Manche Sachen muss man ja irgendwann einfach besprechen, weil sie eben kurios genug sind, um trotz qualitativer Defizite einfach ignoriert zu werden.
Dazu zählt sicher auch Deutschlands einziger Beitrag zum Monsterkino der 50er, wobei wir hier den monströsen Fiesling sogar gleich mit den tödlichen Krabbeltieren gekreuzt sehen. „Ein Toter hing im Netz“ ist gleichzeitig so typisch und so untypisch für die Zeit und die Mode, dass sogar die Amis mit Trashreferenz davon Kenntnis genommen haben.
Es war übrigens nicht der erste Horrorversuch aus Nachkriegsdeutschland, hatte man mit „Die Nackte und der Satan“ doch im Jahr zuvor schon mal einen Versuch mit Kopftäuschen gemacht, doch jetzt sollte auch mal das Monster Amok laufen.
Obwohl, naja, ganz so wie gewünscht fiel das Ergebnis dann doch nicht aus, vielleicht auch, weil das Drehbuch offenbar von einer unmotivierten Dose Grünkohl geschrieben wurde, angetrieben von der Anweisung die Reize der weiblichen Darstellerinnen möglichst filmfüllend in Szene zu setzen. Also bestrumpfte Beine, wo es nur geht.
Also los: Gary Webster hat hat eine Modelagentur, reichlich Selbstbewusstsein, eine tatkräftige Assistentin und ölig ist er auch noch. Das reicht aus, um für einen Tanzjob in Singapur alle Mädels bei sich antraben zu lassen, die schon mal einen Fuß vom Boden gehoben haben: Showtänzer, Paartänzer, Revuetänzer, Striptease-Kenner und sogar eine Balleteuse, die seltsamerweise bei der Vorstellung nacheinander erstmal zwei Minuten des Film gekonnt vortanzen darf, dann aber gar nicht genommen wird, weil das ja der falsche Stil ist.
Im Anschluss reist der ganze zickige Bums per Flugzeug über den Pazifik, stürzt aber leider dabei im Sturm ab. Doch die Mädels und Gary überleben wie durch ein Wunder und retten sich per Boot auf eine abseitige Insel. Nachdem Gary die nassen Säcke Weiblichkeit erstmal irgendwo im Sand deponiert hat, findet er am nächsten Tag sogar noch Wasser für sie und dann dürfen sich alle auf ihren unpraktischen Schühchen auf den Weg ins Inselinnere machen.
Und siehe da: es gibt sogar ein paar Häuser auf der Insel, offenbar eine Forschungsstation.
Der dazugehörige Forscher hängt allerdings tot in einem übergroßen Spinnennetz in seinem Büro.
Wobei: hängen wäre zu viel gesagt, denn das Ding sieht aus wie aus Wäscheleinen geknüpft und keineswegs tragfähig, weswegen der Tote auch mehr oder minder daran lehnt.
Nach allerlei Huch und Kreisch kommt aber erst das Fressen, dann die Moral und offenbar sind noch ein paar Vorräte da. Also abnehmen den armen Kerl und sich über den Konserven mal wieder in die Haare bekommen.
Derweil bringt sich der Übeltäter aber schon mal in Stellung, denn irgendwo in einem hohlen Baum nördlich von Emden wohnt die gemeine…ja…äh…Äffchenspinne?
Okay, das Vieh ist weder eine richtige Spinne noch ein richtiger Affe, aber es hat Teile von beiden, also sechs Krabbenbeine und zwei kleinere Händchen, Spinnenaugen, aber Primatengesichtszüge…es ist jedenfalls total evil, glaubt mir das doch einfach mal. Und als Gary irgendwann eine schmöken geht, lässt er sich das Tierchen von hinten um den Hals legen. Haps, macht das fiese Vieh und bevor Gary es erschießt, schlägt das Gift schon zu. Anstelle nun aber tot umzufallen oder sich an ein anderes netzähnliches Dings zu lehnen, beginnt Gary munter zu mutieren, ein paar ungefähre Spinnenhauer auszubilden und flauschigen Gesichtswuchs anzusetzen, so dass er wie der Insektokumpel vom Wolfsmenschen ausschaut. Dann rennt er fortan durch den Palmentann, um gelegentlich in den nächsten vier Wochen nach einem Mädel zu haschen. Was er sonst so macht, Patiencen legen, sich mal rasieren oder Masturbation mit Kokosnüssen, erfahren wir nicht, aber er beschwert sich auch nicht vor Langeweile. Er ist schlicht zwischendurch nicht da.
