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Um andere Länder und andere Sitten kümmerte sich Eli Roth bereits in "Hostel", mit seinem Abenteuerstreifen geht er auf die Kannibalenfilme der späten Siebziger und frühen Achtziger zurück, ohne jedoch Tiersnuff einzubauen, was schon mal viel wert ist. Die Story könnte indes auch ein Remake sein, denn hier reiht sich eine Genrezutat an die nächste.

Eigentlich ist Justine (Lorenza Izzo) eine durchschnittliche Studentin, doch sie lässt sich vom Führer einer Aktivistengruppe einlullen und startet eine Demonstration gegen die Abholzung der Amazonaswälder. Vor Ort scheint die Aktion zunächst erfolgreich zu sein, doch der Rückflug endet mit einer Bruchlandung und kurz darauf befinden sich die Überlebenden im Kreis eines Kannibalenstammes...

In einigen Belangen ist Roth schwer einzuschätzen, denn einerseits spricht er die Vertreibung der Einheimischen und abscheuliche Rituale wie Genitalverstümmelung an, jenes wird im letzten Drittel jedoch Bestandteil der Handlung, um entsprechend Suspense zu erzeugen.
Ansonsten gebärden sich die Yajes, irgendwo im Dickicht von Peru, wie ein satter Gegenpol zu Veganern: Sie essen nur Fleisch, gerne auch mal roh.

Bis dahin vergeht allerdings eine ganze Weile, um die Aktion vor Ort, mit Anketten und Handys via Livestream abzuwickeln, was durchaus abenteuerlich abläuft, zumal einige gelungene Landschaftsaufnahmen und ein abwechslungsreicher Score die Stimmung in exotischer Umgebung untermauern. Die Figurenzeichnungen fallen zwar ein wenig vage und gleichermaßen klischeebeladen aus, doch der Absturz lässt das Herz des Horrorfans höher schlagen, da die Szenerie vielleicht nicht von ungefähr an dramatische Kettenreaktionen in Richtung "Final Destination" erinnert. Ein paar mitreißende Momente, einschließlich brachialer Gewalteinlagen lassen vermuten, wie es den Überlebenden später bei den Kannibalen ergehen könnte.

Ein paar Rituale ziehen sich zwar ein wenig und diverse Vorbereitungen könnten etwas besser auf den Punkt kommen, doch sobald verschiedene Fluchtpläne umgesetzt werden, geht ordentlich die Post ab. Splatterfreunde kommen natürlich nicht zu kurz, denn neben dem Verteilen von Pfeilen, wird ein Gesicht Stück für Stück filettiert, es gibt einen Kehlenschnitt, Zerteilen von Gliedmaßen und einige angedeutete Fressszenen. Überwiegend handgemacht und durchweg überzeugend.

Gleiches gilt für die Aufmachung der Ureinwohner, obgleich hier bei einigen Individuen etwas zu dick aufgetragen wurde. Die einäugige Anführerin mit speziellem Schmuck ist zwar eine schillernde Erscheinung und ihr Adjutant trägt den wahrscheinlich größten Nasenring aller Zeiten, doch hier wäre weniger mehr gewesen, denn es driftet ein wenig ins Comichafte ab. Auch die rituelle Bemalung von Justine wirkt ein wenig bizarr, obgleich sie innerhalb des satten Grüns eine interessante Erscheinung abgibt.

Die Pointe ist schließlich ein wenig einfallslos und nicht unbedingt nachvollziehbar ausgefallen, ein netter Alptraum-Gag und eine skurrile letzte Einstellung runden das Bild eines nicht ganz so ernst zu nehmenden Beitrags mit Tendenz zur Hommage jedoch ab.
Darstellerisch sehr solide performt, handwerklich ohne Makel, dürften Abenteuerfreunde, insbesondere Kannibalenfans auf ihre Kosten kommen, obgleich hier rein gar nichts Innovatives geboten wird. Unterhaltsam und spannend ist der Streifen aber allemal.
7 von 10

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