kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 31.03.2014
Nur einem Paul Verhoeven verzeiht man das dermaßen unverfrorene Scheißen auf historische Einordnung. „Flesh & Blood“ ist eine verflucht unterhaltsame Angelegenheit, versteht sich aber nicht als historische Aufarbeitung, sondern ist eher am mittelalterlichen Setting per se und der Gruppendynamik der Hauptfiguren interessiert, die gemeinsam durch die Lande ziehen und Verhoevens Arbeit zur Abenteuerreise machen. Dabei wird streng genommen selbst die Charakteranalyse eher ausgeschlachtet als ernsthaft betrieben; dass sich ein vergewaltigtes Mädchen etwa in die Situation hineinsteigert, den Spieß einfach umdreht und plötzlich selbst die Zügel in der Hand hält, ist wohl eher einer Fantasie zuzuschreiben als einer fundierten psychologischen Ausarbeitung der Figuren, aber gerade solche Momente tragen enorm zum Unterhaltungswert bei, wahrscheinlich auch, weil Verhoeven einmal mehr den menschlichen Trieb zur monströsen Ausartung stilisiert – nicht etwa, um sie zu verurteilen, sondern um sie wieder ins Bewusstsein des zivilisierten Menschen zu befördern. Das Mittelalter dient Verhoeven an dieser Stelle als ideale Kulisse, bietet es ihm doch reichlich Gelegenheit, Nacktheit, Gewalt und Perversion zu illustrieren, wobei „Flesh & Blood“ in allen Kategorien zwar explizit ist, nie allerdings voyeuristisch.
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