Bei den Mädels ist inzwischen die Stimmung heikel, was zu Zoff, Rumlaufen in Unterwäsche und Schwimmen unbekleidet führt. Zum Glück taucht dann das Nachschubboot von Joe und Robby auf, die dem Prof neue Spachtelmasse und Hochprozentigen bringen wollen, aber danke der Gezeiten oder so noch ein paar Tage auf der Insel verbringen müssen. Da noch ein halbes Dutzend Mädels lebt, eine tolle Sache, da kann man sich mal so, mal so vergnügen, bis die Mädels untervögelt und unterbewäscht in den Catfight gehen.
Auftritt Wolfsmensch Gary, der immer so vorsichtig vorgegangen ist, dass die Mädels ihn zwar vermisst haben, aber ihn nicht für tot halten. Bis die Geschreckten den Spieß umdrehen…
In diesem rudimentären Plotgemenge sind dann auch über die volle Länge mehr Löcher als in einem Spinnennetz und alle aufzuzählen, macht ja auch den Spaß kaputt. Aber Schirmherr Wolf C. Hartwig wusste schon, was er von der Produktion wollte: Sex! Also gibt’s Gezerre und Gefummel, nackte Füße, nackte Beine und hier und dann auch mal Strümpfe und Strumpfbänder. Ganz gewitzt wird dann auch noch mal die eine oder andere Frauenbrust gelüftet, bis das Geschehen in dem finalen Catfight kulminiert. Ein Fest für Fetischfreunde der klassischen Bauart.
Tatsächlich sind die Mädels auch ganz gut ausgesucht und provozieren nicht durch zu viel fehlendes Talent. Speziell Barbara Valentin, die damals 19 war und einen Typus spielt, der offenbar schon jede Hafenspelunke durchgeritten hat, sticht ein wenig heraus, auch wenn ihre Rolle nicht die größte und intelligenteste ist. Aber das kann man auch nicht von Synchronlegende Rainer Brandt sagen, der hier in einer seiner frühen Schauspielrollen den Matrosen Robby gibt.
Leider tut er das nicht mit seiner gewohnten Stimme, aber eine kohärente Fassung dieses Films zu finden, verlangt auch ein wenig Arbeit, denn jedes Land strickte sich seine eigene Fassung, mal mit mehr oder weniger Sex (oder ganz ohne), mal mit ein wenig mehr Gruselfeeling. Im Netz kreisen subsummierte Mischfassungen, die in englisch „dubbed“ sind, aber streckenweise deutsche Filmteile aufweisen, die nie synchronisiert wurden.
Was es sonst noch – zu wenig – gibt, ist Horror, wie er in der US-Fassung „The Horror of Spider Island“ versprochen wird. Zeitweise vergisst die Regie gänzlich, dass das ein Monsterstreifen ist und präsentiert einfach nur Mädels, die mal mit Joe oder mal mit Robby rummachen. Also, ganz züchtig natürlich.
Dazwischen gibt’s einige Dialoge des Grauens und Entscheidungen des Todes, aber irgendwie ist das alles ganz niedlich und amateurhaft gemacht, aber nicht unsympathisch.
Wer aber einen spannenden Streifen oder einen ausgesprochenen Exploiter erwartet, wird enttäuscht, das weist die Produktion nur in einer embryonalen Färbung auf, wurde aber zumindest überwiegend on location (also in Italien, es ist deutlich eine mitteleuropäische Vegetation) und nicht nur in Pappkulissen im Studio gedreht. Kuriose 3/10.