt. Erst beim zweiten Blick identifizierte ich den Film als deutsche Produktion, bei der auch später namhafte Schauspieler (wie zum Beispiel Barbara Valentin) mitspielten.
Mit jazzigen Klängen beginnt der Film. Diese Art der Musik begleitet den Zuschauer durch den Film und ist mal unauffällig, mal unpassend, ab und an gar störend. Man sieht einen amerikanischen Schlitten vor einem Hochhaus anhalten. Der Fahrer betritt das Haus und begibt sich in einem der Stockwerke in ein Büro, wo gerade ein Casting für eine Show in Singapur stattfindet. Die Auswahlkriterien sind zunächst unklar, dann wird aber schnell deutlich, dass die sich bewerbenden Mädchen vor allem dem Produzenten der Show Gary gefallen müssen (und dieser achtet vor allem auf körperliche Reize). Nachdem die Gruppe zusammen ist macht man sich auf die Reise nach Singapur - leider scheinen hier die Außenaufnahmen durcheinander geraten zu sein - denn hier wird munter zwischen Ost- und Westküste der Staaten gewechselt. Da man wohl den deutschen bzw. den europäischen Markt im Blick hatte, ließ man solche lässlichen (lästigen) Details außer Acht. Die Maschine stürzt ab (einer der unglaubwürdigsten Abstürze, die ich bisher gesehen habe, zumindest in der Form unglaubwürdig, dass allein der Produzent und seine Mädels ihn überleben und auf eine einsame Insel retten können). Hier finden sie zuerst einen Hammer mit langen Stil, was sie sofort darauf bringt, dass auf der Insel Uran gefördert wird. In einer Hütte hängt dann ein Toter in einem großen Spinnennetz (der deutsche Verleihtitel hält also, was er verspricht). Bis hier hin durften die Frauen schon ihre Rolle mit Kreischen und Jammern gut ausleben, jetzt dürfen sie sich im "Schutz" der Hütte auch unter dem Vorwand sich zu waschen, ausziehen und wenn auch nie ganz nackt von vorn, zumindest in allerlei Badekostümen vor der Kamera posieren.
Gary, man kann es verstehen, läuft dabei bald das "Wasser im Mund zusammen". Er kommt aber nicht dazu, seine Position als einziger Mann auf der Insel auszunutzen, verwandelt er sich doch nach einem Biss von einer großen, aber mit ihren großen Augen putzig anmutenden Spinne in ein Monster. Damit die Frauen nicht alleine mit dem Garymonster bleiben, tauchen jetzt zwei weitere Männer auf, die freudig überrascht sind, so viele Frauen anstatt des von ihnen zu beliefernden Professors vorzufinden. Da der Film nicht so lang ist, folgt hier schon bald der Showdown, der ein wenig an die Monsterjagd in "Frankenstein" erinnert.
Für die männlichen Hauptrollen importierte man B-Mimen aus den Vereinigten Staaten (so z.B. Alex D'Arcy). Sie aber auch die weiblichen Schauspielerinnen spielen überwiegend hölzern und wenig überzeugend, wenngleich das Drehbuch hier auch nicht viel hergibt. Auch die Regie von Fritz Böttger will nicht so recht überzeugen, an einigen Stellen wäre auch zu dieser Zeit und ggf. auch in dem finanziellen Rahmen mehr möglich gewesen.
Überzeugt haben mich an diesem Film allein die putzigen Spinnen und das Monster-Make-up. Ansonsten spricht es Bände, dass ich beim Anschauen des Films dreimal eingeschlafen bin, was nicht allein am matschigen Bilder Millcreek-Fassung oder an der Musik gelegen hat.
Überrascht hat mich die englische Sycronfassung, na ja, vielleicht lags auch an der, ich werde Film eine zweite Chance geben, sollte ich mal das deutsche Original in die Hände bekommen.