Review

"Wenn es einen meiner Filme gibt, den ich am wenigsten hasse, dann diesen hier!" Mit diesem Statement nimmt Jess Franco allen Kritikern den Wind aus den Segeln, die ihm immer wieder unterstellen, ein talentloser Trivialfilmer zu sein. Gleichzeitig stapelt der Mann ungemein tief, denn "De Sade 70" ist ein echtes Meisterwerk des europäischen Erotik-Kinos geworden.

Die Story wurde schon an anderen Stellen ausführlich erzählt und dass der Streifen auf "Philosophy in the Boudoir" von Marquis de Sade basiert, hat sich ebenfalls rumgesprochen. Dennoch erhält die Filmversion eine uneingeschränkte Empfehlung, zumal Franco hier eines seiner schönsten, melancholischten, wenngleich auch verstörendsten Werke abgeliefert hat.

"De Sade 70" sorgte bei seiner damaligen Kinoauswertung für allerhand Kontroversen, ist aber aus heutiger Sicht eher harmlos. Trotzdem versprüht der Streifen einen ungemein lebendigen 1970s-Zeitgeist. Die wunderbare Fotographie oder die tollen Locations machen den Film zu dem zu einem optischen Leckerbissen. Natürlich auch die beiden großartigen Hauptdarstellerinnen Marie Liljedahl und Maria Rohm, die in einpaar sehr pikanten Szenen zu sehen sind. Die Erotik selbst ist stilvoll, mitunter weichgezeichnet, bisweilen mit sehr subtilen Anspielungen, am finalen Climax sogar recht brutal - ohne allzu graphisch zu sein. Franco schafft es ohne spekulative Schauwerte einen Film zu kreieren, der durch seine dichte Atmosphäre konstant bindet und bis zum Schluss unterhält.

Lediglich Christopher Lee, der ganze zwei Tage am Set war, hatte sich später von "De Sade 70" losgesagt - obwohl es hier nichts gibt, wofür er sich hätte schämen müssen. Auch wenn gegen Ende die eine oder andere Szene ziemlich bizarr rüberkommt, so ist das Gesamtwerk doch mehr als beeindruckend. Daher auch die Höchstwertung. Pflichtprogramm für alles Fans des gepflegten Euro-Sleaze!

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