Der auf den ersten Blick vielleicht unauffälligste Beitrag der zehn „Shocking Shorts“ von 2013 ist der Kurzfilm von Constantin Jahns, der 2016 noch einmal nachlegte.
Unauffällig, weil in Schwarzweiß gehalten und vergleichsweise ruhig vorgetragen.
Der Geschäftsmann Lehmann (Maik van Epple) verpasst nachts den letzten Bus. Beim Blick auf den Fahrplan wird er auf einen Obdachlosen aufmerksam, der mit seiner Geldbüchse klappert. Nach einem verächtlichen Kommentar macht sich Lehmann zu Fuß auf, doch der Obdachlose lässt sich nicht so einfach abwimmeln…
„Manche Leute arbeiten für ihr Geld“ ist wahrscheinlich genau der Klischeekommentar eines Schnösels gegenüber eines sozial minder Bemittelten, der auch hier gleich mehrfach fällt.
Damit sind die Sympathien binnen weniger Momente entsprechend verteilt, zumal der Bettler kein Wort spricht und noch nicht einmal mit einer Geste auf die titelgebende Spende aufmerksam macht, - schließlich könnte das Klappern mit der Büchse auch andere Gründe haben.
Mit der Verfolgung setzen typische Motive des gängigen Slashers ein. Die Kapuze des Obdachlosen verdeckt sein Gesicht komplett, das Hinken und die leicht schräge Körperhaltung komplettieren die Parallelen zu einem Killer, der in einem Moment bedrohlich auf dem Weg steht, um im nächsten spurlos zu verschwinden.
Jahns spielt recht gekonnt mit Licht und Schatten, die Sets sorgen aufgrund der Isolation des Flüchtigen für eine treffend unangenehme Atmosphäre und nur selten sind Anzeichen nächtlicher Aktivität wahrzunehmen.
Derweil liefert der fett mit Streichern arrangierte Score eine adäquate Untermalung, obgleich die Harmonien stellenweise deutlich an Bernard Herrmanns „Psycho“ erinnern.
Van Epple performt solide und auch Xaver Wiesholler leistet gute Arbeit, indem er die Figur des Gesichtslosen übernimmt und zudem in eine Rolle als Putzhilfe schlüpft, die gegen Ende für die Pointe verantwortlich ist.
Diese hätte zwar ein wenig garstiger ausfallen dürfen, zumal die nächtliche Hatz eher unspektakulär und komplett blutleer abläuft, doch innerhalb der knapp dreizehn Minuten bringt Jahns den Stoff handwerklich ansprechend auf den Punkt. Kein Überflieger, aber ein stimmungsvoller Happen für zwischendurch.
6 von 10