Paul Verhoevens siffiger Mittelalter-Streifen "Fleisch und Blut" der zwei Jahre vor dem grandiosen "Robocop" entstand, zeugt von der neu eingeschlagenen Machart des Holländers: Sex & Gewalt, zwei Faktoren die seine folgenden Filme zeichnen sollten. Hier jedoch ist der Gewaltanteil noch gemäßigt, wenn auch die gesamte Atmosphäre sehr dunkel und mies ist. Vielmehr sind es die zahlreichen Vergewaltigungen die die Kritiker aufschrien ließen und einen großen Anteil im Film einnehmen. So war es halt im Mittelalter - "take what you can get" - ohne Rücksicht auf Verluste. Das Fußvolk hat nichts zu melden, die Pest holt sich ihre Opfer, Leiber werden durchbohrt; es war halt nicht ohne. Verhoevens Darstellung des Mittelalters darf daher zu den realistischeren Filmen gezählt werden, wenn auch manche "futuristische" Idee wie der Raketen-Speer oder die ausziehbare Zugbrücke ein wenig zum Lächeln anregen. Aufgrund des Forscherdrangs des jungen Edelmannes Arnolfini jedoch gut verpackt. Dessen Vater bringt einen Haufen Soldaten - unter ihnen Martin (Rutger Hauer) - um ihren Lohn, diese rächen sich mit der (unfreiwilligen) Entführung der zukünftigen Gemahlin des jungen Prinzen. Das dies zu Konflikten und Kopfverdrehern führt ist absehbar, die passablen Darsteller (insbesondere Rutger Hauer und Jennifer Jason Leigh sind positiv zu erwähnen) machen das beste daraus die manchmal etwas langatmige Story zu füllen. Insgesamt wird man aber gut unterhalten, da Kostüme und Kulissen (echte Burgen) stimmen und so den siffigen Flair der damaligen Zeit gut einfangen. Gewaltmäßig hält sich Verhoeven noch etwas zurück, den ein oder anderen Effekt gibt es zu sehen, die Schwertkämpfe sind aber leider unblutig ausgefallen; Gemetzel wie bei "Braveheart" gibt es trotz des Titel nicht zu sehen. Die Atmosphäre stimmt wie gesagt, doch manchmal dürfte der Spannungsbogen etwas weiter gespannt sein; in der letzten halben Stunde wird man dann für manche Länge etwas entschädigt. Hier werden dann einem auch die meisten F/X geboten und Kameramann Jan de Bont fängt die pestbehangenen Bilder sehr stimmig ein, welche von dem schönen Score Basil Poledouris ebenfalls atmosphärisch dicht untermalt werden.
7,5