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Selbstlose Seelsorger, hoffnungsvolle Helden


„Short Term 12“ ist der perfekte US-Indie-Darling - mit mittlerweile riesigen Namen, damals noch in erweiterten „Kinderschuhen“, mit wenig Budget aber viel Herz, einer auf dem Boden gebliebenen Geschichte und absolut real wirkenden Figuren. Einfach gutes Geschichtenerzählen auf ganz kleinem, intimem Niveau - und das sind ja oft die Stories, die das Leben schreibt und die uns am meisten mitnehmen, die am nachvollziehbarsten und verlässlichsten sind, die die größten Emotionen in uns auslösen. „Short Term 12“ ist dafür ein sehr gutes Beispiel, selbst wenn ich in dem sehr persönlichen Drama jetzt nicht den Überfilm sehe, wie viele andere bei seinem Release. Dennoch ist er definitiv ein sehr effektives und erstaunlich sogartiges Drama über die Ups und Downs, das Gute und das Schlechte, das Streicheln und die Schläge des Lebens. Eine in sich ruhende Collage, die dich niederringt und wieder aufbaut. Mehrmals. 

Wie folgen ein paar Erziehern und Aufpassern in einem Heim für schwer zu handelnde Teenager mit zum Teil massiven psychologischen und familiären Problemen. Und dabei haben natürlich auch die Betreuer selbst ihre eigenen Herausforderungen, Dämonen und Schwierigkeiten, die das Leben keinem erspart... Jeder, der Brie „Captain Marvel“ Larsen mittlerweile nicht mehr sehen kann, sollte sich (nochmal) „Short Term 12“ ansehen. Hier ist sie absolut umwerfend, kraftvoll und überbordend mit Talent. Danach weiß man sofort wieder, warum ihr schon damals völlig berechtigt eine große Zukunft vorausgesagt wurde. Aber alle Darsteller machen ihre Sache hier extrem gut, unter ihnen auch nun enorm bekannte Gesichter wie etwa Rami Malek. Das Setting ist unverbraucht, optisch vielleicht etwas trist und immergleich, aber emotional enorm abwechslungsreich, vielseitig und fordernd. Schön, dass solche sich aufopfernden Sozialarbeiter mal gewürdigt werden. Das Ganze hat einen leicht dokumentarischen, sehr direkten Anstrich, der Score ist leise aber wuchtig (passend zum Rest) und man merkt an jeder Ecke, dass wirkliche Erfahrungen, Stories und wirkliche Leidenschaft des Regisseurs mit eingeflossen sind. Alles vibriert, alles scheint echt, greifbar und grundehrlich. Kitschig oder melodramatisch ist hier so gut wie nichts. Und damit ist es Anti-Hollywood per excellence und eine frische Brise aus Übersee. 

Fazit: ruhig, einfühlsam, intensiv, menschlich - „Short Term 12“ bietet einige mittlerweile große Stars in frühen Stadien ihrer Karriere und ihres Talents, eine geerdete Regie, ein tiefgehendes Thema und einen wahren Wirbelsturm der Gefühle. Leise Leiden, stumme Schreie, heilende Hilfe. 

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