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West Europa, 1501: Martin und seine Söldner überfallen einen Wagenzug und erbeuten dabei Kleider, Schmuck – und eine hübsche Frau, die eigentlich dem jungen Grafen Arnolfini versprochen ist. Und da die Söldner mit dem alten Grafen noch eine Rechnung offen haben liegt es natürlich nahe das Mädchen erstmal zu behalten und dann weiterzusehen. Man dringt in eine Burg ein, metzelt die Bewohner, und richtet sich für den Winter ein. Problem Nummer 1: Der junge Arnolfini ist ein rachsüchtiger Graf und will seine Braut unbedingt wiederhaben. Problem 2: Der junge Arnolfini ist nicht auf den Kopf gefallen, und führt den Krieg nach seinem Vorbild Leonardo da Vinci. Problem Nummer 3: In der Burg hat es noch einen weiteren, unsichtbaren, Mitbewohner: Die Pest …

Mal wieder so ein Film, wo die Unsympathischen am Schluss von dannen reiten und die Sympathischen alle tot sind. OK, so richtig sympathisch sind die Söldner nicht, aber denen würde man sich wahrscheinlich eher jederzeit anvertrauen als irgendeinem Gangsta-Rapper. Leider ist halt „dank“ der US-amerikanischen Produzenten ein völlig überflüssiges Liebespaar im Film enthalten, dass zuerst  eine Menge Screentime und am Schluss auch noch ein Happy End bekommt. Was ich nicht wirklich goutieren kann, wenn das rachsüchtige Arschloch mit der falschen Schlange in den Sonnenuntergang reitet, während der aufrechte Recke den Hinterausgang nehmen muss.
Was da auch durchschimmert ist eine gewisse Unzufriedenheit mit der Charakterisierung der Personen. Die einen sind raue Gesellen, aber arm, edel, hilfreich und gut. Die anderen sind reiche, arrogante, rachsüchtige und blöde Arschlöcher. Ein wenig mehr Grautöne hätten den Figuren, und damit auch dem Film, sicher gut getan. Diese Hollywood-Personae, über der dann auch noch ein ziemlich bombastisch-erdrückender Orchestersound liegt, geht mir ehrlich gesagt ziemlich am Arsch vorbei und schmälert leider den überwältigenden Eindruck der Bilder und der Settings. Somit insgesamt eine recht zwiespältige Sache mit dem reichlich vorhandenen Fleisch und dem nicht ganz so reichlich vorhandenen Blut. Zur Unterhaltung taugt es allemal, aber wenn ich einen düsteren Historienfilm sehen will greife ich immer noch am liebsten zu Schlöndorffs MICHAEL KOHLHAAS-Verfilmung. Denn die ist richtig blutig. Und bitter. Und realistisch …

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