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Die junge Studentin Justine schließt sich einer Gruppe anderer Studenten, die sich gegen die Abholzung des Regenwaldes und die Vertreibung oder sogar Ermordung der Eingeborenen einsetzt, an. Angeführt vom charismatischen Alejandro, plant die Gruppe direkt vor Ort eine Protestaktion durchzuführen und diese dann zu filmen und ins Netz zu stellen, um auf die dramatische Situation für Mensch und Natur aufmerksam zu machen. Leider verläuft die Aktion nicht ganz reibungslos, gerät doch ausgerechnet Neuling Justine in eine sehr bedrohliche Situation. Trotzdem feiert die Truppe ihren Einsatz anschließend als Erfolg. Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn das Flugzeug in dem sich die Umwelt- Aktivisten auf dem Rückweg nach Amerika  befinden, stürzt über dem Dschungel ab. Die überlebenden Insassen geraten kurz darauf in die Fänge eines grausamen Kannibalenstammes und der Horror beginnt...


Was wurde nicht schon alles im Vorfeld über diesen Film geschrieben...Generell scheinen die Werke von Eli Roth viel Aufmerksam zu erregen und zu polarisieren. Ich persönlich halte ihn für einen der talentiertesten und fähigsten Regisseure im Horror-Genre und überhaupt gebürt dem Engagement Roths, eine Hommage, einen Tribut ausgerechnet an das Kannibalen-Genre zu drehen, großer Respekt. Wer, außer vielleicht Tarantino, hätte sich an so eine heikle Mission gewagt und wäre auch noch befähigt dazu, diese große Aufgabe auch adäquat umzusetzen? Wie auch immer, ich jedenfalls finde, Mr. Eli Roth hat bei seinem Baby "Green Inferno" (fast) alles richtig gemacht. Man spürt als Zuschauer förmlich, dass die Sache für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen sein muss. 
Die Einführung der Charaktere fällt dabei zwar noch etwas gewöhnlich nach Schema F aus, ist aber eben auch sehr hilfreich, damit der Zuschauer sich besser mit den Protagonisten identifizieren und später umso mehr mitfiebern kann. Und spätestens wenn die Gruppe in der grünen Hölle angekommen ist, steigert sich die Spannung immer mehr. Diese typische, intensiv - dramatische (Dschungel-) Atmosphäre, die beispielsweise einen Film wie "Cannibal Holocaust" auszeichnet, ist definitiv spürbar. So beginnt, gefangen in einem Käfig, für einen nach dem anderen eine ganz persönliche Tortur. Sicher, die Idee, das ein ganzer Kannibalenstamm von einem kleinen Tütchen Gras, welches über die sehr "humane" Nahrung aufgenommen wurde, total high wird, ist etwas abwegig und weit hergeholt (wohl selber "under the influence" entstanden) aber irgendwie auch liebenswert schräg und witzig. Überhaupt ist interessant, dass Roth es geschafft hat, sogar eine gute Dosis makaberen Humors unterzubringen. Passt wunderbar zu dem Werk. Die Schauspieler machen allesamt einen sehr guten Job, sind engagiert und geben ihr Bestes. Besonders hervorheben möchte ich die Protagonistin Justine, für deren Darstellerin Lorenza Izzo die Dreharbeiten eine ziemliche Tour de Force gewesen sein müssen. Auch Ariel Levy, der den anfänglichen Leader Alejandro spielt, und der sich im weiteren Verlauf als echtes Kameradenschwein entpuppt, hat mir sehr gefallen (sein Gesicht erinnerte mich die ganze Zeit irgendwie an den jungen George Hilton). Und ja, (natürlich) ist der Film auch brutal und heftig. Ich denke, hier wird jeder hungrige Gore Fan auf seine Kosten kommen, zumal die Effekte von Greg Nicoteros KNB Group (u. a. "The Walking Dead") absolut erstklassig sind.
Zudem ist das Bild der blu-ray von Constantin gestochen scharf und die Farben sind wunderschön kräftig. Ich kann also nur jedem halbwegs Interessierten empfehlen, sich das Ding reinzuziehen und sich selber ein Urteil zu bilden. 
In diesem Sinne: Danke Eli Roth, für diese rundum gelungene Hommage an ein berüchtigtes, legendäres Filmgenre.     

Per Ruggero....e per Eli.            9/10

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