"Gerechtigkeit ist was ich suche."
Im Jahre 1869 treibt der Magnat Latham Cole (Tom Wilkinson) den Bau der transkontinentalen Eisenbahn in Texas voran. Als Abschreckung vor Verbrechen will er ein Exempel statuieren, indem er den Kriminellen Butch Cavendish (William Fichtner) in Colby hängen lässt.
In einem Zug wird nicht nur Cavendish gefangen gehalten, sondern ebenso der Komantsche Tonto (Johnny Depp). Auch der Anwalt John Reid (Armie Hammer) befindet sich im gleichen Zug, der nach Jahren in seine Heimat zurück kehrt. Bei einem Überfall werden jedoch Cavendish und Tonto befreit.
Bei der folgenden Verfolgung einiger Ranger ist auch John mit seinem Bruder dabei. Bei einem Hinterhalt werden jedoch sämtliche Gesetzeshüter von Cavendish's Bande erschossen. Nur John geht bewusstlos zu Boden. Als Tonto alle beerdigen will, wacht John wieder auf. Er verlangt nach Rache für seinen getöteten Bruder, glaubt aber so sehr an das Gesetz, dass er Cavendish mit der Hilfe seines ungleichen Komantschen-Partners vor ein Gericht bringen will. Um seine Identität zu wahren reist er fortan als maskierter Lone Ranger durch den Westen.
Die Figur des Lone Ranger ist für die US-Amerikaner ein alter Hase. Bereits 1933 hatte sie erste Auftritte im Radio-Programm. Es folgten eine sehr erfolgreiche und langlebige TV-Serie sowie zahlreiche Kinofilme.
Hierzulande ist der Lone Ranger nahezu unbekannt. Die Verfilmung von Gore Verbinski ("The Weather Man", "Rango") soll dies ändern, verfolgt sie doch das gleiche Konzept, wie die "Fluch der Karibik"-Reihe. Allerdings will das hier so rein garnicht funktionieren.
Indianer, Schienenbau, Salons, Freudenmädchen, Korruption, Schatzsuche, Verbrecherbanden, heftige Schießereien. Dies sind einige übliche Komponenten des Westerns, die sich auch in "Lone Ranger" wiederfinden. An sich eine Mischung, die bislang überwiegend funktionierte. Tatsächlich wirkt die Anneinanderreihung dieser Komponenten hier jedoch extremst abgedroschen.
Oft ist der Film einfach zu überfrachtet. Viele Nebenhandlungen werden eröffnet aber nie komplett ausgereizt. Was in "Fluch der Karibik" noch leichtfüßig und durchaus passend erschien, wirkt in "Lone Ranger" holprig, undurchdacht und wie am Reißbrett entworfen. Spannung entwickelt sich nie, denn die Geschichte bleibt durchgehend sehr vorhersehbar.
Ein weiteres Problem ist, dass der Film nie einen kohärenten Erzählton entwickelt. Der Genre-Mix aus Action, Komik, Klamauk und Drama ist zwar gut gemeint, aber man hat hier den Eindruck, dass sich die Filmemacher nie einigen konnten, was "Lone Ranger" eigentlich werden sollte. An manchen Stellen ist der Film wie ein ernsthafter Western inszeniert, dann aber wieder versucht man mit den üblichen "Fluch der Karibik" Mätzchen zu punkten, um schlussendlich auch noch wilde Achterbahnfahrten an Actionszenen und unglaubwürdige Gefühlsduselei drauf zu packen. Das Ganze wirkt schlussendlich wenig homogen.
Die zahlreichen Versuche durch Blödeleien und überzogene Action dem Publikum ein Grinsen abzugewinnen, gelingen nur selten. Zu viele Logiklücken, Ideenlosigkeit und der Griff zu altbekannten Gags langweilt eher als zu unterhalten.
Wirklich gut gelungen ist hingegen die visuelle Ebene des Films. Die Bilder, die aus dem Wilden Westen herausgekitzelt werden, sind beeindruckend detailverliebt. Der Aufwand an Kostümierung ist enorm und auch die Effekte sehen tadellos aus. Zumindest Dank der markanten Musik von Hans Zimmer entsteht so eine tolle Atmosphäre.
Zugpferd Johnny Depp ("Alice im Wunderland", "Public Enemies", "From Hell") variiert seinen kultigen Captain Sparrow nur unwesentlich und stülpt seine mittlerweile eingefahrenen Piraten-Manierismen auch Tonto über. Dies mag zwar ab und an belustigen, mittlerweile ist diese Variation aber nicht mehr seinen Fähigkeiten entsprechend. Armie Hammer ("The Social Network") wirkt in seiner Hauptrolle sehr fade.
Auch in den Nebenrollen finden sich bekannte Gesichter, wie Tom Wilkinson ("Der Patriot"), William Fichtner ("Drive Angry", "Equilibrium"), Helena Bonham Carter ("Dark Shadows", "Fight Club") sowie Barry Pepper ("The Green Mile", "Sieben Leben"), die nur zweckmäßig schauspielern.
"Lone Ranger" taumelt unentschlossen und ohne Balance zwischen gähnendem Humor, verkorkster Spiritualität, versuchter Ernsthaftigkeit und übermäßiger Brutalität. Verbinski findet nie die richtige Mischung und so fehlt dem Film das erzählerische Gleichgewicht. Auch die Actionszenen kommen nicht über ein gefühltes Mittel drüber. Dafür sind die Bilder wie üblich grandios und der Soundtrack stimmungsvoll. Der lockere Charme von "Fluch der Karibik" ist trotz des gleichen Konzepts nicht mehr spürbar. Sehr knappe ...
4 / 10