Die etwa 14jährige Maryann (Natasha Calis) zieht aufs Land zu ihren Großeltern, nachdem sie ihre Eltern bei einem tödlichen Unfall verloren hat. Das aufgeweckte Mädchen langweilt sich in der Einöde und entdeckt beim spazieren gehen in einem benachbarten Haus einen etwa gleichaltrigen, an den Rollstuhl gefesselten Jungen: Andy (Charlie Tahan) lebt in seinem kleinen Zimmer im Erdgeschoß des elterlichen Hauses und hat außer einigen Maispflanzen vor seinem Fenster nur ein paar Computerspiele, um sich die Zeit zu vertreiben. Maryann steigt kurzerhand durchs Fenster ins Zimmer und die beiden freunden sich schnell an. Doch Andys dominante Mutter Dr. Katherine Young (Samantha Morton), eine Ärztin, die ihren Sohn selbst versorgt, möchte nicht daß ihr kranker Sohn Freundschaften pflegt - sie zeigt sich äußerst reserviert gegenüber Maryann und besucht sogar deren Großeltern, um ihr den Umgang mit ihrem Sohn untersagen zu lassen. Andys Vater Richard (Michael Shannon), ein zurückhaltender Krankenpfleger, der nur noch pro forma mit Katherine zusammenlebt und eine Freundin außerhalb hat, kann sich gegen seine Frau nicht durchsetzen. Eines Tages besucht Maryann trotz des Verbots Andy, als die Eltern abwesend sind - bei deren Rückkehr kann sie sich gerade noch rechtzeitig im Keller verstecken und entdeckt dabei ein düsteres Geheimnis...
Die US-Produktion The Harvest - Haus des Zorns baut behutsam ein Szenario auf, dessen Protagonisten genügend Zeit für eine charakterliche Entfaltung gegeben wird. Bis die Story Fahrt aufnimmt, vergeht eine gute halbe Stunde, in der man sich über die Zornausbrüche der Mutter nur wundern kann - Samantha Morton spielt ihren Part der alles kontrollieren wollenden, jähzornigen Mutter sehr überzeugend: Eine durch und durch hassenswerte Frau. Nicht minder überzeugend Kinderdarsteller Charlie Tahan, der dem antriebsgestörten, schwerkranken Buben in beeindruckender Weise Authentizität verleiht: Man fühlt mit ihm, wie er sich nach einem lebendigen Gesprächspartner sehnt und unter der mütterlicherseits verordneten Isolation leidet. Deren Bosheiten nehmen im Lauf der Zeit ein fast schon unerträgliches Maß an, wenn sie zur Strafe(!) in Andys Zimmer dessen Kindertapete weiß streicht, seine Computerspiele in den Müll schmeißt oder das Fenster zuschraubt, damit die heimlich immer noch Kontakt haltende Maryann nur ja keine Möglichkeit mehr findet, ins Haus zu kommen. Als ein stets um Ausgleich bemühter Vater kann Michael Shannon nichts dagegen tun, manchmal hat man auch den Eindruck, er will gar nichts tun. Der nur in einer Nebenrolle auftretende Peter Fonda als Maryanns gütiger Großvater hat dagegen viel zu wenig Screentime, um entscheidend ins Geschehen einzugreifen. So obliegt es schlußendlich der "Abenteuerlust" von Maryann, die wenig erfreulichen Verhältnisse zu ändern.
Nebenbei wirft der Film auch die moralische Frage auf, wie weit elterliche Liebe gehen kann - oder darf.
Das viel eher als Psycho-Drama denn als Horrorstreifen zu bezeichnende Haus des Zorns (das Geheimnis im Keller hat absolut nichts mit Geistern, einem alten Fluch o.ä. zu tun) baut somit bis zuletzt einen dezenten Spannungsbogen auf, endet erwartungsgemäß in einem emotional aufwühlenden Finale inklusive kleinem Twist, beantwortet aber nicht alle Fragen, die sich dem interessierten Zuschauer im Laufe des Films aufgedrängt hatten - dennoch ein kleiner aber feiner Psycho-Thriller: 7 Punkte.