Review

kurz angerissen*

Nachdem er sich jahrelang nur komödiantischen Stoffen widmete, knüpft David Gordon Green mit „Joe“ wieder an sein letztes reines Drama „Undertow“ (2004) an. Nicolas Cage verhilft er zu einer bemerkenswerten Leistung in einer äußerst anspruchsvollen Rolle. Der längst ins B-Fach abgerutschte Schauspieler muss sich einmal nicht zu Overacting-Höhen aufschwingen, weil der Film, in dem er mitspielt, auch ohne solche Maßnahmen ein sehenswerter ist – insbesondere mit Jungstar Tye Sheridan an der Seite, der Cage durchaus das Wasser reichen kann.

Ansonsten verströmt „Joe“ viel Non-Hollywood-Authentizität. Nicht nur, weil er sich an realistische Themen heranwagt (und diese auf moralische Werte ummünzt), sondern vor allem, weil viele Nebenrollen mit Laien aus dem texanischen Umland besetzt wurden – inklusive Gary Poulter, der nicht nur einen Alkoholkranken spielte, sondern im wahren Leben selbst ein solcher war, bis er kurz nach den Dreharbeiten tot aufgefunden wurde. Es muss ein Risiko für Green gewesen sein, die Rolle so zu besetzen, doch von seiner ersten Szene bis zur letzten ist Poulter ein darstellerischer Hauptgewinn für den Film, denn unvorhersehbarer kann man Alkoholismus nicht auf die Leinwand bringen.

Die einfache Handlung scheut nicht vor Metaphern zurück, um ihre Geschichte mit poetischem Ausgang zu erzählen, und doch mutet sie knallhart und realistisch an, fesselnd über die gesamte Laufzeit.

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