kurz angerissen*
Anders als bei diversen Ottfried-Fischer-TV-Krimis wäre es durchaus denkbar, dass sich ein „Dampfnudelblues“ auch an ein ausländisches Publikum vermitteln ließe. Obwohl dem Genre nach ins Gebiet der klassischen Regionalkrimis zu verorten, werden die Eigenarten bavarischer Gemeindekultur in Ed Herzogs erster Verfilmung eines Romans aus Rita Falks Eberhofer-Serie weniger als Lebensgefühl gefeiert als vielmehr exponiert. Erscheint beispielsweise der karge Ortseingang der fiktiven München-Landshut-Zwischenhölle „Niederkaltenkirchen“ im Bild, so wird damit kein Heimatgefühl freigesetzt, sondern etwas Urdeutsches liebevoll demontiert. Leere Straßen und Plätze bestimmen das Landschaftsbild, in Form gehalten durch Recht und Ordnung, so dass jede Spur von Anarchie gellend ins Auge fällt. Ein „Stirb du Sau“-Graffiti wäre in dreckigen Berliner Bahnhofsvierteln oder im westdeutschen Kohlenpott nur eine Schmiererei von vielen, am Haus eines bayerischen Schulrektors ist es eine blinkende Reklametafel.
Dass der reflektierende Blick auf die Provinz von innen heraus kommt, wird jedoch anhand der Hauptfigur sichtbar. Sebastian Bezzel macht nicht nur einen großartigen Job dabei, den tumben Dorfpolizisten zu mimen, der ebenso wie Fleischer, Kommissar oder Hendl-Verkäuferin eindeutig Produkt seiner Umwelt ist. Gleichzeitig gelingt es ihm doch mit glasigem Blick zu erkennen, zu welch obskuren Auswüchsen die völkische Provinzkultur fähig ist, von der er umgeben ist – wissend, dass er ihr nicht entrinnen kann.
Als Resultat dieser Einstellung nimmt „Dampfnudelblues“ einen herrlich resignativen Charakter an, der die Relevanz jedweder Art des Handelns in Frage stellt und seine Hauptfigur wie im Tagtraum durch einen Kriminalfall stolpern lässt, der nicht nur einen Mord beinhaltet, sondern auch betrunkene Fußballer, italienische Liebhaber und Hanfanbau im elterlichen Vorgarten. Eine besondere Stellung nimmt, wie der Titel schon verrät, die deutsche Küche ein. Im Ausland (und städtisch geprägten Inland) wird ihr als schwere Hausmannskost zutiefst misstraut, also werden Franz Eberhofer und sein Sidekick Simon Schwarz mit allerhand bunten Speisen versorgt, die den Vorwurf der schweren Küche zwar nicht widerlegen können, ihn aber mit einer nicht für möglich gehaltenen Vielfalt schmücken, die mutmaßlich in den Fortsetzungen noch ausgebaut werden dürfte.
All das macht „Dampfnudelblues“ zu einer mächtig unterhaltsamen Kriminalkomödie, die sich auch wunderbar außerhalb von Bayern goutieren lässt. Ed Herzogs biedere Regie bildet in diesem Fall keinen Makel an sich, unterstützt er doch die bizarren Impressionen eines Ortes im Niemandsland, der mit einem sehr oft ins Bild gerückten Kreisverkehr bestens umschrieben ist. Nur in wenigen Fällen wird zu sehr über die Stränge geschlagen und der beschauliche Ton verfehlt – noch nicht oft genug, um sich störend auszuwirken. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Anteil in den Fortsetzungen nicht erhöht, nur um das Publikum bei Laune zu halten.
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