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Und wieder einmal versäumen es junge unbedarfte US-Twens, sich das fremde Umfeld in neuer Wohnlage bereits im Vorfeld anzusehen. Denn dann hätte die düstere Geschichte des Nachbarhauses dazu geführt, selbiges mitsamt der maskierten Bewohnerin abzufackeln, was als Kurzfilmalternative sogar die unterhaltsamere Wahl gewesen wäre.

Laurie ist ein wenig angepisst, da ihr das just erworbene Haus auf dem Land zwar zusagt, die groß angelegte Willkommensfeier mit Musik und Alkohol durch ihren Freund Hugh jedoch nicht abgesprochen war. Noch in derselben Nacht wird die Nachbarin auf die Gruppe junger Leute aufmerksam, welche zuvor in ihr Haus eindrangen und fast das Geheimnis ihrer Existenz entdeckten...

Will man als Freund von Horrorfilmen den ersten Schritt als Filmemacher wagen, bietet sich immer ein Slasher ohne Schnörkel an, was Regisseur Jeremiah Buckhalt als Fan des Genres offenbar entgegen kam. Allerdings arbeitet er uninspiriert und ideenlos zahlreiche Klischees und Genremuster ab, ohne dem Metier auch nur ansatzweise neue Impulse zu verleihen.

Die konturlosen Figuren interessieren nicht einmal am Rande, die Hintergrundgeschichte der eiskalt handelnden Witwe wird lediglich angerissen, ihre immerhin ausdrucksstarke weiße Maske trägt zwar zu ihrer Unberechenbarkeit bei, doch bis auf ein paar blutige Eingriffe ist bei alledem kaum spannendes Material auszumachen.

Die handgemachten Effekte bieten den fiesen Bruch eines Fußes, diverse Messerstiche und Bohrungen, drei Enthauptungen, blutige Peitschenhiebe und abgetrennte Unterarme, was sich im Gesamtbild durchaus sehen lassen kann und die wenigen Höhepunkte des Treibens darstellt. Anderweitig gelingt es den teils unterirdisch performenden Mimen kaum, alltägliche Abläufe, geschweige denn, prekäre Situationen glaubhaft zu transportieren, die austauschbaren Sets schüren kaum Atmosphäre, lediglich die zuweilen schwach ausgeleuchteten Kellerräume unterstützen, wohl eher unbeabsichtigt, einen gewissen schmuddeligen Look.

Ansonsten handelt das Kollektiv mal wieder selten irrational, schnappt sich Waffen erst gegen Ende, tritt im Falle einer Gegenwehr viel zu lasch zurück, während Maßnahmen zur Verbarrikadierung wenig bringen, wenn indes die Haustür offen steht.
Hinzu kommt ein unmotiviert klingender Score, der aus der untersten Retorte zu stammen scheint, was besonders während des zu kurz ausgefallenen Showdowns auffällt, der zu allem Überfluss völlig unbefriedigend endet und den ohnehin nicht positiven Eindruck noch deutlich verschlechtert.

So bleibt ein nach 82 Minuten endendes Debüt, welches mit seinem minimalen Budget zumindest ansehnlich inszenierte Gewalteffekte beinhaltet, ansonsten jedoch ohne Höhepunkte vor sich hin dümpelt und beim Einbinden der Hintergrundgeschichte nur einzelne Zeilen einiger Aufzeichnungen bemüht, anstatt auf schlichte Flashbacks zurückzugreifen. Spannung auf latenter Sparflamme, langweilige Figuren und in jeder Hinsicht bekannte Abläufe bescheren "Blood Widow" einen unterdurchschnittlichen Gesamteindruck, weshalb Genrefans ihn problemlos überspringen können.
3,5 von 10

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