Filme machen kann so einfach sein. Selbst wenn man sich nicht andauernd im Weg der Sequels, Reboots, Remakes oder Rewasauchimmer selbst kopiert wie das in Hollywood aktuell der Fall zu sein scheint, muss der geistige und sonstige Aufwand nicht groß sein. Im Fall unserer linksrheinischen Nachbarn sieht das so aus: Man nehme den Roman eines populären inländischen Schriftstellers, der im Großen und Ganzen immer das gleiche in anderer Verpackung abliefert (Alt-Nazis oder deren Abkömmlinge, eine krude Verschwörung, dazu ein paar aufrechte Cops, ein paar düstere Handlungsorte, vorzugsweise Klöster, Kirchen, Eliteschulen etc). Für das obligatorische Cop-Duo wird ein jugendkompatibles Figürchen aus der Pop-Kultur engagiert, der Part des älteren Partners besetzt sich mit Monsieur Depardieu schon deshalb quasi von selbst, weil an dem angesichts seiner aktuellen Leibesfülle ohnehin und buchstäblich niemand vorbeikommt.
En Detail sieht das etwa so aus: In Nordafrika "kauft" ein dubioser Finstermann aus unerfindlichen Zwecken Kinder ein, aber das Unterfangen geht partiell schief und er landet im Gefängnis. Enter Interpol-Heißsporn Salek (Rapper Joey Starr), der sich schon seit längerem und auch aus privaten Gründen durch einen Fall prügelt, dessen Spuren u.a. zu einem privaten Sicherheitsunternehmen, chilenischen Exilanten mit verdächtig deutschen Namen und einer aufrechten Richterin am internationalen Strafgerichtshof führen. Und weil sich das im Genre so gehört, gesellt sich der eben pensionierte, aber vom Ruhestand wenig begeisterte Alt-Cop Kasdan (180 Kilo Depardieu) dazu, der sich gerade mehr oder weniger ungefragt in den Fall eines ermordeten Chorleiters einmischt. Und natürlich hängt das alles irgendwie zusammen..
Für die Romane des in Frankreich offenbar recht populären Krimischriftstellers Jean-Christophe Grangé gilt erkennbar das Pilcher-Prinzip: Kennst Du einen, kennst Du alle. Mit der durchaus ansehbaren, weil atmosphärisch relativ dichten Verfilmung der "Purpurnen Flüsse" wurde das simple Rezept auch hierzulande etwas bekannter - und dass obwohl der Griff in die Mottenkiste der Alt-Nazi-Verschwörungen eigentlich seit gefühlten 30 Jahren schon aus biologischen Gründen ziemlich out ist. Für die aktuelle Version ist die Ausgangssituation deutlich ungünstiger: In Ermangelung eines konkreten, abgegrenzten und für Spannung und Atmosphäre sorgenden Schauplatzes wie der beeindruckenden Alpen-Eliteschule in dem Vor-Vorgänger treten die Mängel an Story und Dramaturgie noch deutlicher hervor. Wer versucht, die genauso komplexe wie wirre Story um taube Kinder, das Kirchenlied "Miserere", tote Chorleiter, Nazi-Experimente, deutschstämmige Exilchilenen, Kommunistenjagden, Sicherheitsfirmen und noch einiges mehr mal auf einem leeren Blatt zusammenschreiben, wird wahlweise an seinem Verstand oder dem der Autoren zweifeln, der sinnstiftende Zusammenhang erschließt sich da auch nach Filmende nur äußerst mühsam. Und die ganz große Spannung entwickelt das Ganze dann auch nicht, dafür ist die Inszenierung zu wenig temporeich und in einigen Fällen auch arg nachlässig. Da darf der ermittelnde Cop schon mal völlig ungehindert in ein offenbar dürftig gesichertes Gebäude eindringen, wo gerade die Kernpunkte der Verschwörung durchgesprochen werden; Marthe Keller kommt mit etwas Hilfe der Maskenbildner wie gut 50 und damit selbst als kindliche KZ-Überlebende arg jung rüber, ein Revolver wandelt sich in einer Sequenz kurzerhand zur Automatik und so weiter. Die wenigen Actionmomente hauen einen auch nicht vom Hocker, haben in etwa so viel Tempo wie ein durch die Straße walzender Depardieu. Grob zusammengefasst sehen wir sehen eine kurze, restlos unspektakuläre Autoverfolgung, die bei Grangé wohl obligatorische Mann-gegen-Mann-Kampf-Einlage und ein leidlich spannendes Finale, mehr ist nicht. Dass für dieses latent deutschfeindliche Unterfangen eine bekannte deutsche Luxusautomarke offenbar als Sponsor auftritt und einige deutsche Schauspieler Kurzauftritte haben, wundert einen allerdings schon etwas
Bei aller Kritik: Man hat sich auch schon mehr gelangweilt, als passable Abendunterhaltung für den kleinen Bildschirm (auch in Frankreich kommt man um den Co-Produzenten "Fernsehen" offenbar nicht mehr herum) reicht es so gerade. Übermäßigen Leerlauf in der Handlung gibt es keinen, die Geschwätzigkeit mancher französischer Krimis fehlt hier weitgehend, und die durchaus in der Figurenkonstellation angelegte Möglichkeit, ein oder schlimmstenfalls sogar zwei tranige Love-Interests einzubringen, wird erfreulicherweise kaum wahrgenommen. Wer sich mit dem Duo aus einem Rapper und dem mächtig verlebt aussehenden Neu-Russen als Cops abfinden kann, muss auch schauspielerisch keine Katastrophen befürchten, abgesehen vielleicht von einem eher grusligen Kurzauftritt von Mathieu Carrière.
Bleibt also ein ziemlich abstruser, insgesamt gerade noch annehmbarer Verschwörungsreißer auf mittlerem TV-Niveau, dem man eine bessere Vorlage genauso gewünscht hätte wie Depardieu eine Abmagerungskur - sonst kann der den Obelix demnächst wirklich ohne künstlichen Bauch spielen. 5 /10.